Ein Wochenende in Saumur: Zwischen Loire, Crémant und französischer Gelassenheit

Wer an das Loiretal denkt, hat meist Radtouren entlang Frankreichs längstem Fluss und die berühmten Schlösser vor Augen. Dass sich zwischen Weinbergen, Kalksteinfelsen und dem gemächlich dahinfließenden Fluss auch einer der schönsten Orte für ein verlängertes Genusswochenende versteckt, wissen dagegen die wenigsten. Saumur wirkt wie aus einem französischen Bilderbuch gefallen – mit malerischen Gassen, historischen Fassaden und einem Lebensgefühl, das vor allem eines ausstrahlt: Entschleunigung.
Schon die Anreise ist Teil des Erlebnisses. Mit dem Zug geht es bequem ins Loiretal. Statt Hektik wartet hier eine Region, in der sich das Leben dem Rhythmus des Flusses anzupassen scheint.
Inhaltsverzeichnis
Die Loire vom Wasser aus erleben
Am schönsten beginnt ein Aufenthalt auf der Loire selbst. An Bord eines historischen Holzbootes gleitet man über den Fluss, vorbei an Sandbänken, grünen Ufern und den hellen Tuffsteinfelsen, die diese Landschaft prägen.
Im Glas perlt dazu der „Saphir Saumur Brut“ – die meistverkaufte Cuvée des Hauses: frisch, feinperlig und angenehm ausgewogen. Ein unkomplizierter Aperitif, der genau zu einem warmen Sommerabend auf der Loire passt.

Abends durch die Altstadt schlendern
Spätestens nach Sonnenuntergang entfaltet Saumur seinen ganzen Charme. Kleine Weinbars und der Marktplatz als zentraler Treffpunkt füllen sich und in den engen Gassen scheint hinter jeder Ecke das nächste gute Restaurant zu warten.
Eine besonders schöne Adresse ist das „Bistrot de la Place“. Hier landet klassische französische Küche auf dem Teller – unkompliziert, hochwertig und passend begleitet von den Weinen und Crémants der Region. Überhaupt fällt auf: In Saumur muss man nicht lange nach gutem Wein suchen. Er gehört hier ganz selbstverständlich zum Alltag.



Ein Schaumweinhaus mit 175 Jahren Geschichte
Seit 1851 wird in Saumur bei Bouvet Ladubay Schaumwein hergestellt. Das Unternehmen wird heute von der Familie Monmousseau geführt und zählt heute zu den bedeutendsten Produzenten von Crémant de Loire und feiert 2026 sein 175-jähriges Bestehen.
Besonders spannend ist dabei der Kontrast zwischen Vergangenheit und Gegenwart.
In der modernen Produktionsstätte reihen sich riesige Edelstahltanks aneinander. Automatisierte Anlagen füllen den Grundwein in die Flaschen, in denen viele Cuvées anschließend rund 18 Monate auf der Hefe reifen. Vom Etikett bis zur charakteristischen Goldfolie lässt sich der gesamte Produktionsweg bis zur versandfertigen Kiste verfolgen. Millionen Flaschen verlassen von hier jedes Jahr das Loiretal und werden in mehr als 45 Länder exportiert.
Trotz modernster Technik bleibt vieles familiär. Viele Mitarbeitende stammen aus der Region, manche Familien arbeiten bereits seit mehreren Generationen für das Unternehmen – ein Detail, das zeigt, wie eng Bouvet Ladubay mit Saumur verwurzelt ist.




Wo Geschichte lebendig bleibt
Fast noch faszinierender als die neue Produktion sind jedoch die historischen Gebäude des Hauses.
Bis 2008 wurden hier tatsächlich noch die Schaumweine hergestellt. Heute befinden sich in den ehemaligen Fabrikhallen die Unternehmenszentrale, historische Archive und kulturelle Einrichtungen.
Besonders beeindruckend ist das Archiv der Etiketten. Über Jahrzehnte fertigte Bouvet Ladubay individuelle Flaschenetiketten für Kunden in aller Welt an. Die Originale werden bis heute in eigens konstruierten, drehbaren Archivschränken aufbewahrt. Ein frühes Beispiel für personalisiertes Marketing – lange bevor dieser Begriff überhaupt existierte.
Auch historische Büros und alte Chemielabore sind nahezu unverändert erhalten geblieben. Wo früher produziert wurde, finden heute Theateraufführungen, Ausstellungen und Führungen statt. Die riesige ehemalige Lagerhalle, in der einst Flaschen sorgfältig in Stroh verpackt und auf den Weg in alle Welt geschickt wurden, dient momentan als außergewöhnliche Theaterbühne.



Unterirdisch durch die Geschichte radeln
Unter all diesen Gebäuden beginnt eine völlig andere Welt.
Kilometerlange Tuffsteingänge ziehen sich durch den Untergrund von Saumur. Ursprünglich als Steinbrüche angelegt, dienen sie seit Jahrhunderten als Weinkeller. Kein Wunder: Das ganze Jahr über herrschen hier konstante 12 Grad – ideale Bedingungen für die Reifung der Schaumweine.
Heute können Besucher die weit verzweigten Keller sogar mit dem Fahrrad erkunden. Im Schein von Taschen- und Fahrradlampen geht es durch schmale Gänge, vorbei an gelagerten Holzfässern, Flaschen und gewaltigen Gewölben. Nach dem hochmodernen Produktionsbetrieb fällt es schwer zu glauben, dass bis vor weniger als zwei Jahrzehnten genau hier noch produziert wurde.


Kunst gehört hier einfach dazu
Bouvet Ladubay versteht sich längst nicht nur als Schaumweinhaus. Direkt neben dem Firmensitz befindet sich das hauseigene Zentrum für zeitgenössische Kunst, das wechselnde Ausstellungen zeigt. Aktuell sind dort Fotografien von Jean-Marie del Moral zu sehen.
Die Verbindung von Wein, Kultur und regionaler Identität zieht sich wie ein roter Faden durch das gesamte Unternehmen – und macht einen Besuch deutlich abwechslungsreicher, als man es von einer klassischen Kellereiführung erwarten würde.
Schaumwein kann überraschend vielseitig sein
Natürlich gehört zu einem Besuch auch eine Verkostung. Glas für Glas wird deutlich, wie unterschiedlich Schaumwein schmecken kann: mal frisch und leicht, mal cremig und elegant, mal fruchtig und sommerlich.
Der „Instinct Saumur Brut“ zeigt sich unkompliziert und lebendig, der „Trésor Saumur Brut“ wirkt etwas voller und feiner, während der „Excellence Crémant de Loire Rosé Brut“ mit Aromen roter Beeren sofort Lust auf laue Sommerabende macht. Auch wer sich bislang nicht intensiv mit Schaumwein beschäftigt hat, entdeckt hier schnell seinen Favoriten – ganz ohne großes Fachvokabular.
Später auf einem sonnenverwöhnten Plateau oberhalb der Weinberge wartet noch eine Überraschung: „La Petite Reine“, ein fruchtig erfrischender, alkoholfreier Prickler aus Äpfeln aus der Normandie. Ein zeitgemäßer Abschluss, denn hochwertige alkoholfreie Alternativen werden auch in der Weinwelt zunehmend nachgefragt.


Pferde gehören zu Saumur
Nicht nur Wein prägt die Region. Saumur gilt auch als eine der französischen Hochburgen des Pferdesports. Weltberühmt ist der Cadre Noir, die traditionsreiche Reitschule der Stadt.
Passend dazu besitzt Bouvet Ladubay eine beeindruckende Sammlung historischer Kutschen, die ebenfalls besichtigt werden kann und einen weiteren Einblick in die Geschichte der Region bietet.
Der perfekte letzte Abend
Zum Abschluss empfiehlt sich ein Abend im Restaurant „La Route du Sel“, direkt am Loire-Ufer. Der Name erinnert an die Zeit, als der Fluss als Handelsroute für Meersalz diente, das von der Atlantikküste tief nach Frankreich transportiert wurde.
Mit Blick auf den Fluss schmecken regionale Gerichte gleich noch ein wenig besser. Besonders gut passt dazu der kräftigere „Ogmius Saumur Brut 2015“, dessen Etikett das sagenumwobene Schwert des gleichnamigen Helden zeigt. Zum sommerlichen Dessert bildet der „Célestine Extra Dry“ einen stimmigen Abschluss. Benannt nach Mitgründerin Célestine Ladubay, erhält er durch einen Hauch Holunderblütenlikör in der Dosage eine dezent florale Note.

Abschied mit Baguette und Fernweh
Bevor der Zug zurück nach Hause fährt, lohnt sich noch ein Spaziergang hinauf zum Schloss von Saumur. Von hier schweift der Blick über die Dächer der Stadt, die Loire und die umliegenden Weinberge – eine Aussicht, die noch einmal zeigt, warum diese Region so besonders ist.
Mit einem knusprigen Baguette vom Bäcker gegenüber des Bahnhofs im Gepäck geht es schließlich zurück. Und schon nach wenigen Kilometern wächst das Gefühl, einen Ort entdeckt zu haben, der viel zu schön ist, um lange ein Geheimtipp zu bleiben. Vielleicht liegt genau darin der Zauber von Saumur: Hier nimmt man sich noch Zeit – für guten Wein, gutes Essen und für alles dazwischen.
Die Reise erfolgte auf Einladung von Bouvet Ladubay.