Mit einer langen schwarzen Zottelmähne überm Gesicht und einer Flasche Jack Daniel's zwischen den Beinen präsentierte sich Slash zum ersten Mal der breiten Öffentlichkeit. Mittlerweile sind fast 30 Jahre vergangen und Slash einer der am meisten gefeierte Gitarrist des Planeten!

Slash
Slash & Michael Jackson
Slash
1965 in England als Saul Hudson geboren, zieht er im Alter von elf Jahren nach Los Angeles, wo er im Laufe der Pubertät sein BMX-Rad gegen eine Gitarre tauscht. Was folgt ist wohl die klassische Rockerkarriere. Er schmeißt die Schule und spielt sich durch die Clubs, auf der Suche nach der richtigen Band. Diese trifft er 1985. Mit Guns N' Roses starten die fruchtbarsten Jahre seines musikalischen Schaffens. Obwohl kein begnadeter Techniker, schafft er in jener Zeit coole Riffs und Soli wie am Fließband und verhilft die Band zum Kult. Schnell werden auch andere Musiker auf ihn aufmerksam. 1991 spielt er als Gastmusiker auf Michael Jacksons "Dangerous" Album. Eine Kollaboration, die noch viele Jahre fortgesetzt wurde. Doch auch andere Künstler wollen unbedingt zusammen mit ihm spielen. Über die Jahre hinweg hat sich Slash eine lange Liste an Kollaborationen zusammengestellt, die Künstler wie Alice Cooper, Blackstreet, Bob Dylan, Lenny Kravitz, Motörhead, Puff Daddy, Rod Stewart, Ray Charles und viele mehr beinhaltet!

Als Guns N' Roses 1994 erste Auflösungserscheinungen offenbart, begibt sich Slash auf Solopfade. Der Erfolg bleibt allerdings vorerst mäßig. Während der folgenden Tourneen erscheint der Gitarrist in schlechter Verfassung: Nach wie vor laut, aber aufgedunsen und mit einer ordentlichen Wampe über der Lederhose. Der jahrelange Drogen- und Alkoholkonsum zeigt immer mehr Wirkung. Slash muss sich sogar einer OP unterziehen, bei dem ihm ein Defibrillator eingesetzt wird. Trotz alledem macht er weiter Musik und schafft wieder den Sprung auf die große Bühne. 2007 unterzieht er sich einer Entziehungskur.

2012 veröffentlicht Slash "Apocalyptic Love". Das Album erreicht Platz 4 in den USA und Platz 5 in den deutschen Charts. Auf dem Album und der anschließenden Tour begleitet ihn Myles Kennedy. Als reines Soloprojekt betrachtet der Gitarrist seine mit Todd Kerns am Bass und Brent Fitz am Schlagzeug komplettierte Gruppe längst nicht mehr. Er schmeißt zwar den Laden und präsentiert die Musik, aber zusammengearbeitet wird wie in einer Band. Myles Kennedy liefert seitdem auch die Texte der Songs!

Nun wird es Zeit der Welt zu zeigen wie gut seine Musik weiterhin ist. Mit dem Album "World On Fire", welches seit dem 13.09.2014 in den Plattenläden steht, brennt Slash ein weiteres Rock-Feuerwerk ab. Vorbei ist die experimentelle Phase. Es regiert die Beständigkeit! Wer braucht schon Axl Rose, wenn man Myles Kennedy hat? Wer braucht große Innovationen, wenn man Traditionelles auf hohem Niveau zelebrieren kann? Das Album ist von Anfang bis Ende ein Statement und Ausrufezeichen. In Sachen Rock'n'Roll kann sich momentan niemand mit Slash messen - außer er selbst mit einem 27 Jahre alten Meilenstein.

PRINZ nahm das Album zum Anlass und sprach mit dem Gitarren-Virtuosen:

Hi Slash, wie geht’s dir? 

Mir geht’s prima, danke! Ein schöner sonniger Tag heute!

Slash & Michael Jackson
Hier in Deutschland ist es übrigens kurz vor Mitternacht! Da blieb mir genug Zeit, um mich ein wenig mit ein paar Songs zu beschäftigen, bei denen du als Gastmusiker gespielt hast. Gerade eben lief „Give In To Me“ von Michael Jackson.  Du hast ja auf einigen seiner Titel gespielt. Gibt es vielleicht ein paar Michael Jackson Momente, die du mit uns teilen magst?

Mhhh...nun...ich habe viele Male mit Michael zusammen gearbeitet. Er war einfach fantastisch. Um ehrlich zu sein vermisse ich ihn sehr. Wir hatten ein paar tolle Momente zusammen und haben viel miteinander gearbeitet. Das „Give In To Me“ Video ist übrigens in Deutschland entstanden! 

Ja genau. In München, nicht wahr? 

Ja, das war echt toll. Wir hatten einige Hundert Fans vor einer Bühne, die in einem Studio aufgebaut wurde und Michael war einfach fantastisch. Voller Power und Energie.

Slash
Slash
Slash
Mal zurück zum Thema Mitternacht. Vor ein paar Jahren hast du ja auch deinen ersten Horror Film produziert, „Nothing Left To Fear“. Wie war der Ausflug ins Filmgeschäft?

Das war eine unglaubliche Erfahrung. Viele verrückte Dinge sind passiert und es war eine harte Arbeit den Film zu beenden. Irgendwie lag ein Fluch auf dieser Produktion. Alles was schief gehen könnte, ist schief gegangen. Letztendlich haben wir es dann aber geschafft. Es war ein tolles Gefühl das Endprodukt zu sehen. Mittlerweile arbeite ich schon am nächsten Streifen. Das ist definitiv ein wichtiger neuer Schritt für mich, weil ich einfach wieder gute Horror-Filme sehen möchte und diese nun auch mit gestalten kann.

Gute Horror Filme gibt es ja eigentlich schon länger nicht mehr, wie ich finde. Irgendwie haben die Macher in den letzten 20 Jahren ihren Weg verloren...

...genau das hat mich inspiriert. Ich bin ein solch großer Horror-Fan. Leider gab es ab den 90er Jahren nur sehr wenige Filme in dieser Richtung, die wirklich gut waren. Und an die Klassiker aus den 70er und 80er herankommen. Deshalb mache ich das ja auch mit den Filmen. Ich wollte wieder zurück zu einer guten Story und zu guten Charakteren. Das ganze soll wieder zurück zu den Psycho-Horror-Streifen, die sich in den Kopf setzen und einen verängstigen. Natürlich müssen wir nun gegen die jetzigen Horror-Klischees ankämpfen, die sich über die letzten Jahre hinweg entwickelt haben. Das ist gar nicht so einfach, aber ich schaue mit Zuversicht auf das nächste Projekt. Die Zuschauer verlangen auch wieder mehr nach etwas Intelligenterem.

Du hast zu „Nothing Left To Fear“ ja auch die Filmmusik geschrieben. Wie war der Ausflug in dieses Genre?

Ich schreibe viele solche Sachen, schon seit Jahren. Also war das eigentlich kein Neuland für mich und auch kein Ausflug in dieses Genre. Ich fühle mich sogar sehr wohl dabei, auch etwas klassisches zu kreieren. Aber es ist natürlich etwas Besonderes die Musik für einen kompletten Film zu schreiben. Ich war auch ehrlich gesagt stolzer den Soundtrack in der Hand zu haben, als dann den Film zu sehen. Musik ist das, was ich am liebsten mache.

Wie läuft das eigentlich bei dir, wenn du Musik machst? Songtexte schreiben überlässt du ja, fast schon traditionsweise, anderen Musikern. Wie genau kann ich mir das denn vorstellen: nimmst du die Texte und baust daraus einen Titel und komponierst oder läuft das umgekehrt?

Es läuft umgekehrt! Ich arbeite erst einmal für mich und komponiere, setze Ideen um oder baue eine Melodie aus. Dann kommt Myles, der ja seit einigen Jahren für mich singt, und schreibt dazu eine Melodie. Während wir das ganze dann ausarbeiten und aufnehmen, entstehen dann die Texte. Das ist fast schon ein natürlicher Prozess. Und dann kann ich es kaum erwarten die Gitarre zu schnappen und die Sachen einzuspielen! 

Hast du eigentlich einen Lieblings-Gitarristen, den du verehrst?

Ich mag alle Gitarristen auf meinen Songs (lacht). Aber es gibt natürlich Leute, die über die Jahre einen Wahnsinns-Job gemacht haben. Viele sind natürlich die britischen Rock und Blues Leute, wie Eric Clapton, Jimmy Page, Keith Richards. Natürlich Pete Townshend. Jimmy Hendrix. Ich könnte so viele Namen aufführen, aber damit würde ich das Interview sprengen...

Ich muss noch nicht ins Bett...

(lacht)...ok! Dann Joe Perry, B.B.King, Robert Johnson, Muddy Waters, später auch Noel Gallagher...

...jetzt reicht es aber doch (lacht)! Wenn du schon so viele Namen nennst, dann lass mich wenigstens noch erwähnen, dass auch du schon mit vielen Musikern zusammen gearbeitet hast. Wie stellst du dich bei der Arbeit auf die verschiedenen Künstler und Musikrichtungen ein? Ich meine, du hast ja mit den verschiedensten Musikern und Sängern gearbeitet! 

Ich mag es, verschiedene Sachen auszuprobieren und mit verschiedensten Charakteren zusammenzuarbeiten. Auf musikalischer und persönlicher Ebene. Wenn ich meine Arbeit auf die Musik anderer adaptiere, ergibt das spannende Kreuzungen. Es ist interessant diesen Prozess mit zu verfolgen und selbst entstehen zu lassen. Das macht echt Spaß und ist eine tolle Erfahrung. Und ich lerne immer mehr Künstler kennen!

Ich habe in einem Interview gelesen, das du mal unbedingt mit Stevie Wonder zusammenarbeiten wolltest! Hat das mittlerweile geklappt oder hängst du diesem Traum noch hinterher?

Nein, es hat noch immer nicht wirklich geklappt. Wir haben zwar schon öfter darüber gesprochen, aber es noch nie verwirklicht. Aber wir standen schon mal zusammen auf der Bühne. Einmal. Das war bei den Grammys! 

Als ich mich für das Interview vorbereitet habe, hab ich mir auch mal die Webisodes von deinem letzten Album, „Apocalyptic Love“, angeschaut. Das hat mir übrigens sehr gut gefallen. Was mir dabei aufgefallen ist – ihr habt das Album ja komplett live eingespielt. Ohne Takes. Das war ja fast schon wie in guten alten Aufnahmezeiten! Lief das beim neuen Album genauso ab?

Nein. „Apocalyptic Love“ war eigentlich eine Ausnahme. Da wollten wir einfach diesen Vibe der Songs gut rüber bringen und die Energie rüberbringen. Wir haben da wirklich nur einige wenige Overdubs für gemacht. Aber eigentlich arbeite ich seit 1986 genauso, wie man es sonst auch gewohnt ist. Die Band spielt den Song ein, du gehst mit deiner Gitarre in den Aufnahmeraum und legst los. Spielst richtig laut und packst deine Magie in den Titel und hauchst ihm Leben ein.    

Wer Slash unbedingt mal wieder live erleben möchte, Gitarrenvirtuose und Ex-Charismatiker der Guns N' Roses hat allen Grund, ständig auf Tournee zu sein. Live liefert Slash eine energiegeladene und schweißtreibende Show, bei der sicher kein Tanzbein unbewegt und kein T-Shirt trocken bleibt. Freunde rauschender Konzert-Partys sollten sich hinsichtlich Slash-Tickets also nicht unbedingt in Verzicht üben:

Samstag 22.11.2014 - München Zenith
Sonntag 23.11.2014 - Köln Palladium

Tickets und weitere Infos findet ihr hier!

Das neue Album "World On Fire" als Spotify-Playlist!