Eigentlich gehe ich in Deutschland nicht griechisch essen", betont Frank Chatoupis. Grillplatte und Moussaka sind dem Sohn eines Griechen und einer Deutschen hier viel zu germanisch. Aber irgendwie landeten wir dann doch im Restaurant Artemis am Essener Gänsemarkt, einem echten Bilderbuchgriechen. Aus den Wandnischen schaut fast die gesamte Götterriege des Olymp auf die Teller. Massen an saftigem Plastik-Grün lassen den deutschen Winter vergessen. Und Mikis Theodorakis singt dazu. Chatoupis kommt gerade aus Athen. "Griechenland ist anders als Deutschland", sprudelt der Essener los, "ich liebe die Natur dort, sie lässt mich meine Lebendigkeit spüren." Er bemerkt mein Stirnrunzeln. "Du fragst dich: welche Natur? Ich meine das Meer und die Berge."

Ein Mangel an Lebhaftigkeit ist dem 33-Jährigen auch jetzt nicht anzumerken. Gerade noch plauderte er kurz mit Artemis-Betriebsleitern Michail Vavvras auf Griechisch, dann ist er schon wieder beim nächsten Thema: "Ich schreibe Songs, solange ich denken kann", sagt Chatoupis. "Es ist fast ein bisschen so wie andere Menschen Tagebuch führen." Aber das Bedürfnis, damit vor ein Publikum zu treten - nein, das hatte er lange nicht. Auf Rat eines Freundes stellte er trotzdem ein Programm mit eher sarkastischen und witzigen Songs zusammen, das er als "Lieder(Kaputt)Macher" präsentiert. Als das Wort "Kleinkunst" fällt, verschwindet das charmante Grinsen kurz, aber plötzlich aus seinem Gesicht. "Bei meinem Konzert - hast du mich da penetrant scherzen gesehen?", fragt Chatoupis mit fast strengem Blick. Nein, mit RTL-Comedy hat sein Programm genau so wenig zu tun wie mit altbackenem Polit-Kabarett. Der feine Humor entsteht aus dem Zusammenspiel von Worten und musikalischen Versatzstücken, die er sich von Paul McCartney oder auch aus alten Arbeiterliedern leiht. Und weil er als Musiker ernst genommen werden will, stellt er gerade eine komplette Rockband zusammen.

Während sich die Vorspeisenplatte langsam leert, springt Chatoupis von Gedanke zu Gedanke. Dass er sich als Sozialist begreift, weshalb er auch die Bäckersfrau immer freundlich grüßt, obwohl sie es nie tut. Thema Kreativität: "Es muss ja nicht jeder Bilder malen oder Gedichte schreiben", betont Chatoupis, "aber Spiele- und DVD-Abende sind doch langweilig. Viel lieber würde ich mit Freunden mal über die Dächer laufen." Und aufs Liederkaputtmachen will Chatoupis sich auch nicht ewig festlegen: "Vielleicht singe ich irgendwann doch noch mal ein Programm mit meinen melancholischen Songs." Für einen Moment schweigt er, nippt nachdenklich an seinem Mokka, und aus der Box kommt immer noch Theodorakis.

Unser Autor Honke Rambow lebt in Essen und würde gerne mal mit dem Bus nach Oer-Erkensckwick fahren. Mit Frank Chatoupis war er Mittagessen im: Artemis, Essen, Gänsemarkt 44, Tel. 0201 / 22 67 07

>>> Theke, Tratsch & Tequila, Essen, Katakomben Theater, 11.2., 20 Uhr, 5 Euro. Gast: Frank Chatoupis