Als wären die geisteswissenschaftlichen Fakultäten an der Universität Stuttgart nicht schon überschaubar genug, verkündete Rektor Professor Wolfram Ressel am 4. Juni im Rahmen des neuen universitären Masterplans die "Umwidmung" von 24 Professuren aus den Bereichen Geistes-, Sozialund Wirtschaftswissenschaften. Zu deutsch: Die Stellen sollen gestrichen werden. Seine Begründung: Die Exzellenzinitiative soll zum Elitestatus führen, und der Ausbau von Naturwissenschaften und Technik die Uni Stuttgart attraktiver machen. Die Uni versuchte 2007 schon einmal, das Elitesiegel zu bekommen, zog aber gegenüber Karlsruhe den Kürzeren. Weil niemand gerne gegen Karlsruhe verliert, soll der neue Masterplan die Uni nun wirklich "fit für die Zukunft" machen. Fächer wie Anglistik oder Kunstgeschichte scheinen Rektor Ressel da nicht zukunftsträchtig genug.

Dass mit seiner Idee auch entsprechende Lehramtsstudiengänge wegfallen könnten, wurde vor lauter Exzellenz wohl vergessen. Und dabei wird doch allerorten vom Lehrermangel gesprochen. Wählen etwa hunderte Studenten Bildungsangebote zweiter Klasse? Was kostet eigentlich eine Monatskarte nach Tübingen? Die Antwort der Studenten: Sie organisierten Vollversammlungen und Demonstrationen. Sowohl die betroffenen Professoren, als auch die lokale Presse bezogen Stellung gegen Ressels Rundumerneuerung. Angesichts der Entrüstung ist es zu bezweifeln, dass der geplante Kahlschlag plangemäß durchgeführt werden kann. Aber leider können wir nicht in die Zukunft schauen: Erst nach Redaktionsschluss entscheiden mehrere Organe wie etwa der Senat über das weitere Vorgehen. Möge dort bitte jemand sitzen, dem Intelligenz wichtiger ist als Exzellenz. Eines ist aber jetzt schon sicher: Wir können alles - außer Hochschulpolitik. jav