Doch Stephan Ernst, Inhaber der Tao Wing Tsun Schule in der Neustadt (wing-tsun-lernen. de), lud mich zu einer Probestunde ein und überzeugte mich schnell, dass Sport alles andere als langweilig sein kann. Zuerst die Theorie: Wing-Tsun ist kein Wettkampfsport, sondern auf Selbstverteidigung spezialisiert und der Legende nach von einer Frau erfunden. Statt selbst viel Kraft oder Akrobatik aufzuwenden, wird vielmehr die Kraft des Angreifers genutzt und gegen ihn gelenkt. Fließende Bewegungen und plötzliche Schnelligkeit gehen in einen systematischen und koordinierten Ablauf über und halten zudem fit.

Nachdem ich eine leichte Schrittfolge lernte, sollten meine Arme dazu kooperieren und einen Bewegungsablauf für kleine Faustschläge im Gehen darstellen. Richtig angewendet, ist das eine ideale Methode, um mich aus der Opferposition in die führende zu bewegen oder Schläge durch einen leichten Keilgriff abzuwehren. Meine anfängliche Zurückhaltung aus Angst, dem Trainingspartnert weh zu tun, wandelte sich schnell in Selbstbewusstsein um: Das Bewusstsein, mich im Notfall gegen einen um ein vielfaches Stärkeren durchsetzen zu können. Ich fühlte mich nach kurzer Zeit so geschickt, als könnte ich den anderen durch leichte, automatische Handgriffe außer Gefecht setzen. In der sympathischen Gruppe und unter Stephan Ernsts Anleitungen habe ich in nur zwei Stunden Körper und Seele trainiert und dabei mein Selbsbewusstsein ausgebaut. Das war nicht meine letzte Wing-Tsun-Einheit!
Wiebke Plasse