What happens in Vegas, stays in Vegas", besagt eine alte Regel in der Entertainment-Hochburg Nevadas. Oft wird sie für sündige Junggesellenabschiede herangezogen. Einbisschen trifft sie aber auch auf The-Killers-Frontmann Brandon Flowers zu. Zum ersten Mal veröffentlicht der in Las Vegas verwurzelte Sänger ein Soloalbum, während seine Bandkollegen pausieren. Die Platte ist zu einer weiteren Liebeserklärung an seine Heimatstadt geraten.

"Flamingo" heißt sein Werk, benannt nach einem der ältesten Hotelkasinos im Wüstenort. Einst gehörte es einem Mafia-Boss, Original und Remake von "Ocean's Eleven" wurden in dem pinken Gebäude gedreht. "Die Straße vor dem Hotel - die Flamingo Road - ist so bedeutend für mein Leben", sagt der 29-Jährige. Der Golfplatz, auf dem er seinen ersten Job bekam, liegt dort. Das "Caesars Palace", in dem er erstmals kellnerte und sein Idol Morrissey bedienen durfte. Seine Frau lernte er dort in einem Klamotten-Shop kennen, der früher der Plattenladen war, in dem er seine CDs kaufte. Weitere Sehenswürdigkeiten auf der Vegas-Karte lassen sich beim Hören seiner poppigen Songs mit der Bluesnote ausmachen; musikalisch liegen sie nah am hymnischen Sound der Killers. Der Eröffnungssong "Welcome To Fabulous Las Vegas" verdankt seinen Titel dem berühmten Neonschild und Lieblingsfotomotiv der Touristen. Auch der Gospelsong "On The Floor" ist eine Reminiszenz. "Mein Dad spielte mir als Kind die Stücke von Johnny Cash und Elvis Presley vor", erzählt Flowers. "Elvis wurde zum großen Vorbild für mich. Vor Kurzem spielte ich mein erstes Solo-konzert im ‚Hilton'. Dort gab Elvis über 500 Shows." Doch wie kommt ein Musiker, der bisher mit Synthierock unterhielt, dazu, einen waschechten Gospel aufzunehmen?

"Der Tod meiner Mutter hat jüngst meinen Glauben gefestigt", so der Mormone. "Wie man betet, ist eines der wichtigsten Dinge, die sie mir beigebracht hat. Genau darum geht es in ‚On The Floor'." Es wird vermutlich das Intensivste sein, was wir von Flowers in puncto Religion vorerst zu hören bekommen. Denn bei The Killers ging seine spirituelle Ader nicht über die berühmte Zeile vom Band-Debüt hinaus: "I've got soul, but I'm not a soldier." Kämpfen wollte er nicht mal im Video zur hymnischen Single "Crossfire". Für diesen Job heuerte er Charlize Theron an, die ihn aus diversen Foltersituationen rausboxt. Schenkt man "Hard Enough" Glauben, könnte man ihm die Hollywood-Schöne nackt auf den Bauch binden: Flowers bliebe treu. Das wunderschöne Hohelied auf die Ehe widmete er seiner Frau und Mutter seiner Söhne. "Gemessen an Rockstar-Klischees bin ich wohl keiner", sagt er ein wenig stolz. Wenn Spießertum so sündhaft gut klingt wie auf "Flamingo", geht auch das in Ordnung.

Katja Schwemmers