Das Jahr ist noch jung und die Liste der Ausstellungen ist lang und in ständiger Bewegung. Wer soll da noch durchsehen? Ob ungewöhnlich, bequem oder voll subkultureller Zeitgeschichte – PRINZ zeigt euch hier die spannendsten Ausstellungen des Frühjahrs. 

 

Kittel-Couture, Gsechs berufliche Schule 

Kittel-Couture
Anprobe der Designstücke
Eine etwas andere Ausstellung ist die Werkschau „Kittel-Couture und nachhaltiges Design“ der Gsechs, der Beruflichen Schule für Holz, Farbe und Textil. Die Schüler hatten die Aufgabe, aus einer begrenzten Materialsammlung neue Mode und Problemlösungen für das nichtpädagogische Personal der Schule zu entwerfen. Für die Werkstücke und Ideen durfte kein Material gekauft werden, lediglich gebrauchte, reycelte bzw. geschenkte Materialen standen zur Verfügung, darunter gebrauchte Kittel über Materialbörsen oder Saris (indisches Kleidungsstück für Frauen) aus dem privaten Fundus der Reinigungskräfte. Eine schöne Idee. Nicht nur, weil es bei dieser Aufgabenstellung um Nachhaltigkeit und das Teilen der Problemlösungen ging, sondern auch um Wertschätzung wichtiger Menschen an Schulen oder anderen Einrichtungen wie Reinigungskräfte, Hausmeister oder Küchenpersonal. Die fertigen Modelle und weitere Designideen für Büro, Hausmeister oder Werkstätten werden seit dem 16. Februar (Eintritt frei, in den Ferien geschlossen) für etwa vier Wochen im Foyer der beruflichen Schule Holz, Farbe, Textil gezeigt.

 

#Dear Instagram-Ausstellung, Kunstraum

Neben rund 70 typisch-quadratischen Fotografien von sieben internationalen Fotografen, sind seit dem 11. Februar auch die etwa 150 Bilder von 50 Hamburgern zu sehen. Unter dem Hashtag #DearHamburg konnte man sich für die Ausstellung bewerben. Über 5400 Einsendungen kamen so zusammen, aus denen die besten nun offiziell und vor allem ausgedruckt zu sehen sind. Das Schöne an der Ausstellung sind nicht nur die schönen Bilder, die mal hochprofessionell, mal erfrischend belanglos wirken, sondern auch, dass die Grenze zwischen professioneller und privater Fotografie verwischt wird. Nicht alles ist daran Kunst, aber Ästhetik liegt im Auge des Betrachters, und die lässt sich den ausgewählten Bildern nicht so schnell absprechen. Zu sehen sind die Bilder bis Ende März, jeweils samstags und sonntags.

 

 

Picasso – Fenster zu Welt, Bucerius Kunstforum

Für die einen ist diese Ausstellung eine tolle Möglichkeit, zahlreiche Werke von Pablo Picasso gebündelt zu sehen –

Picasso, Das Atelier, 1955
Picasso, Das Atelier, 1955
zumal die Leihgaben unter anderem aus den Picasso-Museen in Malaga, Barcelona und Paris, der Londoner Tate Gallery oder gar der Familie des Künstlers selbst stammen. Für die anderen, die sich vielleicht mit den Hintergründen seines künstlerischen Schaffens bereits intensiv auseinander gesetzt haben, ist „Picasso – Fenster zur Welt“ eine gute Gelegenheit, mehr über das Motiv des Fensters in seinen Arbeiten zu erfahren. Einzelne Bilder, ganze Serien und der Versuch, Einblicke in seine durchaus existenzielle Sichtweise auf das Mensch- und Künstlerdasein zu gewinnen erwarten den Besucher – oder ganz einfach wunderschöne, farbenfrohe Werke des Ausnahmekünstlers.

 

Geniale Dillettanten, Museum für Kunst und Gewerbe

Die tödliche Doris, 1987
Die tödliche Doris, 1987
Nein, kein Schreibfehler, denn Provokation ist das Markenzeichen der Subkultur der 1980er Jahre in Deutschland – und sei es nur ein überflüssiges „l“ im regelkonformen Deutschland. Die Ausstellung des Goethe-Instituts im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg (MKG), die sich genau dieser künstlerischen Alternativszene angenommen hat, stellt die Akteure und Treffpunkte in verschiedenen Städten West- und Ostdeutschlands vor, die der künstlerischen Szene ihre Impulse gegeben haben. Im Mittelpunkt stehen acht Bands, dazu Künstler, Filmemacher und Designer aus den frühen 1980er Jahren, ihre Verbindungen untereinander und die gegenseitige Beeinflussung bzw. gleichzeitig stattfindenden Entwicklungen in Kunst, Film, Mode und Design. Die Ausstellung zeigt insgesamt über 250 Exponate, darunter Gemälde, Fotografien, Kunst-, Design- und Modeobjekte, Schallplatten, Musikkassetten, Soundstationen, Musik, Magazine und Fanzines, Plakate, Bandfilme und einen eigens produzierten Interviewfilm. Rockig, punkig und unangepasst spannend – genau unser Ding!

 

Ich hätte nicht geglaubt, noch einmal hierher zu kommen, Zentralbibliothek am Hühnerposten

Zwangsarbeit ist in diesem Jahr ein großes Thema in der Hamburger Museumslandschaft. Neben der großen Ausstellung im Museum der Arbeit ("Zwangsarbeit", bis 4. April), wird ab dem 24. Februar in der Zentralbibliothek eine besonders persönliche Sichtweise auf dieses dunkle Kapitel der deutschen Geschichte präsentiert. Die Ausstellung "Ich hätte nicht geglaubt, noch einmal hierher zu kommen" dokumentiert die Schicksale ehemaliger Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter und das Hamburger Besuchsprogramm von 2001 bis 2003. Über 400 Personen aus Polen, Russland, Belarus, Tschechien, der Ukraine und Lettland bekamen durch das Besuchsprogramm die Gelegenheit, noch einmal nach Hamburg zurückzukehren. Es geht um Erinnerungen an die Kriegsjahre, die Verschleppung nach Hamburg, die Rückkehr Jahrzehnte später und vor allem darum, welche Bedeutung dieses Programm für alle Beteiligten hatte. Kein leichter Tobak, aber ein wichtiges Stück der deutschen und insbesondere auch der Hamburger Geschichte und eine wirklich persönliche Herangehensweise, die vermutlich niemanden kalt lässt. Organisiert wird die Ausstellung durch den Freundeskreis KZ-Gedenkstätte Neuengamme e.V. in Zusammenarbeit mit der KZ-Gedenkstätte Neuengamme und kann während der Öffnungszeiten der Zentralbibliothek (Montag bis Samstag 11 bis 19 Uhr) besucht werden. Der Eintritt ist frei!


Exhibition On Screen: Goya und Renoir, Zeise-Kino

Die großen Meister Goya und Renoir gibt es diesmal nicht im Museum, sondern im Kino. Die Ausstellung auf der Kinoleinwand verknüpft eine filmische Dokumentation von Meisterwerken der Kunstgeschichte mit dem Ausgeh- bzw. Eventaspekt. Bequem ist diese Art der Kunsterforschung außerdem, schließlich sitzt man gemütlich im Kinosessel, muss sich nicht die Füße wund laufen und bekommt stattdessen auch noch alle wichtigen Informationen rund um Künstler, Kunstwerke und einen Blick hinter die Kulissen großer Ausstellungen geliefert. Gezeigt werden „Goya – Visionen aus Fleisch und Blut“ (28. Februar ab 11 Uhr, OmU) und „Renoir – verehrt und verachtet“ (20. März, 11 Uhr und am 27. März um 12 Uhr). Thematisch sehr speziell und vor allem etwas für Kunstfans, aber sicher eine gemütliche sonntägliche Beschäftigung mit Lerneffekt, die den einen oder anderen Ausstellungsmuffel überzeugen könnte.

 

Diese und alle weiteren Ausstellungen in Hamburg findet ihr in unserm Veranstaltungskalender.