Manchmal dauert es, bis große Träume in Erfüllung gehen. Wolfgang Engelberg musste 15 lange Jahre warten, bis er auf seinen Traum stieß: Ein feuerrotes Datsun 160 SSS Coupé, das er heute sein eigen nennt.
Weshalb gerade dieses Auto, und ausgerechnet ein „Datsun“? Vor 30 Jahren kam Wolfgang durch Zufall zu seinem ersten Wagen dieser Marke. Der ortsansässige Datsunhändler war der Einzige, der ihm damals für seinen maroden Renault 5 TL überhaupt noch etwas Geld geboten hatte. So begann seine "Liebe" zu den Fahrzeugen der Marke mit dem Sonnensymbol.
Es war bereits das fünfte Auto seiner damals noch kurzen Autofahrerkarriere. „Ich erstand ein rotes 120 Y Coupé, zu diesem Zeitpunkt vier Jahre alt, mit dem auch zu dieser Zeit die Freundschaft mit meinem Freund und Kumpel "Ekke" begann, denn mein Weg in ein Autohaus führte mich zumindest früher immer durch die Werkstatt. Er war gerade frisch zu diesem Autohaus gewechselt und kennt die Marke Datsun bzw. Nissan von Beginn an. Ohne ihn wären meine vielen Autospinnereien gar nicht möglich gewesen.“
Nachdem Wolfgang damals den ersten 160er in der Werkstatt gesehen hatte, war es fortan sein Wunsch gewesen, solch einen zu fahren. Dieses Auto mit seinen barocken Formen, den Doppelvergasern und den sehr guten Fahrleistungen hatte es ihm angetan. Aber zu dieser Zeit fehlte das Geld, und Jahre später hatten Unfälle oder der Rost das damals schon seltene Datsun-Modell dahingerafft. „Durch unsere vielen Griechenlandurlaube war ich schon fast soweit, mich mit einer Limousine zu begnügen und mir einen der dort damals noch im Alltagsbetrieb befindlichen 160er zu holen.“

Als Wolfgang Anfang des neuen Jahrhunderts das Internet für sich entdeckte, stellte er in verschieden Oldtimerforen Gesuche nach seinem Traumcoupé ein – ohne viel Hoffnung. So begab es sich „zu der Zeit“ Mitte Dezember 2003, kurz vor Weihnachten, dass er eine E-Mail aus Bremen bekam: "…habe meiner Frau vor 3 Jahren einen alten Datsun am Bodensee geholt, dort stand ein solches Coupé in der Halle... ich hab da noch die Adresse und Telefonnummer“. Das Autohaus gab es inzwischen zwar nicht mehr, aber Wolfgangs Freund Ekke kannte den ehemaligen Datsun Händler noch. Das Auto jedenfalls war noch da, lediglich die Söhne mussten erst noch gefragt werden.
Wolfgang hingegen musste noch seine damalige Frau überzeugen, die schon von seinem damaligen „Projekt“, einem Nissan Pulsar Targa, nicht sonderlich begeistert war.

Banges Warten, die Söhne hatten zugestimmt, dann wurde auch sofort ein Termin vereinbart und das Auto in ca. 30 Kilometern Entfernung besichtigt. Da stand es hinter dem ehemaligen Autohaus: Schön eingestaubt, aber wenigstens unter Dach.
Die Geschichte des Wagens trieb Wolfgang fast die Tränen in die Augen: 1975 habe er das Auto als den ersten verkauften Datsun seiner Händlerkarriere an einen Kunden übergeben, berichtete der ehemalige Eigentümer des Autohauses. Zwei Jahre später nahm der Mann das 83 PS starke Coupé dann in Zahlung – und gab es nie wieder ab. Anfangs durfte es noch in der Halle stehen, aber als die alten, barocken Formen längst nicht mehr gefragt waren, fristete es ein trostloses Dasein, als Ablage und Lagerplatz oder auch als Hundehütte. Dadurch wurde die Innenausstattung stark in Mitleidenschaft gezogen. Ende der neunziger Jahre kündigte Nissan den Händlervertrag, da der alte Händler nicht vom "Dorf" in die Stadt wollte. Der Vater und die Söhne besannen sich wieder des Autos und begannen, es zu restaurieren. Das Ganze beschränkte sich aber größtenteils auf die Karosserie. Dazu wurde das Coupé total zerlegt und neu lackiert, in einem roten Originalfarbton an Stelle des ursprünglichen Grünmetallic. Diese Arbeit wurde so perfekt erledigt, dass später die Gutachter von DEKRA und Classic Data nicht davon bemerkten.
Man wurde sich einig, die Bescherung zu Weihnachten war gerettet. Nach der Abholung Mitte Januar begann Wolfgang, zusammen mit seinem Freund Ekke, eine technische Bestandsaufnahme nach über 26 Jahren Standzeit: Die Bremsen  waren gängig, aber Bremsschläuche, Benzinschläuche, Kühlerschläuche und Zündkabel porös, der Thermostat  hatte sich aufgelöst, und die Diodenplatte der Lima war verrottet, die Scheinwerfer korrodiert. Ersatz ließ sich aber auftreiben.
Anschließend wurde der Tank gereinigt, alle Benzinschläuche und Filter erneuert, die Bremsen kontrolliert und sämtliche Betriebsflüssigkeiten gewechselt.  Dann noch neue Zündkerzen und Batterie... Ein erster Testlauf zeigte, dass der 1,6 Liter Motor und das Getriebe in Ordnung waren.

Nun ging es an die Innenausstattung. „Aufpolstern vom Sattler war zu teuer, deshalb habe ich zwei schöne alte schwarze Recaro LS Sitze montiert. Die Konsolen mussten natürlich selbst gebaut werden, da nirgends mehr etwas zu bekommen war,“ erinnert sich der Schwabe. Das gebrochene Lenkrad wurde durch ein Raid 1 Lenkrad ersetzt, die passende Nabe gab es durch Zufall in der online-„Bucht“, ebenso wie die Kokosmattenteppichsätze aus deutscher Produktion (die auf diese Weise aus den USA reimportiert wurden). Der einzige braune "Originalteppich" über dem Kardantunnel, der ganz geblieben war, wurde in einer alten Waschmaschine schwarz umgefärbt.  Die Statikgurte wurden durch MAN Lkw Gurte – sie waren nötig wegen des hohen oberen Ankerpunktes – ersetzt, passende Gurtpeitschen spendierte ein "Schrott"-Polo neueren Baujahrs. Hinten kam für Wolfgangs Tochter ein Statikgurt hinein. „Bei den Felgen hatte ich Glück“, berichtet Wolfgang. „Mir ist ein Satz sehr guter RONAL Alufelgen über den Weg gelaufen, aber leider ohne Radmuttern, was schlecht war, da die Zentrierung über diese erfolgt. Die Suche danach wäre wiederum eine andere Geschichte...“
Nun ging es ab zum TÜV, der ohne Probleme gemeistert wurde – mitsamt allen Eintragungen. Seit der Zulassung bin ist der Mann aus Weingarten nun schon fast 7.000 km gefahren. Während dieser Zeit sind noch diverse Mängel zutage getreten“. Kupplungsnehmer- und Geberzylinder, Vergaserschwimmer undicht und hängende Schwimmernadelventile. 2005 kam der 30. Geburtstag des roten Coupés, der auf dem Stand der Oldtimerscheune Dornbirn während der „RETROKLASSIK“ gebührend gefeiert wurde, und das H- Kennzeichen mit dem entsprechenden Gutachten.
Es folgten Besuche auf Treffen in Essen, es ging nach Luxemburg, Österreich und in die Schweiz. „Der Besuch auf unserem ersten Oldtimertreffen in Bludenz (Österreich) ist mir immer noch in Erinnerung. Da winkte mir doch ein Schweizer mit 14.000 Fränkli cash, und wollte mein Auto sofort mitnehmen. Scherzhaft meinte ich dann: Ab 20.000 Franken fange ich an zu überlegen!“
Probleme im täglichen Betrieb und besonders zu den TÜV-Terminen verursachen die Hitachi SU-Vergaser. Für sie gibt es keine Teile mehr, was ihre Einstellung für die Abgasuntersuchung erschwert. Dennoch läuft die 1,6-Liter Maschine zuverlässig bei einem Verbrauch von rund 9 Litern, wenngleich der CO-Gehalt mit 5- 6% zu hoch ist.

Der Datsun wird bei schönem Wetter ab und an auch beruflich gefahren, immer sehr zur Freude von Wolfgangs Kunden. Aufgrund seiner Seltenheit war er schon mehrmals auf Messen ausgestellt. Doch im August 2008 ereilte ihn dann das Schicksal in Form eines „nicht versicherten“ Radfahrers, der ihm die Vorfahrt nahm und Wolfgangs „Schätzchen“ erheblich beschädigte.
Nun hat es sich gezeigt, was es heißt, solch ein seltenes Auto zu fahren: Teile, vor allem Blech, gibt es so gut wie keine mehr. „Eine neue Frontscheibe war dank eines Freundes bei Schwabo-Autoglas innerhalb weniger Tage beschafft, so dass ich wenigstens fahren kann“, ist Wolfgang froh. Um das seltene Coupé wieder in den gewohnten Top-Zustand zu versetzen, braucht der schwäbische Datsun-Fan noch eine Motorhaube, Frontstoßstange und Kotflügel. Außerdem hat das Armaturenbrett durch die eingedrückte Frontscheibe gelitten und ist total zerschnitten. Aber Schwaben können stur sein – Wolfgang gibt die Hoffnung nicht auf und hat erneut Suchanzeigen geschaltet.
 
Diese Heldengeschichte über den Datsun 160J SSS entstand mit freundlicher Unterstützung des Carsablanca-Mitglieds wolfe.

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