"Mit Ende Zwanzig gingen mir die ersten Haare aus. Jeder Mann, der unter Haarausfall leidet, weiß, wie man darunter leidet. Ich nahm Haarwuchsmittel - ohne Erfolg. Toupet? Bloß nicht! Also rasierte ich mir kurzerhand eine Glatze. Eigentlich gefiel ich mir ganz gut damit, aber beruflich wurde mein verändertes Aussehen zum Handicap. Als Schauspieler fühlte ich mich auf einmal in die Ecke des harten Rowdys gedrängt. Aber ich wollte andere Rollen spielen, und für die brauchte ich Haare. So empfand ich es zumindest, obwohl manche Kollegen mit ähnlichem Problem das anders sehen mögen.

Ich entschied mich für eine Haartransplantation. Vier Stunden lang wurden mir Spenderhaare vom Hinterkopf in den vorderen Stirnbereich verpflanzt. Es tat nicht weh, nur nachts wurde es etwas unangenehm, weil ich nicht wusste, wie ich wegen der Hinterkopf-Narbe liegen sollte. Erst war ich ein bisschen enttäuscht: Wegen der paar Stoppeln so ein großer Eingriff? Aber nach drei, vier Monaten waren die verpflanzten Haare so gewachsen, dass das Ergebnis gut aussah. Gemerkt hat keiner was. Anfangs dachten manche, ich hätte mir die vorderen Haare verbrannt, weil sie so kurz waren. Jetzt ist nichts mehr von der Verpflanzung zu sehen.

Die OP hat das leidige Thema Haarausfall aus meinem Kopf verbannt. Früher kreisten meine Gedanken täglich um meine Haare. Ich war unzufrieden und verunsichert. Heute genieße ich die neue Lebensqualität. Wenn mir in den nächsten Jahren mehr Haare ausgehen, kann ich mir eine zweite OP vorstellen. Natürlich sollte man versuchen, sich so zu akzeptieren, wie man ist. Aber manchmal wirkt eine Schönheits-OP befreiend, weil sie einem hilft, auch optisch der zu sein, als der man sich fühlt."
Kathrin Kunterding