Wenn man auf den Kalender schaut, stehen die Zeichen ja wirklich auf Sturm. Aber sehr stürmisch klingt die Platte eigentlich gar nicht.
Ich sehe da einen Seemann vor meinem geistigen Auge, der aufs Meer schaut. Das Meer ist ruhig, der Strand ist klar. Und er sagt: ,Die Zeichen stehen auf Sturm‘. Die Leute fragen ihn: ,Woher weißt du das?‘ Und er sagt: ,Ich fühle einfach, das eine Veränderung kommt‘. Das ist eigentlich mein Thema. Das Album ist für mich eine große Veränderung, deswegen hab ich das Bild gewählt. Auch wenn der Song mit diesem Titel von einer Beziehung handelt, von der Ruhe vor dem Sturm.

Müssen wir denn auch etwas Schlimmes erwarten?

Es wird keine dramatischen Entwicklungen geben. Das Album ist natürlich eine positive Veränderung. Aber Revolverheld wird es weiter geben. Ich hatte nur diese ruhigen Songs, die nicht zu Revolverheld gepasst hätten.

In dem Album geht es um Neugeburt, Standortbestimmung, ist das ein vorgezogenes Alterswerk?
Es stimmt, dass ich ein bisschen ruhiger geworden bin, aber ich habe immer schon die lauten Sachen genauso geschrieben wie die leisen. Die Songs des Solo-Albums sind in den letzten sieben Jahren entstanden. Ich hab schon immer viele Singer- Songwriter gehört. Das ist einfach eine andere Facette von mir.

Was haben denn deine Kollegen von Revolverheld dazu gesagt, dass du ein Solo-Album machst?

Die haben gesagt: Mach das, Alter, das kann uns als Band nur bereichern. Die unterstützen mich da voll. Und im nächsten Sommer setzen wir uns dann mal wieder zusammen und schreiben ein paar Songs und dann sehen wir weiter.

Du hast das Album unterwegs aufgenommen, in New York, Umbrien, Island...

Ich hab mein Studio sozusagen in die Hosentasche gesteckt und bin dann dahin gefahren, wo ich dachte, dass die Stimmung zu den Songs passt. In Italien war viel Ruhe, in Island gab es Melancholie und Schwere, New York dagegen ist die pulsierende Metropole.

Dann bist du wahnsinnig viel unterwegs gewesen...
Stimmt, ich fahre eben lieber ein halbes Jahr um die Welt, als ein dickes Auto zu kaufen. Davon hab ich mehr.

Bei dem Song "Rosalinde" ist noch ein anderer Sänger zu hören. Wer ist das?
Das ist mein Vater. Der macht schon seit den sechziger Jahren Musik. "Rosalinde" ist ein Lied aus den Siebzigern, mit dem ich aufgewachsen bin. Das hat mein Vater immer gespielt, als ich klein war. Ein sehr niedlicher Song, finde ich. Deswegen habe ich ihn gefragt, ob er den mit mir aufnehmen will, und er hat sich total gefreut und sofort ja gesagt. Ich finde, das passt gut, weil das für mich ein sehr persönliches, sehr intimes Album ist. Vielleicht singen wir es sogar zusammen, wenn ich im Tower spiele.

Wenn du so viel unterwegs bist, hast du dann manchmal Sehnsucht nach Bremen?
Ich fühl mich in Hamburg gerade ganz wohl, außer dass ich mit den Fußballvereinen nicht klar komme. Meistens fahre ich deshalb nach Bremen, um alte Freunde zu sehen und natürlich meine Eltern, aber auch, um ins Stadion zu gehen.

Das Gespräch führte Andreas Schnell