Diesen Monat läuft „Ludwig II.“ an, ein Historienfilm, in dem du den Bruder des Bayernkönigs spielst. Allerdings redet alles noch von „Oh Boy“. Überrascht vom Megaerfolg dieses so feinen und leisen Films?
Als die allerersten Kritiken kamen, war es schon schön zu sehen, dass der Film gut aufgenommen wurde. Im Laufe der Zeit haben wir so viele gute Sachen gelesen, dass es nahezu beängstigend ist. Man muss fast aufpassen, dass man es nicht zu persönlich nimmt.

Die Kritiken könnten deine Selbstzweifel heilen!
Es geht dabei nicht nur um die Kritiken. Es geht ja auch um die Arbeit am Set oder ob man eine Rolle bekommt, die man gerne haben möchte. Wenn man eine Rolle haben möchte und sie dann nicht bekommt, das ist natürlich eine Ablehnung, die persönlich wehtut.

Du bist schon mit 12 fürs Theater entdeckt worden, hast mit 18 für „Crazy“ den Bayerischen Filmpreis bekommen. Nie das Gefühl gehabt, dass alles irgendwie leicht geht?
Das Theater war damals nur ein Hobby. Aber im Filmgeschäft ist nichts leicht. Es dauert nicht lange, bis man den Kredit des Jungschauspielers verspielt hat. Man muss immer wieder zu Castings gehen, hoffen, bangen, sich vorbereiten, gut sein.

Du bist ein Mann fürs Charakterfach, hast sogar schon Adolf Hitler gespielt. Danach dürfte dir eigentlich keine Rolle mehr Angst machen, oder?
Angst ist ein großer Bestandteil meines Berufs, der auch nicht unbedingt nur schlecht ist. Ängste zu überwinden, sich etwas zu trauen, von dem man geglaubt hatte, dass man es nicht schafft – das ist eigentlich meine Berufsbeschreibung. Ich bin privat nicht so eine Rampensau wie im Film. Ganz viele Dinge kosten mich sehr viel Überwindung.

Was ist das Schlimmste an der Schauspielerei?
Das ständige Beurteiltwerden. Im Internet lassen sich die Menschen schon einigermaßen gehen. Wenn man mal auf Youtube schaut, was da so geschrieben wird.

Die Menschen können sich im Internet halt anonym auslassen …
Je mehr Leute dich kennen und dich gut finden, desto höher wird auch die Anzahl der Leute, die dich verachten und scheiße finden. Als Künstler gibt es ein ständiges Auf und Ab: gemocht werden und nicht gemocht werden, Arbeit haben und keine Arbeit haben. Da kann es schon wehtun und man hört oft nur noch die Stimmen, die einen richtig blöd finden.

Du trägst fast immer einen dreiteiligen Anzug. Bist du konservativ?
Ich finde das eher unkonservativ, heutzutage Anzüge zu tragen. Keiner meiner Freunde trägt Anzüge.

Der Anzugträger als neuzeitlicher Rebell?
Wenn du in der Bank arbeitest, dann bist du als Anzugträger natürlich kein Rebell. Wenn du aber in einem kreativen Beruf bist und eigentlich tun und lassen kannst, was du willst, und trotzdem Anzüge trägst, ist das eher ungewöhnlich und geradezu exzentrisch. Meine Vorliebe für Anzüge kommt von meinen musikalischen Helden. Leute wie Nick Cave, Pete Doherty und Leonard Cohen sind alles andere als brav.

Was, wenn dein Sohn mit 12 Jahren vom Theater entdeckt wird?
Was er auch immer mal machen will, ob Eiskunstlauf oder Schauspiel. Ich finde toll, wenn Kinder oder Menschen etwas mit besonders großer Passion machen. Das spricht auf jeden Fall für sie.

Das Gespräch führte Sandra Piske