Herr Peterfalvi, als wir uns für das Interview verabredeten, haben Sie sich am Telefon als Alfons gemeldet. Wieviel Emmanuel Peterfalvi steckt in Alfons?
Am Anfang hatte ich das Gefühl, ich müsste das genau trennen. Mittlerweile bin ich da aber lockerer geworden. Früher war sehr viel Emmanuel in Alfons drin. Man nennt mich Emmanuel, aber ich habe kein Problem, wenn Leute einfach Alfons sagen, da weiß jeder, worum es geht. Privat trage ich aber keine orange Jacke.

Erkennen die Menschen Sie ohne Puschelmikrophon und Trainingsjacke überhaupt?
Selten. Das ist sehr angenehm. Im Durchschnitt höre ich einmal am Tag: Du bist doch der Alfons! Das ist eine gute Dosis. Das reicht für mein Ego und ist so selten, dass es mich nicht stört.

Bekommen Sie denn als Alfons immer noch die Art von Reaktionen, die Sie brauchen?
Das Geheimnis, wenn es denn eines gibt, ist, dass ich mich für die Menschen, mit denen ich rede, wirklich interessiere. Das spüren sie auch. In meinem neuen Programm besuche ich eine Gruppe von Nacktwanderern. Ich habe ein Jahr gebraucht, um sie zu überzeugen, dass ich sie respektieren werde. Ich will einfach nur wissen, warum die das machen. Natürlich mit dem naiven Blick von Alfons, aber ich will das verstehen. Und wir sind immer noch gute Freunde. Das ist die Magie des Puschelmikrofons.

Sie leben seit 20 Jahren in Hamburg. Wie kommen Sie mit den Norddeutschen zurecht?
Eigentlich sehr gut. Die norddeutsche Zurückhaltung war am Anfang schon ein bisschen seltsam für mich. Aber als ich dann anfing, auf dem Wochenmarkt Menschen zu interviewen, fand ich diese Mentalität sehr charmant. Wir drehen inzwischen überall, aber in Norddeutschland ist der Kontrast zwischen meinen merkwürdigen Fragen und der Zurückhaltung sehr schön. In Köln wollen die Leute zum Beispiel immer lustig sein. Das ist für mich nicht so gut.

Haben die Deutschen einen anderen Humor als die Franzosen?
Das finde ich sehr schwer zu beantworten. In meinen Programmen ist das eigentlich immer das Thema: mein Blick als Franzose auf Deutschland. Das beschäftigt mich, weil das mein Alltag ist: zu versuchen, die Deutschen zu verstehen. Und das ist noch nicht abgeschlossen.

Sie testen ihre Programme immer zuerst in Bremen. Warum?
Das hat inzwischen Tradition, dass ich die Vorpremiere in Bremen mache. Und das ist wirklich etwas Besonderes. Da ist etwas zu sehen, was noch niemand gesehen hat. Und es hat etwas sehr Frisches. Das ist wie ein neugeborenes Baby, das gerade die Augen aufmacht. Und die Bremer mögen es gern, dabeizusein. Manche schauen sich das mehrmals an und schreiben mir, was sie toll finden und wo sie etwas anders machen würden. Dafür sind die Bremer ideal. Ich habe noch keine Stadt gefunden, wo das so herzlich aufgenommen wird.

Woran könnte das liegen?

Ich finde, Bremen ist eine sehr kreative Stadt. Ich kenne sehr viele Künstler aus Bremen, von denen sehr viele allerdings inzwischen in Berlin leben. Ich habe das immer so empfunden, dass in Bremen etwas in der Luft liegt, was die Leute kreativ macht oder aufnahmebereit dafür.

Das Gespräch führte Andreas Schnell