Bei www.videotomie.de lässt sich per Clip vieles lernen - zum Beispiel der Yoga-"Morgengruß" . Ein Lehrer erklärt die Bewegungen: "Einatmen, die Hände über die Seite zur Decke ..." Eine Frau führt den Ablauf vor der Kamera vor. Und das Einzige, was man noch selber tun muss: nachmachen! Das Konzept des kostenlosen Video-Lernportals stammt von Malte Klocke, Daniel Wesseling und Florian Großmann, drei Preisträgern des Dortmunder Start2Grow-Gründerwettbewerbs 2006. Eine Testversion der Homepage läuft bereits, und im Portal tummeln sich diverse Lehrmeister, u. a. auch ein Knigge-Experte. Die Teilnehmer: jeder, der sein Wissen per Clip weitergeben möchte. "Die Idee entstand 2005. Ich nahm Tanzstunden und suchte im Internet nach Lehrvideos zum kostenlosen Download, aber es gab keine", erinnert sich Klocke. Gemeinsam mit seinen Uni-Kollegen Wesseling und Großmann entwickelte der BWL-Student eine Ideenskizze. Erste Marktanalyse war eine Umfrage in der Fußgängerzone. Zwei Jahre später blickt das Team zurück auf einen NUK-Gründerpreis, einen TradeFairAward und die Start2Grow-Auszeichnung. "Das Dortmunder Netzwerk ermöglichte uns Coachingabende zu Themen wie Recht, Marketing und Vertrieb", sagt Klocke. Seit einem Monat steht nun auch der Businessplan, und die Kompetenzen sind verteilt: Klocke ist zuständig für die Strategie, Elektrotechniker Wesseling programmiert die Homepage, und Großmann bringt seine Erfahrungen als Kameramann ein. Noch bezahlen die Studenten ihr Projekt aus eigener Tasche, doch auf Dauer soll sich die Plattform durch Werbung finanzieren. "Wir bekommen ein ungeheures Feedback von Leuten aus unterschiedlichsten Bereichen. Neulich hat mich jemand gefragt, wann er Aktien von uns kaufen kann", erzählt Klocke nicht ohne Stolz.

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EINE GUTE IDEE IST NUR DER ANFANG
2005: Die Entdeckung einer Marktlücke. 2007: Erste Gespräche mit Investoren. "Was ein junger Gründer zunächst braucht, ist viel Zeit, um die Idee weiterzuentwickeln und die Umsetzung zu planen", schildert Malte Klocke seine Erfahrungen. Dietmar Barfuss ist Leiter der Betriebsberatung der Handwerkskammer Dortmund. Er bringt einige der Startprobleme auf den Punkt: "Junge Unternehmer müssen sich damit abfinden, erst einmal kleine Brötchen zu backen und vorerst kein dickes Auto vor der Tür stehen zu haben. Und natürlich geht es auch um eine andere Frage: Hat man den Biss, täglich 14 bis 16 Stunden zu arbeiten?" Ein Geheimnis des Erfolgs ist also der zündende Einfall, kombiniert mit Durchhaltevermögen undBegeisterung. Dr. Klaus Bielstein, Pressesprecher der NRW.BANK, warnt jedoch vor blinder Euphorie: "Es ist zwar wichtig, innerlich zu brennen, aber auch die kaufmännische Basis sollte stimmen." Erst ein gut durchdachter Businessplan, gibt der Fachmann zu bedenken, sei die Basis für ein Gespräch mit der Bank. Dietmar Barfuss von der Handwerkskammer Dortmund ergänzt: "Viele junge Unternehmen scheitern an falscher Marktbeurteilung. Folgende Fragen sollte ein Unternehmskonzept zwingend beantworten: Welches Produkt, welche Leistung will ich anbieten? Wer ist meine Konkurrenz? Wo sind meine Kunden?" Und bei der Finanzplanung sei Weitsicht gefragt. "Banken erwarten eine Rentabilitätsvorschau von mindestens drei Jahren", so Barfuss.

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WIEVIEL GELD BRAUCHE ICH FÜR DEN START?
Eine ganz andere Frage: das Startkapital. "Es hängt ganz von der Branche ab, in der Sie sich selbstständig machen wollen: Bauchladen oder Biomedizin?", sagt Jörg Dannenberg, Teamleiter des Start2Grow-Wettbewerbs. Dietmar Barfuss wird konkreter: "Bezogen auf Investitions- und Betriebskosten sollte man jeweils mindestens 15 Prozent Eigenkapital vorweisen können." Auf der einen Seite die Anschaffungen, die für Gründung und Wachstum einer Firma notwendig sind, wie zum Beispiel Fahrzeuge und Maschinen, auf der anderen laufende Kosten, unter anderem für Lebensunterhalt, Personal und Miete: "Es wird häufig unterschätzt, wieviel der Gründer selbst vorfinanzieren muss", gibt Barfuss zu bedenken. Auch wenn das Unternehmen in der Startphase noch keine ausreichenden Gewinne erwirtschaftet, muss genügend Geld vorhanden sein, um den Betrieb am Laufen zu halten und den Lebensunterhalt zu sichern. Und Dr. Klaus Bielstein von der NRW.BANK betont noch einmal: "Banken schauen zunächst auf das vorhandene Eigenkapital in Form von Bargeld und Wertpapieren. Dann geht es um Sicherheiten wieSparguthaben und Grundschuldeintragungen. Sie wollen nicht nur das persönliche, sondern auch das finanzielle Engagement sehen."

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WER HILFT BEI DER FINANZIERUNG?
Wer kein Millionenerbe auf dem Konto hat, kommt am Gespräch mit der Bank nicht vorbei. Und das will gut vorbereitet sein. "Hilfe bieten die Beratungsstellen des GO! Netzwerks und die Startercentern NRW", beruhigt Bielstein. Dietmar Barfuss betreut eines der beiden Dortmunder Zentren. "Wir errechnen Finanzierungsbeispiele und bieten Seminare zur Vorbereitung auf das Bankgespräch", ergänzt er. "Und in Ausnahmefällen begleiten wir den Gründer auch dorthin." Nächster Schritt: der Termin bei der Hausbank. Nur wenn der Plan des künftigen Gründers überzeugt, leitet sie den Finanzierungsantrag an Förderbanken weiter. "Die meisten dieser Angebote laufen dann über die NRW.BANK und die KfW-Mittelstandsbank", erläutert Dannenberg. Bei der Vergabe von Fördermitteln unterscheidet die NRW.BANK drei Ansatzpunkte - zinsgünstige Darlehen, Ausgleich von fehlenden Sicherheiten (gegebenenfalls durch Bürgschaften) und Stärkung des Eigenkapitals. Ein Beispiel für Letzteres: die Vermittlung eines privaten Investors, der eigenes Geld einbringt und dafür Firmenanteile erhält. Die Bank kooperiert u. a. mit den "Business Angels", einem Verband erfahrener Unternehmer, die junge Selbstständige nicht nur finanziell unterstützen, sondern auch beratend begleiten. "Wer sich hier bewirbt, muss wirklich fit sein, sollte aber trotzdem nicht zuviel Angst haben", ermutigt Dr. Klaus Bielstein von der NRW.BANK. Für Studenten bringt Jörg Dannenberg zudem das Förderprogramm "EXIST-SEED" ins Spiel. Hierbei handelt es sich um ein Stipendium des Ministeriums für Wirtschaft und Technologie, das Zuschüsse für Lebensunterhalt, Sachausgaben und Coaching umfasst.

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UND WIE HOCH IST DAS RESTRISIKO?
"Markt und Gesellschaft verändern sich permanent", stellt Barfuss fest, "deshalb bleibt immer ein Restrisiko." Jörg Dannenberg gibt allerdings zu bedenken: "Bei Firmen, die sich beraten lassen, ist es statistisch gesehen deutlich geringer." Ein weiterer, nicht zu unterschätzender Aspekt: der Erfahrungsaustausch unter Gründern - beispielsweise bei entsprechenden Stammtischen. "Man kann sich gegenseitig Mut machen und gemeinsam Infrastrukturen nutzen", sagt Bielstein. Neben kaufmännischem Know-how sind Mut und Risikobereitschaft für ihn das wesentliche Rüstzeug eines Unternehmers. "Mit einer guten Idee hat man große Chancen. Es gibt genügend Beispiele von Tüftlern, die in einer Garage angefangen und sich später im Markt durchgesetzt haben."



EXPERTE 3 KLAUS BIELSTEIN
Dr. Klaus Bielstein ist der Pressesprecher der NRW.BANK, der zentralen Förderplattform von Nordrhein-Westfalen

PRINZ Welches sind die wichtigsten ersten Schritte zu einer Existenzgründung?
Bielstein Zunächst muss das Unternehmenskonzept gut durchdacht sein, bevor man es seiner Hausbank präsentiert. Eine gute Idee reicht nicht. Auch die Rahmendaten und die Marktanalyse müssen überzeugen. Erwartet wird eine solide Planung über 3 bis 5 Jahre.
PRINZ Wer hilft jungen Gründern bei der Finanzplanung?
Bielstein Eine erste Anlaufstelle sind z. B. die Berater des Go! Gründungsnetzwerks NRW, ein Gemeinschaftsprojekt von Land und Wirtschaft. Die Coaching-Angebote sind vielfältig und beinhalten auch Hilfe bei der Erstellung eines Businessplans.
PRINZ Welche sind die wichtigsten Fördermöglichkeiten?
Bielstein Wir nutzen vor allem zwei Instrumente: Erstens die Stärkung des Eigenkapitals, z. B. mit Nachrangkrediten. Zweitens die Entlastung der Hausbank durch Ausgleich fehlender Sicherheiten.

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JETZT MACH' ICH MEIN EIGENES DING!
Wichtige Ansprechpartner für Existenzgründer aus dem Ruhrgebiet


EWG - ESSENER WIRTSCHAFTSFÖRDERUNGSGESELLSCHAFT
MBH Essen, Lindenallee 55, Ansprechpartner: Andreas Hill, Tel. 0201/ 820 24 36, www.ewg.de Wirtschaftsförderungsgesellschaften stellen erste Kontakte zu Branchennetzwerken der Stadt her. Ähnliche Einrichtungen gibt es u. a. in Dortmund und Duisburg. Die Essener Fachleute bieten zudem Gründungsberatung von der Erstinformation bis zur Standortsuche.

GO!
Gründungsnetzwerk des Landes NRW, Hotline: 0180/130 13 00, www.go.nrw.de
Umfangreiches Informationsangebot mit Links und Ansprechpartnern z. B. zu Wettbewerben, Finanzierung und Coaching. Eingebunde Fachleute: u. a. IHK, HWK und Förderbanken. Plus: eine Liste der Startercenter NRW.

GRÜNDEN IM TEAM
Betreuung: RKW Nordwest w. V., Düsseldorf, Vogelsanger Weg 111, Tel. 0211/680 01 28, www.g-i-t.de
Das NRW- und EU-Förderprojekt ist eine Kontaktbörse für Gründer. In dem von Business-Profis betreuten Portal kann Verbindung zu zukünftigen Geschäftspartnern aufgenommen werden, um gemeinsam an Ideen zu feilen.

GRÜNDERBÜRO RUHR
Bochum, Universitätsstr. 142, Tel. 0234/970 60 50, www.gruenderbuero-ruhr.de
Studenten und Absolventen von Universitäten des mittleren Ruhrgebiets finden hier Hilfe bei der Planung ihrer Selbstständigkeit. Organisiert werden z. B. Qualifizierungsmaßnahmen sowie kostenlose Sprechtage u. a. bei Unternehmensberatern.

NRW.BANK
Münster, Johanniterstr. 3, Tel. 0251/917 41 48 00, www.nrwbank.de
Kompetenzzentrale in Sachen Finanzierung und Förderung. Die ehemalige Landesbank arbeitet wettbewerbsneutral mit sämtlichen Kreditinstituten der Region zusammen. Für den Einstieg ins Thema: der Download der Broschüre "Auf dem Weg zur Förderung" ist gratis.

START2GROW
Dortmund, Töllnerstr. 9-11, Hotline: 01804/78 27 82, www.start2grow.de
Über 600 Experten aus Bereichen von Marketing bis Logistik gehören zum Netzwerk des Dortmunder Gründerwettbewerbs. Mit größtenteils kostenlosen Ratschlägen unterstützen und begleiten diese nicht nur die Preisträger, sondern alle Interessenten, die ein Profil in der Datenbank anlegen.

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CHECKLISTE FÜR EXISTENZGRÜNDER
Dietmar Barfuss, Leiter der Betriebsberatung der Handwerkskammer Dortmund, sagt, an was man bei einer Existenzgründung denken muss.


Bin ich ein Unternehmertyp?
Man muss Biss haben und bereit sein, 14 bis 16 Stunden am Tag zu arbeiten. Aber auch die Frage, ob die Familie den Gründer bei seinem Vorhaben unterstützt, ist zu klären.

Wer kann mich beraten?
Für die Erstberatung wendet man sich am besten an Institutionen wie die HWK, IHK, die örtliche Wirtschaftsförderung oder die Startercenter NRW.

Welche Voraussetzungen sind an die Selbstständigkeit geknüpft?
Je nach Branche sind unterschiedliche Zulassungsstellen zuständig, die jeweils eigene Bedingungen festlegen. So braucht man im Handwerk z. B. einen Meisterbrief.

Ist meine berufliche Qualifikation ausreichend?
Fachliche und unter Umständen auch technische Kenntnisse sind ebenso wichtig wie kaufmännisches Know-how. Vor dem Start können Wissenslücken mit Seminaren ausgeglichen werden.

Wer sind meine Kunden?
Viele Firmen scheitern an einer falschen Einschätzung der Marktsituation. Deshalb sollten in einem Konzept Fragen u. a. zu Produkt, Zielgruppe und Konkurrenz geklärt werden.

Ist das Vorhaben rentabel?
Es ist wichtig, das Verhältnis von potenziellem Gewinn und Kosten bereits für drei Jahre im Voraus zu planen. Häufig wird der Betrag, der vorfinanziert werden muss, unterschätzt.

Wer hilft bei der Finanzierung?
Diese Analyse zeigt, welche Lücken geschlossen werden müssen. Die Startercenter NRW errechnen Finanzierungsbeispiele und geben Tipps für das Gespräch mit der Hausbank.

Welche Formalitäten sind zu erledigen?
Mit der Firmengründung sind An- bzw. Ummeldungen u. a. bei Gewerbe- und Finanzamt verbunden. Viele können zentral in einem Startercenter beantragt werden.

Habe ich alle Nachweise zu Umsätzen und Kosten?
Vor allem wenn Fremdkapital im Spiel ist, bekommt die Erfolgskontrolle eine große Bedeutung. Deswegen sollten auch nach dem Start alle Daten schriftlich festgehalten werden.

Welche Netzwerke kann ich nutzen?
Der Austausch mit Gleichgesinnten, z. B. bei einem Gründerstammtisch oder im Juniorenkreis, verbessert die Chancen, auch auf längere Sicht als Unternehmer erfolgreich zu bleiben.