30:38-Niederlage zum Saisonauftakt
Ein Fakt überschattete vor Spielbeginn jedoch alles: Die Lemgoer Chaos-Woche! Erst vergeigten die Lipperländer letztes Wochenende beim Champions League-Qualiturnier in Leon (Spanien) alle drei Spiele, dann gab es am Mittwoch den großen Knall, als Trainer Markus Baur und Sportdirektor Daniel Stephan entlassen wurden. Dazu kommt: Bei einem Turnier in Sindelfingen sollen Florian Kehrmann und Michael Kraus bis 3 Uhr nachts in Stuttgart den Zapfenstreich überzogen und, so die Gerüchteküche in Lemgo, dafür eine Abmahnung erhalten haben. Pikant: Danach wurde Florian Kehrmann die Kapitänsbinde abgenommen. Im Lipperland wird spekuliert: Diese beiden Spieler sollen auch entscheidend an der Entlassung der sportlichen Leitung des TBV beteiligt gewesen sein. Ex-SCM-Sportdirektor Stefan Kretzschmar zum TBV-Chaos: „Als ich das erfahren habe, bin ich aus allen Wolken gefallen. Wenn der SCM eine Chance gegen Lemgo hat, dann heute!“
Doch von Anfang an wird klar: Die Punkte aus Lemgo zu entführen wird ein schier unmögliches Unterfangen. Der SCM wird in den ersten vier Minuten fast überrannt, die wütenden Lemgoer gehen mit 3:0 (4.) in Führung. Ein kurzes SCM-Strohfeuer (Anschluss auf 2:3) kontert der TBV mit einer 4:0-Serie und zieht durch einen Treffer von Kraus auf 7:2 (11.) davon. Kurz zuvor bekam SCM-Coach Michael Biegler bereits seine erste gelbe Karte der noch jungen Saison. Ganz klar: Der Trainer ist unzufrieden mit dem schlampigen Gladiators-Angriffsspiel. Die Magdeburger leisten sich einfach zu viele Fehlwürfe und technische Fehler. In der 13. Minute wird es Biegler zu bunt: Beim 4:9 aus SCM-Sicht nimmt „Beagle“ eine Auszeit und staucht seine Jungs richtig zusammen. Doch es bringt zunächst wenig: Wieder Ballverlust SCM, im Kontergegenstoß trifft Martin Strobel zum 10:4 für Lemgo. Da tauscht Biegler auch die Torhüter, bringt Jürgen Müller für den glücklosen Neuzugang Gerrie Eijlers. Beim 13:7 (18.) macht TBV-Spielmacher Kraus, den der SCM im gesamten Spiel nicht in den Griff bekommt, bereits seinen sechsten Treffer. Dann zeigen sich die Gladiators von ihrer besseren Seite: Müller hält hinten, Glandorf wirft an den Pfosten und im Angriff verkürzen Robert Weber, Bennet Wiegert und Grafenhorst per Siebenmeter auf 10:13 (19.). Doch bis zur Halbzeit zieht der TBV wieder auf 16:21 weg, vor allem die überaus löchrige Magdeburger Abwehr lässt zu wüschen übrig. Lemgo-Star Kraus macht allein bis zur Halbzeit neun Buden, während die SCM-Torhüter Müller und Eijlers gerade mal fünf Bälle zu fassen bekommen. Dazu kommt: Im Angriff sind die Gladiators zu unkonzentriert. Sieben Fehlwürfe und sechs technische Fehler sind einfach zu viel, um in Lemgo zu bestehen. Und einzig ein guter Bartosz Jurecki (vier Tore) reicht nicht.

Foto: Stefan Deutsch
Die zweite Halbzeit beginnt etwas besser für den SCM – vor allem Neuzugang Weber kann sich mit zwei Kontertoren hintereinander auszeichnen und verkürzt auf 20:24 (37.). Doch der SCM ist ohne drei Verletzte (Kabengele, Rojewski, Böhm) einfach zu dünn besetzt und hat gegen die zahlreichen Top-Stars aus Lemgo zu große Probleme. In der 47. Minute führt der TBV erstmals mit acht Toren. Für den SCM geht es von da an nur noch um Ergebniskosmetik. Doch auch das gelingt nicht wirklich, denn in der 56. Minute liegt der SCM dann sogar zehn Tore im Hintertreffen (27:37). Am Ende steht für den SCM eine 30:38-Niederlage, die man jedoch erwarten konnte. Erschreckend dennoch: 24 Fehlwürfe und neun technische Fehler leisteten sich die Gladiators in Lemgo. Viel zu viel. Erfreulich hingegen die Leistungen von Neuzugang Robert Weber und Yves Grafenhorst, die gleichzeitig mit je sechs Toren auch die besten Torschützen für den SCM waren.
Die Stimmen zum Spiel:
Lemgos Florian Kehrmann: „Zur Absetzung als Kapitän sage ich gar nichts. Wir sind über Emotionen ins Spiel gekommen und haben verdient gewonnen. Hut ab für das, was Magdeburg mit seinen Möglichkeiten bietet.“
SCM-Rechtsaußen Robert Weber: „38 Gegentore sind eindeutig zu viel. Wir haben vor allem viel zu viele einfache Tore kassiert. Bei der Deckungsarbeit und der Torhüterleistung müssen wir zulegen.“
DHB-Spielleiter Uwe Stemberg: „Heute hat man gesehen, dass Silvio Heinevetter eine Klasse besser ist als Eijlers und Müller im SCM-Tor.“