Vor vier Jahren hat sich Maximilian Pütz ein ungewöhnliches Ultimatum gesetzt: Innerhalb eines Jahres, so sein Ziel, wollte er sich von einem "normalen Typen" in einen Playboy verwandeln. In einen, der mutig genug ist, auf eine fremde Frau zuzugehen - ohne Angst vor einem Korb, ohne Angst davor, von seinen Freunden für eine Niederlage ausgelacht zu werden. Der Grund: Seine langjährige Freundin hatte den gelernten Schauspieler mit der rauen Stimme und dem Schmollmund "hart abserviert". Das sollte sich nicht wiederholen.

Vom Normalo zum Flirtprofi: Für dieses Experiment gibt es eine Reihe von Vorbildern aus den USA, die sich "Pickup-Artists" (PUAs), zu Deutsch "Aufreiß-Künstler", nennen und unter Pseudonymen wie "Mystery" oder "David deAngelo" auftreten. Einer der Stars dieser Flirt-Spieler ist US-Journalist Neil "Style" Strauss. Einst ein blasser, schmächtiger Mann mit sich ausdünnenden Haarbüscheln auf dem Kopf, dem Frauen keine Beachtung schenkten. Heute ein glatzköpfiger Womanizer und beliebter Vorzeigekandidat in amerikanischen TV-Talkshows. Die Metamorphose vom Loser zum modernen Casanova hat Strauss in seinem Bestseller "The Game" beschrieben. Von "Style" bis "Mystery", jeder Verführungs-Botschafter hat andere Strategien zur Eroberung von Frauen, die er wie einen geheimen Schatz hütet - und in teuren Seminaren an den Mann bringt. Einzig in einem Punkt sind sich die Flirtexperten einig: Egal ob kahlköpfig, schüchtern oder korpulent, jeder kann es schaffen.

So wie Maximilian Pütz. Obwohl der Plan des Wahlkölners zunächst nicht aufzugehen schien. "Es war furchtbar. Fünf bis sechs Abende die Woche bin ich alleine in Discotheken gegangen und", so gibt er zu, "stand nur rum." Doch dann: die Wende. Pütz traut sich, es läuft. Seine Erkenntnisse, etwa "Behandelt die Frauen nicht besser als eure Freunde!", die er im Online-Tagebuch "Joker-Penthouse" offenbart, machen andere Männer neugierig. Bald erhält er die ersten Anfragen per E-Mail, ob man denn nicht einmal miteinander weggehen könne. Pütz als Co-Pilot im Flirt-Anflug. In der PUA-Sprache nennt man jemanden, der beim Flirten assistiert, auch "Wingman", nach dem Film "Top Gun" mit Tom Cruise.

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Teil 1: The Art of Smalltalk




Mittlerweile ist es teuer geworden, mit dem 29-Jährigen gemeinsam wegzugehen. Pütz nennt sich "Joker". Er hat sich seine Fingernägel schwarz lackiert, trägt schwarze Hüte und weiße Sakkos, die an einen Dandy erinnern. Hauptberuflich arbeitet er als Flirttrainer für die Firma Progressive Seduction. An die 600 Euro kostet zum Beispiel sein Wochenend-Seminar "Project Nighthunter", in dem er kontaktscheue Männer durch Bars und Clubs begleitet, sie motiviert und als Trainer ihre Fehler korrigiert.

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"Der Club ist der Spielplatz der Erwachsenen", sagt Pütz. Und das Rudel, das an der Bar steht, das perfekte Flirtziel. Wenn die unter sich bleiben wollten, hätten sie auch zu Hause feiern können. "Es gibt nichts Dankbareres als Gruppen anzusprechen, auch oder gerade Gruppen mit Frauen und Männern", sagt der Flirtexperte überzeugt. "Du musst davon weggehen, dich zu sehr auf die Frau zu konzentrieren." Es gehe nicht darum, die anderen über ihren Lebenslauf und ihr Sternzeichen auszufragen, über Angela Merkels Treffen mit dem Dalai Lama oder über die Wahrscheinlichkeit einer Benzinpreiserhöhung zu diskutieren. "Redet über emotionale Sachen, die Spaß bringen: ,Britney Spears mit ihrer Glatze. Voll auf Drogen. Krass!' Und zack! fangen die Leute an, mit dir darüber zu reden." Wenn die Gruppe sich auf dich einlassen würde, sei es kein Problem, eine attraktive Frau aus der Gruppe an der Hand zu nehmen und zu sagen: "Hey, ich entführ sie mal kurz. Macht euch keine Sorgen."

So leichthändig, wie Pütz im Umgang mit Gruppen agiert, so entspannt behandelt er auch das viel diskutierte Dogma des ersten, alles entscheidenden Spruchs. In seinem Seminar demonstriert Pütz: Es gibt ihn nicht. Und beim Echttest spornt er seine Teilnehmer an: "Leute, jetzt seid ihr dran. Gebt mir den schlechtesten Spruch, der euch einfällt und ich werde euch zeigen, dass er funktioniert", fordert Pütz. "Deine Eltern sind Diebe - sie haben den Glanz der Sterne gestohlen und in deine Augen gelegt", sagt einer seine Schüler brav. Dafür bekommt er die Bestnote. "Das ist hart", sagt Pütz und steuert eine Frau an. "Das ist der beschissenste Spruch, den ich je gehört habe", sagt diese vorhersehbar augenrollend. Doch bevor sie sich zur Seite dreht, setzt Pütz reuig nach: "Ich habe aber in der ,Bravo' meines kleinen Bruders gelesen, dass dieser Spruch das Herz jeder Frau öffnet. Bei dir scheint es nicht zu funktionieren. - Hallo, ich bin Maximilian."

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Teil 2: Never Ending Story




Auch wenn einem gar nichts einfällt, spontan agieren ist Pütz Meinung nach immer besser, als gar nichts zu tun. "Stopp, ich muss dich ansprechen. Wenn ich dich nicht angesprochen hätte, hätte ich mir den ganzen Tag den Kopf gegen die Wand gehauen." So direkt ginge es im Notfall auch. Angst vor einer Abfuhr lässt Pütz nicht gelten. "Das tut mir leid, Männer, da müsst ihr durch", sagt er, wie so oft, mit der Inbrunst eines echt gefühlten Plurals, eines Abklatschens von Mann zu Mann. "Der Weg zum Erfolg ist gepflastert mit Niederlagen." Niederlagen, die man auch vermeiden kann, wenn man sich über seine eigenen Ideale und auch über seine Werte im Umgang mit Frauen bewusst wird. "Den meisten Männer geht es darum, der Frau zu gefallen. Fast keiner macht sich Gedanken, ob die Frau zu ihm passt", sagt Pütz und erklärt sein neues Männerbild. Ginge es nach ihm, gehörte der Macho längst in die Mottenkiste. Emanzipierte Frauen wünschten sich einen selbstbewussten Mann, einen, der stark und mit klaren Vorstellungen auftritt, aber gleichzeitig auch kein Problem hat, Herz zu zeigen. Frauen warten auf diesen "Prinzen" und darauf, dass er sie anspricht. Und warten oft vergeblich, weil die intelligenten Männer sich zu viele Gedanken machten und zu schüchtern seien. Übrig blieben dann die Idioten und die Besoffenen.

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Auch Robert Bednarek unterweist Männer in der hohen Kunst der Verführung. Der 27-jährige Medizinstudent mit der sanften Stimme und dem perfekt gestutztem Dreitagebart ist unter dem Pseudonym "Magnum" in der PUA-Szene bekannt und leitet eine eigene Flirtschule in München, die unter dem Namen "Die perfekte Masche" firmiert. Zusammen mit Oliver Kuhn, Chefreporter beim "Playboy", hat er im Mai dieses Jahres auch den Ratgeber "Der perfekte Verführer" herausgebracht. Eigentlich wollte der Meisterflirter Bednarek Basketballprofi werden - ein großer Traum, der sogar mit einem Stipendium am College in Minnesota fast in Reichweite schien. Doch dann: eine gebrochene Hüfte. Damit war es auf einen Schlag vorbei mit den Michael-Jordan-Fantasien. Ein halbes Jahr vor seinem Abschluss verlässt ihn auch noch seine Freundin. Grund für Bednarek, der sich selbst damals noch als eher introvertiert beschreibt, sich damit zu beschäftigen, was Frauen wirklich wollen. Bei seiner Suche stößt er zunächst auf den amerikanischen Pickup-Artist David deAngelo und seine "cocky und funny"-Methode (arrogant und lustig). Das kann ja gar nicht funktionieren, denkt Bednarek zunächst. DeAngelo behauptet, man dürfe Frauen hemdsärmelig provozieren mit Sätzen wie "Du hast mich gerade angespuckt", ohne dabei zu lächeln. So ein dominant-keckes Verhalten käme an. Bednarek wird neugierig. Er besucht die Seminare der bekanntesten Verführungskünstler und bildet daraus seine ganz eigenen Flirtbausteine. 2005 gründet er schließlich die eigene Schule.

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Teil 3: Der Humor




"Der größte Fehler von Männern ist, gar nichts zu machen, obwohl man doch eine gute Chance hat, etwas zu bewegen", meint er. "Es gibt eigentlich keine Widerstände, das sind alles nur Gedankenkonstrukte." Bednarek spielt auf innere Stimmen an, wie "Heute ist eh nicht mein Tag" oder "Die Frau ist eh nicht mein Typ". Alles nur Ausreden, die Wahrheit dahinter heißt: mangelndes Selbstbewusstsein. In seinen Kursen versucht er deshalb, genau das zu stärken und Ängste abzubauen. In diese Richtung zielt auch sein Ratschlag, nicht unbedingt immer mit den besten Freunden wegzugehen. "Wenn du alleine ausgehst, kann dich keiner verurteilen oder beurteilen", sagt er. Und da man nicht von null auf hundert zum perfekten Verführer werden könne, dürfe man sich durchaus am Anfang einer Art Tarnung bedienen, die mutiger macht. Auffällige Kleidung etwa, groteske Hüte, Accessoires wie ein Fernrohr oder eine Schwimmbrille - das kann nicht nur für ein selbstsicheres Auftreten, sondern auch für den ersten Gesprächsstoff sorgen. In der Pickup-Sprache nennt man das "Peacocking" - sich aufrüschen wie ein Pfau. "Magnum" trug zum Beispiel anfangs in Clubs und Bars eine rote Lederjacke und eine Eisenkette um die Jeans. "Mein Unterbewusstsein wusste dann: Ich als Robert bin nicht abgeschossen worden, das war ,Magnum'."

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Auf eine Frau zugehen sollte man nach drei Sekunden - gefühlte, nicht gestoppte Sekunden. "Wenn man zu lange wartet, kommt es zu einer Blockade", sagt Bednarek. "Man fängt an, sich darüber Gedanken zu machen, was alles schief laufen kann." Was man sagt, ist auch nach Bednarek völlig egal. Sprüche seien wirklich nur der erste Eisbrecher. Danach komme es darauf an, mit der Frau eine emotionale Bindung herzustellen. Das erreiche man nicht mit Frage-Antworten-Runden wie "Bist du öfters hier?", sondern mit ganz entspannten Themen wie Hobbys und Urlaub. Auch mit Gedankenspielen könne man bei Frauen punkten. "Stell dir vor, du kannst an einen Ort reisen, wo dich keiner kennt, wo du alles darfst, zu Hause aber nie jemand davon erfahren würde. Was würdest du tun?", sei eines seiner Lieblingsspiele. Wichtig beim ersten Gespräch: Männer müssen sich in ihren Einstellungen treu bleiben und dürften nie nur lachen oder etwas sagen, nur um der Frau zu gefallen. Und: keinesfalls auf so genannte Shit-Tests hereinfallen. "Frauen testen Männer kontinuierlich," warnt Bednarek, "Wenn mich etwa die Frau fragt: ,Was hast du am Freitagabend gemacht?' Und ich sage, ich habe alleine Poker im Internet gespielt, dann stehe ich auch dazu!" Vielen Männern sei dies peinlich, und sie versuchten sich herauszureden. Dabei vermittele gerade Ehrlichkeit Selbstbewusstsein. Und die entwaffnende Wahrheit würde sogar oft als Schlagfertigkeit verstanden.

Ein weitere Kniff beim ersten Flirt ist es, mit der Frau mehrfach den Ort zu wechseln, am besten drei Mal, so eine Bednarek-Regel. Ob innerhalb einer Location, wie etwa im Club von der Bar zur Couch und dann zur Tanzfläche. Oder vom Buchladen in den Tierpark und zum Abschluss ins Café. "Die Frau hat dann das Gefühl, dass sie mich schon viel länger kennt. Dass wir schon viel mehr gemeinsam erlebt haben, als eigentlich in dieser Zeit möglich wäre", sagt Bednarek. Klingt sehr romantisch. Und im Grunde ist das Robert Bednarek auch. "Fast alle unsere Teilnehmer schreiben mir nach dem Seminar, dass sie plötzlich viele Frauen verführen, bei denen sie vorher nie eine Chance gehabt hätten. Oder, dass sie ihre Traumfrau gefunden haben. Das macht mich stolz!"

Bettina Hensel

Im nächsten Heft: Die große Flirtschule Teil 4
Nina Deisslers Flirtstrategien für Frauen
- Drei Methoden, Männer anzusprechen
- Wie man Männer im Rudel knackt
- Worte, die für Frauen beim Flirt tabu sind