Opern sind seine große Liebe - da passt es ja prima, dass wir uns beim Italiener verabredet haben. "Es gibt tatsächlich nichts, was mir wichtiger ist als die Oper", schwärmt Oliver Mahn, während er an seiner Latte Macchiato nippt. Mit derselben Leidenschaft, mit der er dank einer klassischen Gesangsausbildung Pucchini oder Verdi singt, leitet er auch das Filmbüro Baden-Württemberg. Mit diesem organisiert er gerade wieder Bollywood & beyond, Deutschlands einziges indisches Filmfestival überhaupt. Das zieht in diesem Jahr von den Innenstadt-Kinos ins SI-Centrum um. "Eine neue Herausforderung", sagt der 36-Jährige. Angst hat er davor nicht. Er ist einer, der die Sache anpackt. Ein Macher. Einer, der auch vor widrigen Situationen nicht kapituliert. Das war schon während des Studiums so. Germanistik hat er studiert, aber bereits nebenher mit Kompagnon Jørn Precht einen Drehbuchvertrieb aufgezogen, weil "ich schon immer etwas mit Film machen wollte". Ein Lektorat kam dazu, schließlich gründeten die beiden die Drehbuchschule Interspherial Pictures. Dann führte der Zufall Regie in seinem Leben: "Auf der Suche nach neuen Büroräumen bekam ich die Möglichkeit, einen Raum des Filmbüros zu nutzen, wenn ich dort die Geschäftsstelle übernehme." Spontan sagte er zu, kümmerte sich um die Post und ging mal ans Telefon - mehr war kaum zu tun.

Als er vom Vorstand des Filmbüros gefragt wurde, ob er nicht auch die hauseigene Filmschau organisieren wolle, zögerte er nur kurz: "Ich hatte ja eh nichts anders zu tun." Das war 2001 - seitdem geht es Schlag auf Schlag: Jährlich die Filmschau, Französische Filmtage, Russisches Filmfest, beim Europäischen Filmfest 2003 betreute er Ehrengast Claudia Cardinale - und seit 2004 organisiert er Bollywood & beyond. Geschäftsführender Vorstand des Filmbüros ist er mittlerweile auch. "Es hatte sich wohl rumgesprochen, dass wir ganz gut sind in Dingen, die man unorthodox angehen muss", lacht er und widmet sich wieder dem Kalbsbraten in Senfsauce. "Wir" - das ist ein Wort, das Oliver Mahn häufig benutzt. Auf das "Wir", also auf sein Team, lässt er nichts kommen - auch wenn die Fluktuation dort sehr hoch ist. Die Erklärung dafür ist so simpel wie traurig: Die finanzielle Ausstattung des Filmbüros reicht nicht aus, um die Leute auf Dauer anständig zu bezahlen. "Wenn du immer wieder mit einem neuen Team anfängst, fehlen die Erfahrungswerte. Und gerade die sind so wichtig bei einem Festival", seufzt er und stochert ein wenig gedankenverloren in der sehr leckeren Panna Cotta herum. Warum er's sich dann trotzdem immer wieder antut? "Ich schätze die Freiheit, die ich hier habe. Und vielleicht bekommt das Filmbüro auch mal mehr Geld und somit auch mehr Kontinuität." Die Hoffnung stirbt eben zuletzt. Ganz wie im Film.

Unser Autor Oliver Seibold steht eher auf Stromgitarren, wird mit Oliver Mahn aber demnächst in die Oper gehen. Mit ihm Mittagessen war er im: Oggi, Kleiner Schlossplatz 11, S-Mitte, Tel. 284 59 90, tgl. 11.30-24 Uhr, oggi-tavola-mediterranea.de