Ihr seid seit über zwei Jahren nahezu ununterbrochen auf Tour, kaum ein Land habt ihr noch nicht bereist. Bekommt ihr manchmal Heimweh?
Es ist toll, unterwegs zu sein und Gigs zu spielen. Wir sind sehr dankbar, die Möglichkeit zu haben. Aber leider ist Reisen nicht mein Ding. Wenn ich die Wahl hätte, würde ich vermutlich nie mein Haus verlassen. (lacht) Wenn ich dann bei unseren Konzerten aber die Fans sehe, die unsere Musik so sehr schätzen, dass sie sogar vor einer langen Anreise nicht zurückschrecken, dann weiß ich, dass es sich lohnt, sich ein wenig zu quälen. Und so schlimm ist es ja nun auch wieder nicht.

Euer Gitarrist Adam hat vor ein paar Monaten die Band verlassen. Wie füllt ihr seither die Lücke, die er zurückgelassen hat?
Weil Adam gegangen ist, waren wir gezwungen, unsere Live-Show völlig neu zu gestalten. Connor spielt jetzt statt Schlagzeug Gitarre und ich habe die Gitarre gegen die Synthesizer getauscht. Das macht jetzt alles viel mehr Sinn, denn das sind die Instrumente, die wir ursprünglich gelernt haben und auf denen wir am besten sind. Dazu haben wir uns unseren Freund Myles für Gitarre und Bass und Danny für's Schlagzeug ins Boot geholt.

Warum hat Adam die Drums verlassen?
Das ist schwer zu sagen. Ich glaube keiner von uns hat seit seinem Ausstieg mit ihm gesprochen. Das liegt aber nicht daran, dass es Streit gab, sondern dass wir hauptsächlich eine professionelle Beziehung zueinander hatten. Der Umgang war sehr freundschaftlich, aber wir standen uns persönlich nicht allzu nah. Ich schätze, Adams Ausstieg liegt darin begründet, dass ihm die Richtung, in der die Drums sowohl stilistisch als auch bezüglich des Images gingen, nicht gefiel. Unsere Band hat ein wirklich starkes Image und ich glaube, er hat sich damit nicht wohl gefühlt. Und ich weiß, dass er wirklich ungern auf Tour war. Er hat seine Familie und seine Freundin immer sehr vermisst. Das kann ich gut verstehen.

Auf der nächsten Seite: Jacob (The Drums) über den Hype, das Songwriting und die Zukunft der Drums.

Ihr habt mit "Portamento" im Herbst 2011 euer zweites Album veröffentlicht. Habt ihr das Gefühl, dass der Hype um The Drums damit ein bisschen nachgelassen hat?
Ja. Oder wir sind besser darin geworden, ihn zu ignorieren. (lacht) Mit unserem Debüt "The Drums" haben wir eine Welle der Begeisterung losgetreten, auf die wir gar nicht gefasst waren. Es ist natürlich schmeichelhaft, wenn die Presse dich als neuen großen Hype bezeichnet, aber wir haben uns selbst nie besonders hip gefühlt. Wir haben einfach unser Ding gemacht. Und das werden wir auch weiterhin.

Video-Tipp: "How It Ended" von The Drums



Seid ihr drei - Jonny, Connor und du - euch gewöhnlich einig, welche Songideen gut sind und welche nicht?
Jein. Manchmal wissen wir: "Das ist es, was wir wollen." Es kommt aber auch vor, dass wir uns darüber streiten. Und das ist gut so, denn dadurch erzielen wir letztlich das bestmögliche Ergebnis. Wenn nur einer sagen würde wo es langgeht, wären die Drums ein Soloprojekt. Wir alle stecken in der Band und kämpfen für unsere Ideen. Das macht The Drums aus.

Hast du einen persönlichen Lieblingssong?
"In the cold" ist toll! Aber "Searching for heaven" kommt gleich danach. Beide Songs sind sehr tiefgründig und auch ein bisschen traurig. Eigentlich kann man sagen, dass ich die letzten Stücke unserer Alben am besten finde. Darin stecken viele persönliche Momente, mit denen wir nicht gleich zur Tür hinein fallen wollen. Wir trennen sie bewusst von den leichten Pop-Stücken am Anfang. Deshalb versuchen wir unsere Alben immer wie eine Schallplatte zu arrangieren, nämlich als ob es eine Seite A und eine Seite B gäbe. In der Mitte steht dann ein außergewöhnlicher Song, der den Wendepunkt markiert. Bei "The Drums" war das "We tried", auf "Portamento" ist es "Searching for heaven".

"Portamento" bedeutet in der Musiktheorie in etwa ein fließender Übergang zwischen zwei Tönen. Ist euer zweites Album bereits der Schritt zum nächsten?
Vielleicht. Das ist schwer zu sagen, denn wir denken nie weit im Voraus. Aber eine Parallele gibt es schon. Portamento in der Musik ist ja ein allmählicher Prozess. Bei den Drums ist das ähnlich: Wir versuchen nicht, uns mit jedem Album neu zu erfinden. Wir wollen immer wie The Drums klingen. Wir wollen, dass man als Hörer gleich zu Beginn eines Stückes erkennt, dass wir das sind. Möglichst noch bevor der Gesang einsetzt. Wir versuchen nie, drastisch eine andere Richtung einzuschlagen, aber wir mögen es, unseren Sound ein wenig zu modifizieren und zu verfeinern. Vielleicht haben wir deshalb unser zweites Album "Portamento" genannt. Es ist eine leichte und graduelle Weiterentwicklung von allem zuvor Dagewesenen. Aber ich glaube, der eigentliche Grund, weshalb wir es so genannt haben, ist weil es ein schönes Wort ist. (lacht)

Dann sind wir gespannt, wo euer Weg in Zukunft noch hinführt. Vielen Dank für das Gespräch!

Interview: Anika Haberecht