Astrid will nicht mehr durch ihre Nase auffallen. Sie schämt sich für ihr riesiges Riechorgan. Als Kind wurde sie deswegen gehänselt. "Kamel haben sie mich genannt - wegen meines großen Höckers", erinnert sich die 28-Jährige. Jedes Mal, wenn Astrid in den Spiegel schaut, stellt sie sich vor, wie es wäre, eine kleinere Nase zu haben - eine, die besser in ihr Gesicht passt. Mit langen Haaren und kräftig getuschten Wimpern versucht die junge Frau, von ihrem hervorstechenden Markenzeichen abzulenken. Vergebens: "Ich fühle mich oft angestarrt. Ein schlimmes Gefühl", sagt Astrid.

So wie Astrid leiden auch manche andere unter dem Aussehen ihrer Nase. Die Verschönerung der Nase zählt zu den häufigsten schönheitschirurgischen Eingriffen. Professor Wolfgang Gubisch, Vorsitzender des Expertenrats der Deutschen Nasenchirurgen, weiß warum: "Die Nase kann man nicht verstecken, und sie prägt das Gesicht sehr entscheidend."

Unter den Nasenpatienten sind etwa 30 Prozent Männer und besonders viele jüngere Menschen zwischen 18 und 35 Jahren. Vor dem 18. Lebensjahr sollte man keine ästhetische Korrektur vornehmen lassen, weil die Gesichtsproportionen noch nicht ausgereift sind. Schwierig wird es bei Patienten über 50. Die Haut ist steifer und legt sich nicht mehr so gut an die neue Nasenform an.

Der Leidensdruck für die 28-jährige Astrid ist so groß, dass sie den Gang zum Schönheitschirurgen wagt. Lange hat sie nach jemandem gesucht, dem sie vertrauen kann. Von den rund 100 Fachärzten für plastische Chirurgie in Deutschland gibt es nur wenige echte Spezialisten für Nasenkorrekturen. Diese beherrschen die modernsten Techniken und legen Wert darauf, dass der persönliche Charakter des Patienten erhalten bleibt. Die Zeiten der Einheitsnase aus dem Katalog sind glücklicherweise vorbei.

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Für welchen Eingriff Astrid sich entschieden hat und wie die neue Nase ihr Selbstbewusstsein gestärkt hat.Astrid will eine kleinere, zierlichere Nase - da hilft nur das Skalpell. Ein letzter Blick in den Spiegel, dann lässt sich Astrid in den OP-Saal rollen. Sie trägt Kompressionsstrümpfe zur Vorbeugung von Venenthrombose (Blutgerinnsel), die in sehr seltenen Fällen nach Operationen auftritt. Ihr wird ein Narkosemittel vom Anästhesisten gespritzt. Acht Sekunden später schläft sie. Die OP dauert knapp zwei Stunden. Ihr Chirurg hat die offene Rhinoplastik als Behandlungsmethode gewählt. In feinster Millimeterarbeit modelliert er Form und Größe ihrer Nase. Dafür entfernt er die überschüssigen Nasenknorpel und Knochenteile und begradigt den Höcker. Anschließend stabilisiert er die Nase mit zwei dünnen Silikonschienen, damit sie nicht zu stark anschwillt.

Schon einen Tag nach dem Eingriff kann die junge Patientin nach Hause gehen. Für die nächsten acht Tage ist ihr absolute Ruhe verordnet worden. Ihre neue Nase muss sie wie ein rohes Ei behandeln. Sie darf nichts Festes kauen und nicht lachen - was ihr bei ihrem Anblick im Spiegel schwer fällt. Nach einigen Tagen hat sie ein beeindruckendes Farbenspiel im Gesicht - im Augen- und Wangenbereich prangen bunte Blutergüsse. Nach zwölf Tagen kommen die Schienen ab, und weitere drei Wochen später hat sie einen Termin zur Nachuntersuchung.

Erst nach einem Jahr ist die neue Nase stabil. Die Schwellung ist fast abgeklungen, und Astrid bekommt wieder gut Luft. Die Narbe ist kaum noch zu sehen. Und ihre neue Nase? "Super! Ich kann es noch gar nicht fassen und mich nicht satt sehen an meinem neuen Spiegelbild." Ungefähr vier Monate wird es noch dauern, bis die Nase verheilt ist. Ein endgültiges Resultat und völlige Stabilität sind erst nach einem Jahr erreicht.

Die 28-Jährige ist schon jetzt verwandelt, sie wirkt offener und selbstbewusster. Ihr Gesichtsausdruck ist durch die verkleinerte Nase weicher geworden. Und ihre Haare trägt sie seit neuestem im feschen Kurzhaarschnitt. Blick frei auf die neue Nase!
Kathrin Kunterding