Diese Bescheidenheit ist beeindruckend. Und sehr sympathisch. Mario Lohninger erzählt von seinen Erfolgen, seinen Auszeichnungen, seinen Stationen in München, Los Angeles, New York und Paris. Er schwärmt von der japanischen und der italienischen Küche und verrät uns, dass er sich noch nie um einen Job bewerben musste. Lohninger hat mit den größten seiner Zunft gearbeitet, ist einer von ihnen. Und dennoch hat er nicht diese selbstgefällige Haltung, die man oft bei erfolgreichen Menschen beobachtet, sondern ein tief zufriedenes Funkeln in den Augen. Mario ist Koch. Mit Leib und Seele. Er liebt den Genuss, auch wenn er selbst gerade nicht am Herd steht. Sein Herd befindet sich in Sven Väths Cocoon Club, in der Küche der beiden Restaurants "Silk" und "Micro". Wir treffen Mario Lohninger zum Mittagstisch im "Alten Haferkasten" in Neu-Isenburg. Dort führt Saverio Pugliese gemeinsam mit seinem Sohn Francesco das Regiment über Küche und Gastraum. Pugliese war von 2003 bis 2008 Koch der deutschen Fußballnationalmannschaft. Es ist ein Vergnügen, den drei Köchen zuzuhören und zu beobachten, wie sie miteinander umgehen. Mario ist ein Teamplayer. Und ein Familienmensch. Als er seine Eltern, die fast dreißig Jahre selbstständig in der Gastronomie gearbeitet haben, aus dem Salzburger Land nach Frankfurt holte (sein Vater Paul arbeitet in der Küche, Mutter Erika ist die charmant-resolute Brücke zwischen Küche und Service), war er erstmal unsicher, wie die Partner im Club reagieren werden. "Die haben aber schnell die Vorteile erkannt."

Die Eltern wären mit Lohninger auch in die USA gegangen. Vor seiner Frankfurter Zeit hat der Koch im New Yorker "Danube" als Küchenchef für Furore und hochdekorierte Auszeichnungen gesorgt. Einen Plan gab es schon: "Ich wollte eigentlich einen Laden in Amerika eröffnen. Aber dann ist mir der Väth mit seinem Angebot in die Quere gekommen. Warum denn nicht, dachte ich, ich bin schließlich Europäer. Und dann kommt meine Mutter hier an, und kein Mensch versteht ihren Pinzgauer Dialekt. Mama, habe ich da gesagt, du musst hier in Frankfurt ein wenig deutlicher sprechen." Inzwischen läuft der Familienbetrieb reibungslos. Der Vater sperrt morgens den Laden auf, Mario selbst kommt gegen Mittag. Die Mutter ist die Seele des Hauses, überschaut Reservierungen, Veranstaltungen, Einkäufe. Da steckt viel Organisation dahinter. Besonders, weil alles, was aus Lohningers Sterneküche kommt, frisch und hausgemacht ist. Als Kind wollte der sportbegeisterte Lohninger Skirennfahrer werden. Was für ein Glück, dass daraus nichts geworden ist.

Unsere Autorin Heike Klauer war mit Mario Lohninger Mittagessen im: Alter Haferkasten, Neu-Isenburg, Löwengasse 23, Tel. 06102/32 60 59, Di-So 12-15 u. 18-22.30 Uhr, alterhaferkasten.de