Du hast in Leipzig Lehramt für Germanistik und Kunst studiert, bist aber seit 15 Jahren als Maklerin selbständig - wie kam der Wechsel in die Immobilienbranche?
Ich komme aus einer Lehrerfamilie, im Osten hattest du die Wahl zwischen Bäcker, Verkehrspolizist oder eben Lehrer - also bin ich in die Fußstapfen meiner Eltern getreten. Dann kam die Wende und mir stand die weite Welt offen. Ich hab mich ausgetobt und als mir die Referendarstelle angeboten wurde, fiel es schwer, ins Lehrerzimmer zurückzukehren. Die Mutter meines damaligen Freundes war Immobilienmaklerin und ich bin im Büro immer mal ans Telefon gegangen, bis sie mir gesagt hat: Mädchen, du hast Talent.

Kommt dir deine Bekanntheit aus "Big Brother" oder "Mieten, Kaufen, Wohnen" dabei eher zugute oder nehmen dich die Menschen als Maklerin weniger ernst, weil sie dich aus dem Fernsehen kennen?
Wenn die zehnte Frage nach irgendeiner Serie kommt, sag ich einfach: Mensch, jetzt lass uns doch bitte wieder auf die Wohnung konzentrieren. Gut, ich bin ab und an in dem Kasten, aber den Luxus zu haben, mich live zu sehen, ist doch tausendmal besser.

Der Leipziger Wohnungsmarkt bietet zur Zeit noch relativ viel Raum für relativ wenig Geld - wird sich das bald ändern und müssen sich die Leipziger auf Massenbesichtigungen wie in München, Berlin oder Hamburg einstellen?
Der Markt wächst kalkulierbar, aber doch schneller als gedacht. Und er verengt sich gerade in den Top-Lagen wie Waldstraßen- oder Musikerviertel. Es gibt sogar die Tendenz, dass die Kunden Courtage zahlen müssen, der Trend wird in Richtung Massenbesichtigung gehen. Die Leipziger haben nur Glück, dass es hier so viele Makler gibt und damit die Konkurrenz sehr hoch ist.

Das vielzitierte Haifischbecken also...
Es gibt keinen Beruf, in dem so viel heiße Luft produziert wird. Insofern bin ich keine typische Maklerin, ich persönlich halte nichts von maßgeschneiderten Anzügen. Du kannst in der Branche schnell zu viel Geld kommen, was bei mir zu einem Burn-Out führte. Irgendwann bin ich aufgestanden und dachte: Du kennst die Puppe, du wäschst die Puppe, aber innerlich fühlst du dich leer. Heute gehe ich im übertragenen Sinne mit Jogginghose und Gummistiefeln auf Arbeit.

Bist du in punkto Wohn-Vorlieben genauso bodenständig?
Während meines Burn-Outs hatte ich mir ein Loft zugelegt - das war nicht ich. Heute bin ich sehr viel auf Antikmärkten unterwegs und versuche nur Gegenstände mit Geschichte in meiner Wohnung zu haben. Ich suche mein ganzes Leben lang das Gefühl von früher, wenn ich als Kind nachhause gekommen bin - dieses Gefühl von Heimat.

In welchem Viertel sollte sich der Leipziger denn noch schnell sein persönliches Stück Heimat sichern?
Studenten sind mit Schleußig und Plagwitz gut beraten, das sind aber enge Viertel und eher Tipps für die Generation Hängesack und Holzspielzeugladen. Mein Favorit für Familien, die Platz und Ruhe suchen: Die Kaisergärten in Gohlis-Nord und Siebengrün.