PRINZ: Rea, nach elf Jahren mit Reamonn bist du nun solo unterwegs. Warum habt ihr euch getrennt?
GARVEY: Zu Anfang waren wir nur Musiker, dann beste Freunde. Am Ende driftete wieder alles auseinander. Aus Freundschaft wurde Arbeit, ich war unzufrieden.

Inwiefern?
GARVEY:Wenn mehrere Leute die gleiche Musik machen wollen, ist das Magie. Wenn die weg ist, entwickelt sich die Zusammenarbeit zu einer ständigen Diskussion. Doch für mich ist die Zeit der Kompromisse vorbei. Ob wir jemals wieder zusammen auf der Bühne stehen werden, weiß ich nicht.

War dein Ego zu groß für diese Band?
GARVEY:Was Musik angeht, bin ich auf jeden Fall egoistisch - und finde das auch nicht schlimm, solange man niemandem schadet. Egoismus heißt erkennen, was für dich der beste Weg ist.

Ist dir deine Popularität je zu Kopf gestiegen?
GARVEY: Ich hatte meine Momente nach den ersten Erfolgen mit Reamonn. Es war eine neue Welt für mich, ich war manchmal einfach überfordert. Das hat sich jedoch relativ schnell gelegt, als ich merkte, dass Erfolg dir nicht gehört.

Hast du Angst davor, dass dein Soloalbum "Can't Stand The Silence" am Erfolg von Reamonn gemessen wird?
GARVEY: Fuck it, was soll schon passieren? Ich lebe Musik, und gerade deswegen war es auch so wichtig, diese Platte zu machen. Ob sie von den Menschen da draußen gemocht wird, kann man nicht lenken. Ich habe jahrelang in Kneipen gespielt. Und ich habe auch keine Angst, das wieder zu tun. Aber ich möchte auf der Bühne stehen und die Menge toben sehen, die Energie, die in ihnen steckt.

Wirst du auf deiner Tour auch Reamonn-Lieder für die alten Fans spielen?
GARVEY:Wahrscheinlich spiele ich eins, das ich allein geschrieben habe: "Through The Eyes Of A Child". Es ist schön, die anderen Lieder für eine Weile nicht zu spielen. Es ist kein Reamonn- Konzert, sondern ein Rea-Garvey-Konzert.

Du bist neben Nena, Xavier Naidoo und The Bosshoss einer der Coaches bei "The Voice Of Germany". Wie fördert ihr die Teilnehmer?
GARVEY: Wir arbeiten mit diesen Talenten. Wir gehen mit ihnen ins Studio, lassen sie schreiben, helfen ihnen, geben ihnen eine Chance. Uns ist es wahnsinnig wichtig, dass hinterher niemand sagt: "Ihr habt für die Leute nichts getan!" Das ist nicht unsere Art.

Was macht ihr dabei anders als bisher bekannte Castingshows?
GARVEY: Andere Shows machen die Künstler zum Affen. Die behandeln die Teilnehmer wie Dreck und nutzen sie aus, um Geld zu verdienen. Ich möchte den Musikern helfen, sich so zu präsentieren, wie sie sich selbst sehen. "The Voice of Germany" ist mein Weg, es richtig zu machen. Es ist eine Musik-Show - keine Castingshow