Ein wenig fühlt es sich an wie "verkehrte Welt". Normalerweise hören sich ja Barkeeper Lebensgeschichten an, könnten Bücher darüber schreiben. Ein Buch will Franz Schmidauer zwar auch noch irgendwann schreiben, aber jetzt wird er erstmal seine Lebensgeschichte erzählen. Er strahlt souveräne Ruhe aus, seinen Akzent versucht er erst gar nicht zu verbergen: "Für die Leute in Nürnberg bin ich nur der Österreicher oder inzwischen die graue Eminenz aus der Bar Nürnberg." Nach Franken kam er 1998. "Ich war mit meiner damaligen Freundin zu Gast in der Kleinen Comödie. Ich habe dem Barkeeper dort erklärt, wie ich einen Whiskey Sour mixe. Bald darauf haben sie mir einen Job angeboten und dann bin ich eben zu meiner heutigen Ex-Frau nach Franken gezogen." Gelernt hat er zwar Zahntechniker, aber seine Liebe galt schon immer der Bar. "Früher war ich ein Flieger, ich habe alle möglichen Jobs gemacht. Überall. An der Oberen Adria habe ich eine Zeitlang Luxusyachten betreut, ich war Garderobenfahrer beim Wörtherseefilm, hatte aber auch die Disziplin als Zahntechniker zu arbeiten, um meine Familie zu ernähren." Da spricht er immerhin von vier Kindern, zwei hatte seine Ex-Frau schon vor der Ehe, Max und Lara kamen dazu.

Der vier Kinder wegen, will er Nürnberg auch nicht vollkommen den Rücken kehren, wenn er jetzt dem Ruf eines angesehenen Bar-Restaurants nach Baden Baden folgt. "Das Medici ist eine ganz neue Herausforderung. Dort fange ich als niemand an. Und die Klientel ist schon was anderes als in Nürnberg: vermögend oder weltbekannt, wie die Clintons oder Nelson Mandela." Aber auf das Nürnberger Publikum lässt der Kärntner nichts kommen: "Sowohl die Bar Europa als auch die Bar Nürnberg haben großartige, treue Gäste. Bei beiden war ich gerne, wenn auch in unterschiedlicher Funktion. Bei Karel bin ich an die Front gegangen, bei Peppi spiele ich den Ruhepol. Den Best-Taste-Award habe ich für die Nürnberger geholt." Vor den Promis in Baden Baden fürchtet er sich nicht. Am Wörthersee arbeitete er für Uschi Glas und andere bekannte Schauspieler, stand beim "Richter zum Küssen" sogar selbst als Gerichtsdiener vor der Kamera. Zum Essen kommen wir erst jetzt, bald wird das Sapa-Büffet abgebaut, es ist geplündert, lauwarm. Doch der bekennende Ritualmensch isst diszipliniert auf. "Meine Großeltern haben mir noch den Hofdiener beigebracht. Vom Opa habe ich einiges gelernt. Auf sein Wort konnte man sich immer verlassen." Dann packt Franz seine Barkeepertasche mit Armfedern und Krawattennadeln drin.

Unser Autor, Matt Koth, leitet die Redaktion Nürnberg und mag Herrn Rossi lieber als lauwarme Mittagsbüffets. Mit Franz Schmidauer war er Mittagessen im: Sapa, Regensburger Straße 63, Tel. 0911 / 22 78 45, So-Fr 11.30-14, So-Sa 18-24 Uhr, sapa-restaurant.de