1. Francis Hunger: History has left the Building
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Die Ausstellung "History has left the Building" von Francis Hunger (*1976, Dessau) thematisiert die Hoffnungen und Visionen, die in den staatlich organisierten Utopien des 20. Jahrhunderts mit der Entwicklung neuer Technologien verbunden waren, und erinnert an die Opfer dieses technologischen Fortschritts. Hungers künstlerische Narrationen in Form von Installationen, Performances und Hörspielen reflektieren die neuralgischen Kristallisationspunkte zwischen Technologie und Ideologie, welche Rückschlüsse auf die gesellschaftliche Verfasstheit vor und nach dem Zusammenbruch des Kommunismus zulassen.

Francis Hunger versucht durch eine künstlerische Form aktiver Trauerarbeit den "Mythen-Schutt" der gescheiterten Revolutionen des letzten Jahrhunderts beiseite zu räumen, um Platz zu schaffen für die Diskussion möglicher neuer Gesellschaftsideen. Der alle Arbeiten umfassende thematische Bogen, den Hunger dabei spannt, ist die Auseinandersetzung mit der Entwicklung und Bedeutung verschiedener komplexer Technologien in sozialistischen Systemen, an deren Fragestellungen und Problemen sich auch Schlüsse für das Scheitern der gesellschaftlichen Utopien ablesen lassen: 5-Jahres-Pläne sind mit der sekundenschnellen permanenten Gegenwart vernetzter Technologien nicht kompatibel. Ihre dezentrale Organisation widerspricht dem sozialistischen Zentralismus.

Vor diesem Hintergrund interessiert sich Francis Hunger für Artefakte, an denen jene Diskurse Spuren hinterlassen haben; die von ihnen ihre Form erhalten haben. Der SETUN-Computer, eine experimentelle sowjetische Rechenanlage, die im Gegensatz zum später weltweit erfolgreichen binären System drei Schaltzustände kannte (0, 1 und -1), und der Sputnik-Satellit sind für ihn stumme Zeugen aus der "ideologischen Antike" (Alexander Kluge), die uns aus vergessenen Archiven heraus anfunken.

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