An die Stelle des gängigen Party-Smalltalks "Und was machst du so?" ist mittlerweile "Und? Arbeitest du schon wieder?" getreten. Und anstelle der Party selbst sind es jetzt andere gesellschaftliche Anlässe. Ein Geburtstagskaffeeklatsch beispielsweise. Ist ja auch irgendwie schön. Wenn nur nicht die ewigen "Und?"-Fragen wären. Schließlich brennen Müttern ganz andere Dinge unter den Nägeln: Wie bekomme ich mein Kind zum Durchschlafen? Wann muss ich zufüttern? Doch ehe man sich versieht, ist das erste Jahr und damit die offizielle Elternzeit vorbei. Und wer sich die Arbeitsfrage bis dahin noch nicht gestellt hat, tut es spätestens, wenn die vormittäglichen Krabbelgruppentreffen wegen massiver Jobrückkehr der anderen Mütter flach fallen.

Elternzeit ist kein Urlaub
Das Thema "Zurück in den Job" - darüber täuschen auch staatlich bezuschusste Vätermonate kaum hinweg - bewegt vorrangig Frauen. Immerhin: Gut 20 Prozent der Väter machen inzwischen von ihrem Recht auf Elternzeit Gebrauch. Trotzdem fällt die Zeit, in der sie sich dem Nachwuchs widmen (dürfen), eher kurz aus. Die Mehrheit kann nach der Auszeit direkt an den alten Arbeitsplatz zurückkehren. Frauen hingegen reißt die Elternzeit oft völlig aus dem gewohnten Berufsalltag heraus. Ein Großteil der Arbeitnehmerinnen wünscht sich eine Rückkehr in Teilzeit, doch flexible Arbeitsund Arbeitszeitmodelle sind rar - insbesondere auf Führungsebenen. Ein Umdenken bei Wirtschaftsunternehmen setzt nur langsam ein, meist dort, wo schon heute Fachkräftemangel herrscht, wie Dr. Susanne Dreas von der vereinsgetragenen Koordinierungsstelle Weiterbildung und Beschäftigung (KWB) weiß. Die Soziologin leitet Projekte zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf, die sowohl Mütter beim Wiedereinstieg als auch Firmen bei der Umsetzung familienfreundlicher Konzepte unterstützt. Sie rät Frauen zu einer frühzeitigen, detaillierten Karriereplanung, am besten schon vor der Schwangerschaft. "Frauen sollten die Elternzeit gar nicht erst als Ausstiegszeit definieren, denn umso schwieriger wird es für sie, wieder ins Berufsleben zu kommen." Sie hält es für wichtig, den Kontakt zum Arbeitgeber und zu Kollegen fortwährend zu halten, vielleicht sogar während der Elternzeit bereits wieder einzelne Arbeiten zu übernehmen. Was aber tun, wenn eine Rückkehr zum alten Arbeitgeber nicht möglich oder gewünscht ist? Für Karriere-Coach Sylvia Ostermann, Mitbegründerin der Managerinnen Akademie, bietet die Zwangspause eine Chance zur beruflichen Selbstreflexion: "Wer bin ich eigentlich? Wo liegen meine Kompetenzen? Was macht mir Freude?" Sie sagt: "Wenn ich mein Ziel kenne, kann ich eine klare Strategie entwickeln." Ein professionelles Coaching kann Orientierung schaffen. Neben einer Flut privater Anbieter beraten öffentlich geförderte Stellen wie Worklife, Frau&Arbeit oder das Expertinnen- Beratungsnetz der Universität Hamburg Jobrückkehrerinnen kostengünstig. Gemeinsam mit Experten erarbeiten Frauen hier ihren persönlichen Rückkehrplan. Susanne Dreas, die für die KWB die Projekte "Worklife" und "Comeback" koordiniert, erklärt: "Wir helfen bei der Klärung drängender Fragen: Wie finde ich passende Stellenangebote? Wie nutze ich mein Netzwerk? Wird meine Qualifikation noch gefragt? Wo muss ich mich qualifizieren? Welche Weiterbildungsangebote gibt es? Wer zahlt die Kosten?"

Starthilfe von Profis
Im Dschungel der Bildungsangebote berät Weiterbildung Hamburg. Auch die Arbeitsagentur unterstützt Rückkehrerinnen mit Fördermaßnahmen. Wichtig ist, den ersten Schritt zu wagen und beim Bewerbungsgespräch sicher aufzutreten. "Job-Rückkehrerinnen sind keine Bedürftigen", so Sylvia Ostermann. "Sie bringen etwas mit und sollten ihre Kompetenzen unterstreichen. Die Kindererziehung sollten Bewerberinnen nicht als Manko, sondern als Stärke sehen. Ich kann führen, Werte vermitteln, Ziele mitgeben." Aber wer übernimmt diesen Job, während Mama die Brötchen verdient? Papa? Gute Idee, aber eher die Ausnahme. Großeltern springen da laut aktueller Elternstudie der Stiftung Ravensburger Verlag schon häufiger ein. In der Regel wird aber auf professionelle Betreuung durch Tagesmütter, in Krippen oder Kitas zurückgegriffen. Wem man seine Kinder anvertraut und wie lange man sie aus den Händen gibt, ist eine ganz persönliche Entscheidung. Das eigene Bauchgefühl ist da ein besserer Ratgeber als widersprüchliche Expertentipps. Um sich aber alle Optionen offen zu halten, heißt es: vorausschauend planen. Also nicht erst mit der Kindergartenplatzsuche beginnen, wenn der Arbeitsvertrag winkt. Manche Eltern melden ihr Kind gar schon vor dessen Geburt in Krippe oder Kita an. Doch nicht immer fängt der frühe Vogel den Wurm. Erfolgversprechend sind Maßnahmen, die auch bei der Jobsuche helfen: Networking, Charmeoffensive, Hartnäckigkeit und regelmäßige Präsenz beim Anbieter. Ina Feistritzer