SCHÖNEBERG – DER SYMPATHISCHE KIEZ IM WESTEN

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Schöneberg war im vergangen Jahrhundert der Bezirk, in dem die legendären Goldenen Zwanziger am ausschweifendsten gefeiert wurden: Hier wurde Marlene Dietrich geboren, hier lebten, arbeiteten und feierten Billy Wilder und der Schriftsteller Christopher Isherwood. Dieser schrieb später über seine wilde Zeit in diesem Bezirk den Roman „Leb wohl, Berlin“: In den 70ern zog es Künstler wie David Bowie und Iggy Pop in diesen Stadtteil, hier komponierten sie ihre düstersten Lieder. Auch wenn bei dem Hype um die östlichen Berliner Stadtteile der möglicherweise der Eindruck entstehen könnte, dass Schöneberg in den letzten Jahren Dornröschenschlaf gehalten und den Anschluss verpasst hat. So ist doch das Gegenteil richtig: Im Kiez um den Winterfeldtplatz und die Motzstraße blüht das Leben und die Vielfalt. Heute leben hier immer noch viele Künstler. Zum Beispiel der amerikanische Bestseller-Autor Jeffrey Eugenides („Middlesex“) oder die wohl wichtigste bildende Künstlerin zurzeit: Isa Genzken. Sie startet ihren Abend regelmäßig in der Heilen Welt. Die enge, plüschige Bar am Anfang der Motzstraße ist das Tor zum Kiez. Genauso bunt wie die Mischung der Bewohner und Besucher in den schönen Straßenzügen mit den Altbauten, präsentiert sich auch diese kuschelige Bar. Dort treffen sich besonders gerne die Jungs aus dem schwulen Kiez – was bestimmt zur lockeren, offenen und toleranten Atmosphäre in dieser Gegend beiträgt. Zwar kann man in der Heilen Welt ordentlich versacken. Schade wäre es aber schon, nicht weiterzuziehen. In der Winterfeldtstraße sollte man an der Tür des Green Door klingeln und sich in der stilvollen Bar einen gut gemixten Drink gönnen.

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Im Guapo, ein Stück die Straße runter, kann man in stylischer Atmosphäre mit seinem Laptop über WLAN surfen, während man auf seine Freunde wartet. Wer im Kiez durchfeiern möchte, hat jetzt wieder eine gute Möglichkeit: Das Goya hat nach der großen Pleite wieder eröffnet – wechselnde Partys und Veranstalter beleben das ehemalige Metropoltheater mit exzessiven und exklusiven Festen. Aber auch kulinarisch kann Schöneberg sich mit jedem anderen Bezirk in Berlin messen. Gleich am Ende der Motzstraße hat man die Qual der Wahl: Das Sissi lockt mit feinster österreichischer Küche und einem Kamin; hier gibt es von der Leberknödelsuppe über ordent- liches Gulasch bis hin zu Strudeln alles, was die alpine Küche zu bieten hat. In der Raststätte Gnadenbrot wird günstige und geschmackvolle Hausmannskost mit besonderem Pfiff geboten. Auch Freunde der internationalen Küche kommen nicht zu kurz: Im „Tim’s“ gibt es Burger und kanadische Spezialitäten, das Hasir mit seinen würzigen türkischen Speisen hat Gerüchten zufolge den Döner erfunden und im RosaRio wird man mit lateinamerikanischen Spezialitäten zu bezahlbaren Preisen verwöhnt. Aber wohin zum Nachtisch? Was Süßspeisen angeht, ist die Gegend um den Winterfeldtplatz eine Fundgrube für Schleckermäuler. Zahlreiche Coffeeshops und niedlichen Cafés gibt es in der Maaßenstraße. In der Winterfeldtstraße hat sich die zweite Berliner Niederlassung des Schokoladenfachhändlers In’t Veld niedergelassen. Gleich nebenan in der Patisserie Albrecht fällt die Entscheidung schwer zwischen süßen Törtchen und leckeren Kuchen. Bei dieser bunten Mischung fühlen sich alle wohl: von jung bis alt, von konservativ bis hip; Schöneberg ist bunt und facettenreich. Wöchentlicher Treffpunkt ist der Markt auf dem Winterfeldtplatz. Er findet Mittwoch und Samstag statt und hat ein sehr gutes Angebot an regionalem Obst und Gemüse sowie internationalen Spezialitäten. Wer nach seinem Bummel über den Markt noch mehr Lust auf Shoppen hat, geht bei Snika Turnschuhe kaufen und wird überrascht sein, wie gut sortiert dieser Laden ist. Drumherum gibt es in den zahlreichen Antiquariaten die beste Auswahl an Büchern und auch Platten, die Berlin zu bieten hat. Traditionell, faszinierend und immer innovativ – das ist eben die unwiderstehliche Mischung, die Schöneberg so besonders macht. Damals wie heute.