Tim, hast du erwartet, bei der starken Konkurrenz den Bundesvision Song Contest so deutlich zu gewinnen?
Nach der Generalprobe hatten wir ein gutes Gefühl und gescherzt, dass wir das bestimmt gewinnen, wenn wir das in der Show genauso hinkriegen. Aber selbst als es sich beim Auszählen abzeichnete, wollte ich das erst nicht wahrhaben.

Dabei hättest du fast einen anderen Karriereweg gewählt. Als Teenager hast du beim 1. FC Union Berlin Fußball gespielt.
Nein, Fußballer war nie eine Option. Ich hab mit zehn, elf Jahren beschlossen, Sänger zu werden und einen Song zu schreiben. Alles andere dazwischen war nur Zeitvertreib, Spaß oder Interesse.

Du hast einen Talentwettbewerb gewonnen, vor 17 000 Leuten in der Waldbühne gespielt, warst im Vorprogramm von Joe Cocker und Elton John, hast den BuViSoCo gewonnen – aber erst ein Album aufgenommen. Geht dir das alles manchmal zu schnell?

Es gab eine kritische Phase, drei Wochen nachdem das Album herauskam. Da musste ich mir noch mal klarmachen, dass das hier kein Film ist, wo man nur durchrennt und einfach macht, ohne nachzudenken. So ein Gefühl kann man eigentlich als Mensch nicht verarbeiten. Was willst du damit anfangen, dass in der ersten Woche 20 000 Leute dein Album kaufen, die vor einer Woche noch nicht wussten, wer du bist?

Warum hast du denn erst Theologie studiert und nicht gleich das Album aufgenommen?
Weil ich wusste, dass es noch nicht so weit war mit der Musik. Mit 19 Jahren sah ich aus wie ein 15-Jähriger. Das glaubt dir ja kein Schwein. Mir war wichtig, dass mir die Leute abnehmen, die Lieder selbst geschrieben zu haben.

Hast du mal überlegt, auf Englisch zu singen?

Nie darüber nachgedacht. Es ist schon schwierig genug, auf Deutsch sinnvolle Sachen zu schreiben. Selbst wenn ich beim Eurovision Song Contest antreten sollte, wird da Deutsch gesungen. Ich feier dieses Lena-Meyer-Landrut- Ding total – dass die teilgenommen hat, gewonnen hat, noch mal teilgenommen hat. Fand ich total gut und nachvollziehbar und richtig. Ich hab nur nicht verstanden, warum das mit einem englischen Titel sein musste. Für sie passte das natürlich gut, keine Frage, aber ich verstehe nicht, warum Deutschland sich mit einem englischen Titel vertreten lässt.

Dein Berlinerisch lässt du aber auch nicht raushängen beim Singen.

Als ich 16 war, wurde ich ständig darauf angesprochen, wie krass ich Berlinern würde. Aber ich finde es unpassend, im Dialekt zu singen. Am Ende des Tages mache ich ja schon ernsthafte Musik, da singt man nicht im Dialekt.

Nerven dich als Berliner die vielen Zugezogenen?

Schwierig ist, dass sie den Studenten, die gern hierbleiben würden, die Plätze streitig machen. Aber die bringen ja auch Geld mit und kurbeln die Wirtschaft an. Deshalb find ich’s auch heikel zu sagen: Die sind an allem schuld, die atmen uns die Luft weg.

Es gibt das Gerücht, dass du Auto- Auktionator warst. Stimmt das?

Ein Freund von mir hat das gemacht. Nach dem Studium hab ich erst in der Firma ausgeholfen, die Autos umsetzen und so. Später haben die mich dann als Auktionator eingestellt.

Das Gespräch führte Daniel Schmidt