Internationale Küche in Berlin
Internationale Küche in Berlin

Seit dem EM-Start am 10. Juni schütteln sich verschiedene Nationalmannschaften fleißig die Hände. Der kulturelle Austausch geschieht aber nicht nur auf dem Fußballrasen, sondern belebt vor allem in großen Städten wie Berlin den Alltag. Wir nehmen uns das aktuelle Großereignis zum Anlass, um euch die reizvollsten Cafés und Restaurants unterschiedlicher Länder zur EM in Berlin vorzustellen. 24 Teilnehmerländer hatten sich für die Gruppenphase der UEFA Euro 2016 qualifiziert und auch, wenn die meisten bereits wissen, dass die EM für sie zu Ende ist, befinden sich noch alle 24 Teilnehmerländer in unserem Berliner Restaurant-Guide. So könnt ihr eure ganze eigene – kulinarische – Europameisterschaft nachspielen und ihre Länderküchen probieren. Lasst euch davon beeindrucken, welche kulinarischen Möglichkeiten ihr zum Fußballsommer in Berlin habt!

Gruppe A: Von Rilette in Kreuzberg bis zur Pirogge in Wedding

Schweizer Küche im Nola´s
Schweizer Küche im Nola´s
Als Gastgeber der WM darf Frankreich auch in Berlin den europäischen Gastroreigen eröffnen. In Kreuzberg, genauer gesagt im Le Bon, bekommt ihr zwar eine internationale Speisenauswahl präsentiert, aber dafür immer wieder spannende französische Highlights wie Enten-Rilette mit Sauerteigbrot und Gurken in Thymian-Senf (7€). Übrigens soll es hier auch die besten "Eier Benedict” der Stadt geben, eine zugegeben amerikanische Variante einer typisch französischen Zutat, der porchierten Eier. Ein Stück Rumänien findet ihr wiederum in Reinickendorf: Das noch verhältnismäßig frisch eröffnete Restaurant Baron lockt mit viel Fleisch – vor allem Hack, Schaf und Lamm – und günstigen Preisen. Auch Einflüsse italienischer Küche dürfen hier erwartet werden. Besondere Schmankerl sind die original rumänischen Flaschenweine und die liebevoll rustikal gestaltete Einrichtung. „Gruezi mitenand!“ Und schon ist man dort, wo ein gewisses Kräuterbonbon sein Zuhause hat: die Schweiz in Mitte. Die vorab zu erklimmenden, luftigen Höhen des Berliner Weinbergs setzen diesem Flair im Nola’s das I-Tüpfelchen. Also: Appenzeller, Röschti oder Chäs Chnöpfle und ab geht die Luzi! Die albanische Esskultur wiederum schwankt von Region zu Region und speist sich aus italienischer, griechischer, orientalischer oder eben das, was man hierzulande unter "Balkanküche" versteht. Ähnlich hält es auch das Nosh Deli – ein Konglomerat aus Restaurant und Dachterrasse. Hier werden Piroggen mit Curry gekreuzt und Weißkohl mit Salsa kombiniert. Wer dann doch lieber leckeres, traditionelles albanisches Gebäck kredenzen möchte, schaut bei Sofra Shqiptare in Wedding vorbei.

 

Ein von Le Bon (@lebonberlin) gepostetes Foto am

 

Gruppe B: Walisisches Lamm oder doch die hippe slowakische Küche?

Ok, walisische Restaurants gibt es auch in Berlin nicht gerade wie Klippen am royalen Meer. Trotzdem sollten geneigte Lamm-Schleckermäuler jetzt aufpassen, denn in den Frischeparadies-Märkten ist Walisisches Lammfleisch DER Insider-Tipp. Mit Nachbar England selbst ist es da schon etwas einfacher: Das East London bringt die britische Hauptstadt nämlich direkt ins Herz von Berlin. Industrieller Backstein-Charme trifft auf Krönchen und Cream Tea. Dazu serviert die Bedienung in schniekstem "British English". Wer sich durch das köstliche Angebot an Pancakes, Scones, Tees und Toffee Pudding durcharbeiten möchte, findet außerdem ausreichend Lektüre zum Zeitvertreib vor. Völliges Understatement leistet dagegen die russische Kultur in Form des Café Datscha in Friedrichshain. Die Speisekarte ist lang und übersteigt die Erwartungen an einen kleinen Café-Imbiss. Übrigens sind auch russische Pfannkuchen, Blinis, alles andere als eine süße Kaffee-Mahlzeit: Mit Sauerkraut, Lachs oder rotem Kaviar ergeben sie ein erfüllendes Mittagessen. Absolut hip, trendy und ein bisschen rotzgörig kommt die slowakische Küche in Berlin um die Ecke: platz doch! fordert die Gäste auf, sich zu setzen und richtig viel zu essen. Viel von Gut, das sollte auch gesagt werden. Denn, was da gekocht wird, ist feinstes Slow-Food nach traditionell osteuropäischer Rezeptur. 

Slowakisch essen im platz doch!
Slowakisch essen im platz doch!

Gruppe C: Schwaben in Berlin und ein nordirischer Ausreißer

Ahoj Mama! In Schöneberg zeigt sich die Ukraine von ihrer maritimen Seite. Das Familienrestaurant Odessa Mama serviert ukrainische Hausmannskost und bereitet von der Heringsbutter bis zur Bratwurst alles selbst zu. Bei der deutschen Küche fallen uns gleich zahlreiche unterschiedliche regionale Schwerpunkte ein, aber der Zusammenhang Schwaben–Berlin bietet sich förmlich an! Stellt sich also die Frage: (Zu) Viele Schwaben in Berlin? Nicht, wenn es nach uns geht, denn sie bringen ihr gutes Essen gleich mit! In den Schwarzwaldstuben sitzt ihr gemütlich in rustikalem Ambiente bei Schnitzel, Spargel und Flammkuchen – sowohl drinnen als auch draußen. Einen Piroggen-Imbiss haben wir uns ausgesucht, um Polen ins Rennen um den kulinarischen EM-Titel zu schicken. Könnte funktionieren, denn die Füllungen sind lecker und kommen als süße oder würzige Variante auf den Tisch. Kurzum: Das Tak Tak Polish Deli serviert leckeres polnisches Streetfood, darunter auch Bigos (eine Art Eintopf) und Suppen. Unbedingt mal ausprobieren! Nordirland wiederum war so eine Sache: Wahrscheinlich muss, wer die kleinen, aber feinen Unterschiede zwischen Irischen und Nordirischen Pubs wahrlich ergründen will, selbst nach Nordirland fahren. In Berlin gibt es vorrangig auf „Irish Pubs“ herunter abstrahierte Kneipen. Dafür haben wir aber ein Stück Berlin in Belfast ausfindig gemacht: Die nordirische Hauptstadt betreibt zumindest dem Namen nach kulturellen Austausch und beheimatet den Berlin Arms Pub. Berlin in der Shankill Road. Warum den Spieß nicht einfach mal umkehren?

polnische Piroggen im Tak Tak – Polish Deli
polnische Piroggen im Tak Tak – Polish Deli

Gruppe D:  Tapas, Becherovka und türkisches Ambiente

Viel wurde über die spanische Bar Raval in Kreuzberg berichtet, vor allem weil Daniel Brühl zu den Inhabern der Tapasbar gehört. Kein Grund vorbeizuschauen (der Schauspieler ist meist eh nicht da), die Tapas selbst sind es schon. Was hier angeboten wird, ist nämlich ein Geschmackserlebnis über alle Maßen. Können Auberginen wirklich so gut schmecken? Ja, können sie und ja, es ist teuer hier, aber es lohnt sich wirklich. Wirklich! Für Tschechien geht es nach Friedrichshain: Die Prager Hopfenstube bietet dem Namen nach zu urteilen vor allem eins: richtig gutes tschechisches Bier. Und das stimmt auch. Doch gibt es hier auch einen gemütlichen Biergarten, leckere Spargelgerichte, böhmische Küche und natürlich ausreichend Becherovka zu fairen Preisen. Türkische Restaurants und Imbisse gibt es in Berlin wirklich zu Hauf, da ist es gar nicht so leicht, sich für einen Namen zu entscheiden. Wir haben uns für das Defne Restaurant in Kreuzberg entschieden: Ein schöner, gewölbeartiger Raum mit nahöstlich anmutenden Fliesen versetzt die Gäste in die richtige Stimmung für Hummus, Blätterteigröllchen und Hellenische Hähnchenbrust – die Karte bietet eine tolle, große Auswahl und das Preis-Leistungsverhältnis ist okay. In Kroatien wird gerne gegrillt – und das selten fleischlos. Auch im Marjan Grill in Tiergarten/Mitte wird mit dieser Tradition nicht gebrochen, wobei der preisliche Rahmen keinesfalls gesprengt wird. Die Räumlichkeiten schwanken zwischen klassisch und leicht angestaubt, bieten aber viel Platz.

Spanisch essen in der Bar Raval
Spanisch essen in der Bar Raval

Gruppe E: Bullerbü für Zuhause oder der Restaurant-Klassiker schlechthin? 

Stimmt schon – wir könnten jetzt anfangen, von belgischen Pommes zu schwärmen, aber das lassen wir. Denn Belgien bietet auch großartige Süßspeisen und das direkt in Kreuzberg. Lasst euch im Cassonade fluffige Waffeln in allerlei Variationen bringen und genießt einen Milchshake dazu! Definitiv werdet ihr in jedem Irish Pub Berlins einen stimmungsgeladene EM 2016 erleben. Die Pubs übertragen meist alle Spiele eines Fußballsommers. Besonders ans Herz gelegt sei euch die Irish Harp in Charlottenburg. Zum Fußball könnt ihr neben den klassischen Getränken auch zünftiges Roastbeef oder Spare Ribs genießen. Schweden wiederum holen sich viele Menschen doch am liebsten direkt nach Hause. Am besten könnt ihr das tun, indem ihr dem Schweden-Markt in Friedenau einen Besuch abstattet. Hier gibt es nicht nur Getränke und Lebensmittel, sondern auch Zeitschriften, Kinderbücher und Souvenirs aus dem sympathischen skandinavischen Land. Wer ein schwedisches Café mit den wunderbaren und wichtigen Gebäckklassikern sucht, ist im Café Valentin richtig: Hier gibt es neben wechselnden Kuchen und herzhaften Speisen eben auch Kanelbullar und Princesstårta. Italien ist nicht nur ein Klassiker in Sachen Fußball, sondern auch kulinarisch. Im Kreuzberger +39 Piùtrentanove werden durchaus italienische Klischees bedient: Es gibt rot-weiß-karierte Tischdecken und einen Steinofen. Aber ganz ehrlich: Das ist es doch, was wir von einem tollen Italiener erwarten, oder? Die Pizzen sind hauchdünn und nicht übertrieben speziell, sondern im Detail hochwertig. Wer eine Zutat,wie zum Beispiel Gorgonzola, nie mochte, wird sie hier bestimmt lieben lernen!

 

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Gruppe F: Island-Superstar gegen Wiener Schnitzel 

Ein bisschen unauffällig verhält sich das Speisenangebot bei Ungarische Weine und Spezialitäten. Wer einen spannenden Wein und vor allem Beratung sucht, ist hier schonmal goldrichtig. Dass das Spezialitäten-Lädchen auch einen Mittagstisch anbietet, ist vielen aber gar nicht bekannt. Ob Kesselgulasch, Gulasch mit Nockeln oder gebratene ungarische Paprikawurst - hier wird authentisch ungarisch gekocht! Portugal fndet ihr wiederum im A Cabana in Prenzl Berg. Nicht nur die Besitzer sind unglaublich sympathisch, auch das Restaurant selbst begrüßt seine Gäste schon vor dem Eintreten in uriger Manier: die Markise, die hübsch gedeckten Tische draußen – hier bekommt man richtig Lust auf einen gemütlichen Abend. Natürlich gibt es Tapas. Besondere Highlights der Speisekarte sind aber das Kaninchengulasch und vor allem die Fischgerichte. Island ist so oder so der große Gewinner dieser Europameisterschaft. Wie schaut es aber mit der Küche aus? Das Dóttir liegt sowohl durch Interieur mit minimalistischer Aufmachung als auch mit seiner New Nordic Cuisine voll im Trend. Statt vergammeltem Hai oder Walfischfleisch stehen frischer Fisch, Gemüse und Beeren auf der Karte. Sehr en vogue ist allerdings auch das Preis-Leistungsverhältnis: übersichtliche Portionen für relativ viel Geld (4- und 5-Gänge, ca. 60€ bis 70€). Nicht unbedingt etwas für jeden Tag, aber wen das nicht stört oder ein Restaurant für den besonderen Abend sucht, findet hier spannende, robuste Komponenten, die in einem wöchentlich wechselndem Menü serviert werden. Für ein Wiener Schnitzel sollte man unbedingt das Felix Austria besuchen. Der Österreicher im Bergmannkiez bietet aber auch Frittatensuppe (würzige Brühe mit Pfannkuchenstreifen), ein deftiges Rindsgulasch mit hausgemachten Semmelknödeln oder Marillenknödel und frisch gebackene Torten und Kuchen.   

Isländische Wurzeln im Dottir Berlin
Isländische Wurzeln im Dóttir Berlin

Unser Tipp für alle, die bei dieser Restaurant-EM ganz strategisch vorgehen wollen: Nehmt doch einfach einen der gängigen Spielpläne zur EM, tragt die Einzelergebnisse eurer Restaurant-Gegenüberstellungen ein und schaut, wie eure Guppenphase zuende gegangen wäre. Noch mehr Restaurants in Berlin findet ihr außerdem in unserem Locationfinder