Leipzig

PRINZ-Stadtteiltest Leipzig

von PRINZ Redaktion



Gohlis, Lindenau, die Südstadt, Connewitz, Reudnitz/Anger-Crottendorf oder Musikviertel: Welches ist Leipzigs lebenswertestes Viertel? Wir haben diverse Kriterien aufgestellt und speziell ausgewählte Stadtteile im Detail verglichen.

Musikviertel

Im Musikviertel liegt Musik und eine große Portion Lässigkeit und Freundlichkeit in der Luft.

Unweit vom Kern der Innenstadt in Richtung Süden stößt man auf eine Oase der Ruhe - das Musikviertel. Statt hektisch von Termin zu Termin zu hetzen, sitzen die Bewohner gemütlich mit einem Becher Kaffee in der Sonne oder lesen Zeitung, während sie in einem der momentan 18 Lokale frühstücken. Hier ticken die Uhren langsamer. Neben der Gelassenheit der Bewohner sind auch der relativ junge Altersdurchschnitt und die Freundlichkeit beziehungsweise Gemeinschaftlichkeit auffallend. Auch wenn das Geisteswissenschaftliche Zentrum und die Bibliothek Albertina viele Studenten anziehen, ist die Gegend durch die hohen Mietpreise kein typisches Studentenviertel. Mit Quadratmeterpreisen zwischen 6,50 Euro und 8 Euro gehören die Mieten zu den teuersten der Stadt. Wer sich das leisten kann, bekommt eine wunderschön sanierte Altbauwohnung und mit etwas Glück sogar einen Ausblick auf den Johanna- oder Clara-Park. Wer sich dafür entscheidet, dem fällt bald auf, dass hier nicht nur der Park inklusive der Pleiße und dem Wasserspielplatz für die Kleinen nah ist, sondern auch diverse Schulen für fast alle Altersstufen sowie die Galerie für Zeitgenössische Kunst.
 

Ein von @larryandanke gepostetes Foto am



Aber auch an Geschäften wie Bäckern oder Supermärkten mangelt es nicht. Im Musikviertel findet sich alles, was man zum Leben braucht und da ist es nur natürlich, dass "Nichtanwohner" schnell das Gefühl bekommen, zu Gast in einem Dorf zu sein - zumal sich alle zu kennen scheinen. Da verwundert es kaum, dass man hier auch spätnachts ohne Bedenken auf die Straße gehen kann. Die Polizei wird auf das Viertel nur aufmerksam, wenn im Sommer auf der Parkbühne Veranstaltungen stattfinden, und dann geht es nur um Lärmbeschwerden. Weder Graffitischmierereien noch Wildplakatierungen wie im Süden der Stadt findet man hier. Es bleibt also der Schluss, dass das Musikviertel eine grüne, friedliche Oase mit guten Verbindungen zum Rest der Stadt ist.



Mein Viertel: Kathleen Uttke, Kosmetikerin

"Ich habe mein Geschäft im Musikviertel eröffnet, weil es gleichzeitig sehr zentral, aber doch auch ruhig gelegen ist. Die Bewohner sind ein guter Mix aus Studenten, Businessfrauen und -männern, aber auch Hausfrauen. Schon allein wegen dieser Mixtur ist es total interessant hier zu leben und zu arbeiten. Mir gefällt, dass sich hier scheinbar alle kennen und grüßen, obwohl der Stadtteil recht groß ist, aber man trifft sich in diversen Hotspots. Mein Tipp ist das Kowalski: Dort wird man immer nett bedient und die Karte ist fantastisch."


Connewitz 

Über jedes Viertel gibt es Vorurteile. Die über Connewitz: dreckig, punkig, alternativ.

Das sorbische Wort "Konowiza" heißt "Ort, wo die Pferde weiden" - eine Idylle, die sich beim Stichwort "Connewitz" nicht sofort aufdrängt. Den Ruf, der Connewitz vorauseilt, prägt vor allem ein Wort: alternativ. Tatsächlich waren auf der vormaligen Stöckartstraße Anfang der Neunziger viele Häuser besetzt und mit Locations wie dem Zorro bietet sich viel andere Kultur. Der 1. Mai weist am Connewitzer Kreuz alljährlich Abenteuer-Potenzial auf, und zugegeben, in Connewitz findet sich diese oder jene zersplitterte Bierflasche mehr auf dem Fußweg als anderswo. Connewitz liegt zwischen der Südvorstadt und Markkleeberg. An den genauen Grenzen scheiden sich die Geister, offiziell beginnt das Viertel an der Richard-Lehmann-Straße. Der Stadtteil kann einen großen Auenwald-Anteil für sich beanspruchen, der Cospudener See liegt nah, Kleingärten reihen sich aneinander. Hier leben Alteingesessene ebenso wie junge Familien und Studenten. Bis vor Kurzem wartete das Viertel noch mit deutlich günstigeren Mieten auf, das änderte sich, auch, weil viele aus der überlaufenen Südvorstadt hierher ziehen.

Was Connewitz prägt, ist Ursprünglichkeit, noch ist das Viertel nicht totsaniert. Wenn das Flair des Ortsteils auf dem Spiel steht, ergreift man gegen Bauprojekte wie das an der Ecke Koch-/Scheffelstraße gemeinsam Partei. Der urige Distrikt will seinen rustikalen Charme um keinen Preis hergeben. Auch kulturell läuft Connewitz anderen Stadtteilen immer mehr den Rang ab. Mit dem Werk II, dem Ilses Erika und dem Conne Island fährt das Viertel wichtige Beiträge zu Leipzigs Nachtleben auf. Sie halten die Szene ebenso lebendig wie die Cammerspiele und die Ecksteingalerie. Weidende Pferde wurden noch nicht gesichtet, aber das kann ja (wieder) werden. Ausreichend Gemütlichkeit bietet Connewitz. 
Connewitz Leipzig




Mein Viertel: Michael "Buttermaker" Nieweg, Musiker

"Ich komme aus Westfalen und lebe seit 2008 hier. An Connewitz verlor ich mein Herz. Die Leute sind offenherzig und vertrauensvoll, gar nicht unterkühlt. Anschluss findet man schnell. Mich Landei freut das viele Grün. Und die Preise stimmen - zumindest beim Bier. Connewitz macht mich glücklich und Könich Heinz und Frau Krause sind Kult. Die Herzlichkeit hier hat mich fast erschlagen und süchtig gemacht."


Gohlis

Mit seinen sanierten Altbauten und grünen Parkanlagen ist dieser Stadtteil ein Mekka für Familien.

"Wem's zu wohl ist, wohnt in Gohlis." Ganz abwegig ist der Ausspruch nicht. Denn mit bis zu 9 Euro pro Quadratmeter Miete ist Gohlis ein nicht ganz billiges Fleckchen. Dafür ist es aber auch eine der attraktivsten Wohngegenden Leipzigs. Bei einem Spaziergang durch Gohlis versteht man warum: Vor allem ruhig und schön grün ist es hier. Und trotzdem kommt man mit dem Fahrrad, Auto oder den beiden Straßenbahnlinien 4 und 12 innerhalb von zehn Minuten bequem in die Innenstadt. So wohnt man im Grünen, aber auch nah an der City. Am südlichen Zipfel von Gohlis bildet der Zoo das grüne Eingangstor des Stadtteils. Gleich dahinter erstreckt sich das Rosental und bietet den perfekten Rahmen für das gemütliche Familienpicknick, Spaziergänge für Verliebte und Seelenbaumler. Im Osten von Gohlis markiert der Brettschneiderpark die Grenze zum angrenzenden Stadtteil Eutritzsch. Ins gesamt hat Gohlis eine Ausdehnung von 534 Hektar. Stattliche elf Prozent dieser Fläche sind reine Erholungs- und Landschaftsflächen. Damit ist Gohlis eines der grünsten Viertel Leipzigs. Gerade deshalb steht dieser Stadtteil besonders bei Familien mit Kindern hoch im Kurs. Hier gibt es allein 14 Kindertagesstätten, trotzdem sind die Betreuungsplätze sehr begehrt und rares Gut.

Der durchschnittliche Gohliser ist mit 44 Jahren allerdings eher gesetzt. Familien und ältere Menschen sind hier vorrangig zu Hause und das drückt sich auch in der Atmosphäre des Stadtteils aus. Gemütlich geht es hier zu, die Zeit rinnt etwas langsamer. Dieses Gefühl spiegelt sich auch in der Architektur wider: Der Großteil der Bausubstanz besteht aus liebevoll restaurierten Jugendstil- und Gründerzeithäusern, besonders im südlichen Teil des Viertels. Bis auf ein paar Gebäude, die in ehemaligen Baulücken Platz gefunden haben, und das ein oder andere Einkaufszentrum prägt gepflegter Altbau das Straßenbild. Man möchte meinen, Gohlis mache der Bedeutung seines Namens, "öder Ort", alle Ehre. Doch wer das glaubt, der irrt: Das Gohliser Schlösschen im verspielten Rokokostil ist mit vielseitigen Konzerten, Ausstellungen und Theaterstücken nur einer von vielen kulturellen Anlaufpunkten. Das Schillerhaus als ältestes Literaturmuseum Deutschlands hat hier seinen Platz, genau wie zahlreiche Galerien und kleine Theaterstätten. Und natürlich kann man sich auch in Gohlis gesellig auf ein Feierabendbier treffen. Die Gosenschenke Ohne Bedenken zum Beispiel kredenzt ihren Gästen in einer wunderschönen historischen Kulisse echte Leipziger Gose. Gohlis steht für Natur und Ruhe - das macht es nicht gerade zum angesagtesten Szene-Viertel, aber zu einem sehr attraktiven "Vorstädtchen" in der nördlichen Peripherie Leipzigs.



Mein Viertel: Yvonne Gaebel, Arzthelferin

"Vor acht Jahren bin ich nach Leipzig gezogen und habe mich bei der Wohnungssuche von Anfang an auf Gohlis konzentriert, wegen der Altbauten und der ruhigen Lage. Ich bin lieber draußen im Grünen als in der City. Wenn man trotzdem mal weggehen will, ist die Innenstadt nicht weit. Man hat alles in der Nähe, das mag ich sehr. Seit 15 Monaten bin ich außerdem Mutter. Gerade mit einem kleinen Kind mache ich Lebensqualität auch daran fest, welche Möglichkeiten man in seinem Viertel an Parks und Spielplätzen hat. Da haben wir's gut getroffen."


Lindenau und Plagwitz

Verglichen mit dem Trubel der Innenstadt, wirkt Lindenau wie ein ruhiges, bodenständiges Extrastädtchen.

Karl Heine Kanal Leipzig
Das ehemalige Industrieviertel hat mehr zu bieten als die weithin bekannten niedrigen Mieten, die oftmals unter vier Euro pro Quadratmeter liegen. Man darf sich nicht beirren und ängstigen lassen von Gerüchten à la "Man hörte sogar jemanden sagen, der von einem anderen gehört hat, dass einer behauptet hat, in Lindenau wäre letztens jemand erschossen worden..." und anderen Aussagen, die über den Stadtteil kursieren. Der Autor Michael Schweßinger zum Beispiel, selbst wohnhaft in Lindenau, beschreibt in seinem Buch "In darkest Leipzig" die Hartz-IV-Tristesse im Leipziger Westen, spricht von skurrilen Gestalten in den vielen Kneipen, in denen es Bier zum kleinen Preis gibt. Das ist eine Sichtweise auf das Quartier, die die in den letzten Jahren aufkommende Buntheit unterschlägt. Neben der hohen Dichte an Spielhöllen gibt es die meisten Wächterhäuser, die die stilvollen Altbauwohnungen vor dem Zerfall bewahren und gleichzeitig Raum für künstlerische Projekte bieten. Mehrmals im Monat sammeln sich junge Menschen beispielsweise vor dem Wächterhaus in der Demmeringstraße, um im Kunstraum D21 einem Autor zu lauschen oder experimentelle Filme und Ausstellungen zu bestaunen.

Lindenau Leipzig
Nur einige Häuser weiter, absurderweise gegenüber der Immigranten-Beratungsstelle, sitzt die NPD seit letztem Jahr in ihrem sogenannten Bürgerbüro, um auf Wählerfang zu gehen. Doch der Widerstand seitens der Bürgerinitiative Plagwitz-Lindenau, des Theaters der Jungen Welt und anderer Menschen, die weiterhin in ihrem Wohnort Farbe bekennen wollen, ist längst nicht abgeklungen: So organisierte das Netzwerk unabhängiger Kunsträume in Leipzig-Lindenau kürzlich Rundfahrten im Doppelstockbus durch das Viertel. Unter dem Motto "Ich sehe was, was du nicht siehst" hatten sich Autoren und Musiker zusammengeschlossen, um über die braune Gefahr aufzuklären und Präsenz zu zeigen. Lindenau könnte demnächst noch stärker in den Mittelpunkt des Interesses rücken, wenn die Vision vom Lindenauer Hafen als Transithafen für die über die europäischen Gewässer ankommenden Boote in die Realität umgesetzt wird. Nicht nur als Möglichkeit zum Spazierengehen und um Biber zu füttern, begrenzen der größte Teil des Karl-Heine-Kanals und die Elster das Quartier. Die Nähe zum Wasser ist auch eine Chance, um eine wesentliche Rolle der Wasserstadt Leipzig zu spielen und damit endgültig alte Klischees ablegen zu können.


Mein Viertel: Joachim Burkhardt, 24, Archäologie-Student

"Um Archäologie an der Leipziger Uni zu studieren, habe ich meine Heimat Mecklenburg verlassen. Lindenau mit seiner Kleinkultur und den vielen Altbauwohnungen habe ich sofort in mein Herz geschlossen. Nun wohne ich in einer bunt gemischten 5-er WG, genieße das multikulturelle Leben und die Offenheit des Viertels, zum Beispiel während dem Westpaket auf der Karl-Heine-Straße. In Lindenau könnte man sich auf der Straße auf den Kopf stellen, es gäbe immer einen, der noch freakiger wäre als man selbst!"


Anger-Crottendorf

Zwischen Blüte und Maische - das passt nur zu gut in eine Schublade. Der wahre Charakter wird oft verkannt.

So viel Leben auf einer Straße! Auch wenn das dem St.-Vinzenz-Krankenhaus nahe gelegene Ende der Straße mit der Schließung des Spoerl eine echte Institution verliert, ist der Bereich Richtung Alter Güterbahnhof nach wie vor quicklebendig und expansionsfreudig. Zwar entsprechen längst nicht alle auf dieser Straße angesiedelten Bauten architektonischen Meisterleistungen, aber vielen jungen Bürgern kommt dieses bei sommerlichen Temperaturen nahezu mediterran anmutende Treiben auf den Straßen im natürlich gewachsenen Wohnviertel entgegen, ebenso wie die gute Anbindung dank öffentlicher Verkehrsmittel und eine ordentliche Infrastruktur in Sachen kinderkompatibler Einrichtungen. Mit zunehmender Beliebtheit bei jungen Einwohnern ist auch eine zeitgemäße Gastro- und Shoppingszene gewachsen. The Classic Western Steakhouse liefert Grillgut vom Feinsten, in "Tussmann" wird in ambitioniertem Ambiente gekocht. Neben dem alteingesessenen Platzhirsch "Ab der Fisch" residieren in freundlicher Nachbarschaft Botschaft Mitte und Löffelbar im Schulterschluss mit Modedesignerin Angela Oelschläger und den Schmuckdesignerinnen von "Träume & Taten". Auf dem neu bebauten Bahngelände halten sich tapfer die seit Jahren beliebte Bar Olio und im denkmalgeschützten Gemäuer das Les Halles mit Restaurant- und Tanzbetrieb. Das pralle und doch entspannte Leben also auf nur einem geschätzten halben Quadratkilometer in der Stadt.


Mein Viertel: Clemens Meyer, 32, Schriftsteller
"Ich wohne schon immer in Anger-Crottendorf. Das ist mein Kiez. Zwar sind viele Freunde weggezogen, aber meine Mutter lebt hier noch und mein Hund Piet. Er ist jetzt 14, den reiße ich nicht mehr aus seinem Revier. Warum sollte ich wegziehen? Im Leipziger Osten sind die Menschen ein Querschnitt der Gesellschaft. Hier ist das echte Leben, hier sind Kneipen und trotzdem wohnt man abseits der Innenstadt und der Szeneviertel. Für meinen Roman ,Als wir träumten' lieferten die Leute hier den Stoff für meine Geschichten."


Südvorstadt

Bunt und zeitlos – der Stadtteil im Herzen Leipzigs erfrischt mit konstanter Lebendigkeit

Was macht die Südvorstadt besonders? Ganz klar die Karl-Liebknecht-Straße, die von allen nur KarLi genannt wird. Auf der Südmeile tummeln sich zahlreiche Kneipen, Cafés, Restaurants und kleine Lädchen. Machen es sich die einen auf den Freisitzen der Bars fürs Feierabend-Bierchen gemütlich, sitzen andere in Grüppchen auf den Bordsteigen oder den Fensterbrettern der geschlossenen Läden – am liebsten mit einer Späti-Limo in der Hand. Die Südvorstadt ist – nicht nur durch die ideale Lage (man erreicht jeden anderen beliebten Stadtteil sowie die Innenstadt in 10 Radminuten) – immer noch sehr beliebt bei Studenten und jungen Familien. Denn: Hier ist eigentlich immer was los. Zum kunterbunten Stöbern lädt beispielsweise der Flohmarkt auf dem Feinkost-Gelände jeden ersten Samstag im Monat ein. Im Sommer wird der Innenhof zum Open-Air-Kino. 

Mag es den einen oder anderen längst in den hippen Westen nach Plagwitz und Lindenau oder nun auch vermehrt in den Osten – Richtung Reudnitz – gezogen haben, so strahlt die Südvorstadt – mit ihrem Charme und der hier ansässigen Subkultur – zweifellos etwas Konstantes und Zeitloses aus. Nur leider schießen die Mieten immer weiter in die Höhe.

Südstadt Leipzig



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