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Bühne & Theater : Colosseum in Essen

Colosseum

Bühne & Theater in Essen
Ein Lovestory im Retro-Look und von "Skandal im Sperrbezirk" bis "99 Luftballons" viele Hits der ehemals Neuen Deutschen Welle: "Ich will Spaß" bietet Musical-Entertainment der neuesten Generation
Neulich im Essener Dauerregen: Das Musical "Ich will Spaß" feierte ein rauschendes Coming-out. Aber was war es denn nun - die Welturaufführung oder eine Deutschlandpremiere? Selbst Stage Entertainment fühlte sich in Einladungen und PR-Material irgendwie nicht froh. Die Show greift auf Pieter van de Waterbreemds Script für das niederländische Musical "Doe Maar!" zurück. Joop van den Ende hatte das Rezept aber in der hauseigenen Kreativküche noch einmal gründlich aufkochen und für Essen mit Hits der Neuen Deutschen Welle frisch abschmecken lassen. Weltpremiere scheint jetzt das passende Etikett zu sein.

Der Retro-Trend und die große Showbühne sind einfach ein schönes Paar. "Tanz der Vampire" (Premiere am 7.11. im Oberhausener Metronom Theater) kuschelt sich an Roman Polanskis gleichnamige Horrorkomödie. Mit "Spamalot" (ab 25.1.2009 im Kölner Musical Dome) gönnt "Monty Python"-Mitglied Eric Idle den britischen Kult-Komikern und ihrem Film "Die Ritter der Kokosnuss" ein Musical-Revival. Und auch "Ich will Spaß" ist natürlich retro, aber aus der neuesten Kollektion. Wie bei "We will rock you" (Queen) oder "Mamma Mia!" (ABBA) stehen nur Charthits auf der Playlist. Dazu neue Arrangements, die die Songs von Hubert Kahs "Sternenhimmel" über "Da Da Da" von Trio bis zu Falcos "Kommissar" mit dem Zuckerguss der Musicalbühne überziehen. Ein Creative Writer, der das Liedgut mit dem Standardtext aus Lovestory, emotionalen Verwirrungen und Taschentuchmomenten, aber auch mit etwas Zeitgeschehen verwebt. Und natürlich ein Choreograph, der die Tanzeinlagen farbenprächtig inszeniert. Doch auch der Bühnenbildner hat richtig gute Arbeit geleistet - mit dem legendären Zauberwürfel aus den 80ern, der das Szenenbild nach Bedarf auf- und zuklappt.

Die Geschichte von Rick und Cleo füllt den Rahmen des Erwartbaren: eine glatte, manchmal glänzende Show, professionell bis in letzte Restrisiken durchgegelt. Aber das Lebensgefühl hinter der Neuen Deutschen Welle? Statt nacktem Neon leuchten familienfreundlich
soft gedimmte Energiesparlampen. Und allen parodistischen Übertreibungen zum Trotz schrappt die Story bis zum Heile-Welt-Finale am lieben Sozialkitsch entlang. So ist das eben, wenn Musical-Entertainment die Wirklichkeit berührt, und manchmal tut's halt weh. Cleos friedensbewegte Mutter, die im lila Indiafummel "Es geht voran" von Fehlfarben intoniert: War das nur falsch recherchiert? Oder konnten die Holländer im Team einfach nicht glauben, dass De Bots mit "Das weiche Wasser höhlt den Stein" auch hierzulande die Friedensbewegung zu Tränen rührten? Und dass Ricks Vater auf dem Sterbebett Achim Reichels "Aloha Heja He" singen musste: Ach nee.

Weil all das trotz Buffet und Premierenfeier nicht wirklich satt macht, lege ich irgendwann nach eins doch noch "Paul ist tot" von Fehlfarben auf den Plattenteller. Peter Hein singt: "Was ich haben will, das krieg ich nicht. Und was ich kriegen kann, das gefällt mit nicht." Das war's dann wirklich.

Udo Ernst


Ticket-Tel. 01805/44 44, Do /Fr 20, Sa 15/20, So 14.30/19 Uhr, 34,90-94,90 Euro,
www.stage-entertainment.de
  • Colosseum
    Altendorfer Str. 1
    45127 Essen
  • Telefonnummer: +4920124020
  • Öffnungszeiten
    Do /Fr 20, Sa 15/20, So 14.30/19 Uhr

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