IM GESPRÄCH MIT BERLINS GEFRAGTESTEM SOMMELIER

Das Gourmetrestaurant „First Floor“ im Hotel Palace ist gewöhnlich keine Adresse, die man im Vorbeigehen aufsucht. Lackiertes Rosenholz und handgetuftete Teppiche schaffen ein Ambiente, das gehobenen Genuss verspricht. Total steif? Mitnichten. „Wir sind ein junges Team und wollen auch ein jüngeres Publikum ansprechen. Nicht mit diesem formellen Sternegastronomie- Service, sondern locker, leger, fröhlich und mit Herzblut“, sagt Gunnar Tietz, der Chef-Sommelier, mit blitzenden Augen, entspannt im Sessel lehnend. Der „Best of Award of Excellence 2007“ vom „New York Wine Spectator“ ist eine seiner neuesten Auszeichnungen. Die 1 200 Positionen umfassende Weinkarte des Restaurants, an der er intensiv arbeitet, wird begleitet von der in Berlin einzigartigen Wasserkarte mit 34 Wässern, die der Maître Jerk Riese zusammengestellt hat. Gemeinsam ergänzen die beiden Karten die Menüs des Sternekochs Matthias Buchholz. Gunnar Tietz bereist regelmäßig Weinbaugebiete in der ganzen Welt. Aber er kehrt immer wieder gerne nach Berlin zurück. Nicht nur, weil er im Hotel Palace idealen Entfaltungsraum findet, son- dern auch wegen der bewegten Weinszene der Stadt. Neben den vielen Weinbars und Vinotheken bieten Events wie Gewächspräsentationen, Messen und Weinseminare immer mehr Foren für Weinfreunde. „Wein ist ein Medium, das verbindet und Türen öffnet“, weiß Gunnar Tietz, „denn überall unterhält man sich darüber.“ Da ist Berlin als Hauptstadt die ideale Begegnungsstätte. „Viele prognostizieren, dass Berlin innerhalb der nächsten zwanzig Jahre zum Weinnabel in Deutschland wird.“ Dabei geht es in der Stadt nicht nur um den Genuss von Wein.Am Kreuzberg wird ein klitzekleiner Weinberg gepflegt, der jedes Jahr ein paar hundert Flaschen abwirft. Diese exklusiven Stücke werden vom Senat zu besonderen Gelegenheiten verschenkt.Mehr Weinbau zum Anfassen gibt es ganz in der Nähe der Stadt, in Werder an der Havel. Dort wird am Werderaner Wachtelberg echter Qualitätswein hergestellt. Auch Gunnar Tietz trägt mit seinen Projekten zur Entwicklung der Berliner Weinkultur bei. Gemeinsam mit befreundeten Winzern aus Deutschland und Südafrika arbeitet er an eigenen Weinen, die unter dem Namen „The Gurus“ nach Berlin kommen werden. Wir sind gespannt.