1. Dortmund
  2. Bande für Gestaltung
Karte vergrößern
: Bande für Gestaltung in Dortmund

Bande für Gestaltung

Seit zwei Jahren betreiben Amir Rezaloo, Jannis Reichard und Stefan Tuschy in der Dortmunder Nordstadt ihre Grafik-Agentur Bande - Für Gestaltung!, mit bemerkenswertem Erfolg. Im vergangenen Jahr brachten sie ihre Liebeserklärung an Dortmund als T-Shirt auf den Markt.
Zwei U-Bahn-Stationen von Dortmunder Hauptbahnhof, und man steht draußen vor der Tür des Agenturbüros - das ist die Dortmunder Nordstadt. Gleich rechts neben dem Agenturbüro: ein türkisches Gardinengeschäft. Zur Linken arbeitet ein Fensterbauer, und gegenüber richtete sich ein südländischer Beauty-Salon ein. Mit Hochglanzbroschüren aus der großen weiten Werbewelt kommt man in dieser Umgebung nicht sehr weit. "Werbung? Design?", schüttelt Amir Rezaloo den Kopf. Gestaltung ist das Zauberwort. "Schließlich sollen ja auch unsere Nachbarn verstehen, woran wir hier arbeiten."

Seit zwei Jahren gibt es die "Bande - Für Gestaltung!". Amir Rezaloo, Jannis Reichard und Stefan Tuschy, drei Absolventen der Dortmunder Fachhochschule für Gestaltung, hatten ihre Grafik-Agentur fließend und auch schon parallel zum Studium aufgebaut. Ihr erster großer Kunde: die Jeansmarke "Edwin", die das Neu-Design ihres europaweiten Auftritts in Auftrag gab. Die ideale Kulisse fürs Mode-Shooting fanden die Dortmunder in Bottrop bei der "Kustom Kulture", einer alljährlich stattfindenden Hot-Rod-Show.

Dann das Party-Projekt, der Versteck-Floor beim "Juicy Beats"-Festival: Diesmal wurden sie in der Geschichte des Ruhrgebiets fündig. Ins Zentrum des Licht- und Videokonzepts rückten sie einen Pferdegöpel, wie er als Zugvorrichtung im historischen Bergbau genutzt wurde. Und auch ein drittes Projekt, das die Bande seit 2008 betreut, ist tief im Revier verankert: der visuelle Auftritt des Dortmunder Schauspiels. Ihr erster Entwurf - Plakate zur Sophokles-Tragödie "König Ödipus" - brachte das Stück mit dem Slogan "Motherfucker" sehr provokant auf den Punkt.

"Hier in Dortmund muss man sich den Weg für gute Gestaltung freikämpfen", sagt Reichard. "Das ist nicht leicht, aber spannend!" - "Das Ruhrgebiet ist in Sachen Gestaltung ein weitgehend unbestelltes Feld", ergänzt Rezaloo, "in dem sich das Bewusstsein für die schönen Künste nach der Kohle- und Stahl-Ära langsamer ändert, als man manchmal erwartet." Für Reichard ein besonders anschauliches Beispiel: wie sich Dortmund als Stadt nach außen präsentiert. "Total altbacken und krass zersplittert. Das fängt beim Stadtadler an, hört bei den Nashörnern, die überall sinnlos herumstehen, noch lange nicht auf, und passt so gar nicht zur innovativen städtischen Wirtschaftspolitik." Böse Worte, die man immer mal wieder von Zugezogenen hört? Dagegen spricht die Liebeserklärung, die das Trio seiner neuen Heimat auf bunte T-Shirts druckte - mit dem I, dem roten Herzen und der Silhouette der alten Union-Brauerei. Nebenbei war es aber auch eine erfolgreiche Aktion. Seit Sommer 2008 verkaufte sich das Shirt rund 1000-mal.

Das Thema U-Turm könnte die drei aus der Nordstadt noch eine Zeit beschäftigen. Dortmunds Wahrzeichen wird im Rahmen der "Ruhr 2010" gerade zum Zentrum der Kreativwirtschaft umgebaut, also eigentlich ideal für eine Bande mit Zukunft. "Wir wurden auch schon gefragt", gibt Tuschy zu, "aber die Mieten sind viel zu hoch. Eine etablierte Top-Agentur kann sich das leisten. So weit sind wir noch nicht."

Jan Wilms

Seite teilen