Wer nach einem hippen Italiener sucht, die Einrichtung im Industrial Chic, die Küche offen und experimentell, die Weinkarte orange – der ist beim Bellucci am Adenauerplatz an der falschen Adresse. Hier steht Stuhl an Stuhl, steht Fisch neben Fleisch, Pizza neben Pasta. Im Hintergrund ist entspannter Jazz zu vernehmen. Klassischer geht’s kaum. 

Und da, wo es wirklich drauf ankommt, da spielt das Bellucci seine Konzentration aufs Klassische ideal aus – auf dem Teller. Das beginnt, natürlich: bei den Antipasti. Wir probieren das Lachstartar, das als gewaltiger, gestauchter Zylinder auf einem schmalen Sockel aus Avocado angerichtet wird. Das ist geschmacklich geradlinig, hat aber Kraft und Saft. Verspielt und mit echter Entdeckung kommt der gegrillte Oktopus auf den Tisch. Auch hier üppig portioniert, ruht das im perfekten Moment von der Hitze genommene Fleisch in einer sündhaft unwiderstehlichen Creme aus Kartoffel und Trüffel. Der Sellerie on top ist knackig, der Starter damit ein echter Hit. 

Wir probieren uns an der Pasta. Anderswo oft müdes Pflichtprogramm, das doch den Laden am Laufen hält, zieht das Bellucci hier alle Register. Gerade die Tonnarelli cacio e pepe, mit Peccorino und zwei Jahre durchgereiftem Grana Padano sowie grünem und schwarzem Pfeffer ein denbkar einfaches Gericht und gerade deswegen womöglich eine Einladung zur Mittelmäßigkeit, geraten hier exzellent. Später am Abend – nach Seezunge und Steinbutt (frisch zum Tagespreis) oder Rind (seit kurzem nicht mehr aus Argentinien, sondern aus dem nahen Pommern) bringt Geschäftsführer Adriano Hess gar eine Premiere an den Tisch: Die Tonnarelli mit süßen Zwiebeln und Lakritzsalz geben ihren Einstand auf der alle sieben bis zehn Tage aktualisierten Wochenkarte, sind aber schon jetzt reif für den Dauereinsatz. Auch wenn Hess, der seinen ersten Laden als 20-Jähriger auf der Gneisenaustraße übernahm und später unter anderem den Far Out-Club auf der Joachimsthaler Straße betrieb, die Zwiebeln noch durch Schalotten ersetzen möchte. Der süßere Eigengeschmack erlaubt einen kräftigeren Gegenpol zum Salz, das die Zwiebeln dankbar aufsaugen. 

Ein Ehrenplatz hat übrigens ein gigantischer Teddy ganz links hinten im Restaurant – ein Teddy mit einiger Reiseerfahrung. Wer die Geschichte hören möchte, fragt einfach nach Hess. Die Gesellschaft des ungemein freundlichen Gastronomen, der seinen Laden über alles liebt (und doch schon an der nächsten Eröffnung tüftelt) macht den tollen Abend im Bellucci dann endgültig rund.