In der Friedrichstraße 100 soll ein Schatz begraben liegen. Gleich hinter der SBahn- Trasse, direkt neben dem Admiralspalast. Der Schatz (angeblich mehrere tausend silberne Besteckteile sowie wertvolle Gemälde und Teppiche) ist ein Relikt aus jener Zeit, als die obere Friedrichstraße noch Berlins erste Amüsieradresse war, mit zahlreichen Kaschemmen, Theatern und Bordellen. Der Krieg bereitete dem Treiben abrupt ein Ende. Genau wie in der Friedrichstraße 100, wo im ehemaligen Bierpalast Franziskaner das Tafelsilber hektisch im Keller in Sicherheit gebracht wurde. Dort blieb es. Verschüttet und vergessen. Bis heute. Denn jetzt soll auch der letzte große Schandfleck hier verschwinden. Zuerst wird der Schatz gehoben und dann ein neues Luxushotel gebaut. Ob Berlin nun eine weitere Upper-Class-Herberge braucht, sei dahingestellt. Konsequent ist das Vorhaben an dieser Stelle aber allemal. Denn die Friedrichstraße rund um die Weidendammbrücke ist heute schicker denn je. Zuerst eröffnete Promiwirt Roland Mary, der auch das Restaurant Borchardt betreibt, im wiederbelebten Admiralspalast sein elegantes italienisches Bistro und Kaffeehaus San Nicci.

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Boris Radczun folgte mit seinem Grill Royal, dem klatsch-und-tratschumwitterten Edel- Steakhouse, wo die Hauptstadt-Schickeria nicht nur der Fleischeslust frönt, sondern sich im Glanz und Glamour sonnt, den der spannungsgeladene Gästemix ausstrahlt. Wenn nicht gerade eine Ausstellung (derzeit von Marc Brandenburg) mit einer Vernissage und hektoliterweise Champagner gefeiert wird, kann es gut passieren, dass man hier sein Steak in Gesellschaft mit Isa Gräfin von Hardenberg und dem Extrem-Künstler Jonathan Meese verspeist. Wer nie im Grill Royal gewesen ist, wird es nicht verstehen. Es sei denn, man hat Helmut Dietls filmische Societysatire „Rossini – oder die mörderische Frage, wer mit wem schlief“ gesehen. Zuletzt sorgte die Eröffnung der Tausend Bar für Aufregung. Alle, die den unscheinbaren Eingang am Schiffbauerdamm gefunden haben, waren begeistert vom Design. Schuppenförmig angeordnete Stahlplatten vermitteln den Eindruck, in einem riesigen Kaleidoskop gelandet zu sein. Das jazzige Konzept richtet sich eher an das erwachsen gewordene Partypublikum, das schicke Cocktails auch zuschätzen weiß. Dresscode und strenge Türpolitik versuchen diesen Anspruch durchzusetzen.

Weniger schick und gestylt sieht es im Picknick aus. Ein ganz normaler, aber ziemlich angesagter Club, der es nicht gerne sieht, dass über ihn geschrieben wird. Das junge Szene-Publikum zieht er magisch an. Musikalisch bietet der Hinterhof-Club vor allem Elektro. Ein paar hundert Meter entfernt bittet Cookies zum Tanz. Jeden Dienstag und Donnerstag. Trotz oder gerade wegen dieser Untage ist es immer rappelvoll: an der Tür, an der Garderobe, an der Bar und auf dem Dancefloor. Samstags heißt die Party Crush. Dann liegt der Eingang komischerweise in der Behrenstraße 55. So soll sich der Abend vom traditionellen Cookies abgrenzen.

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Aber im Cookies kocht nicht nur die Tanzfläche, sondern auch die Küche – im Cookies Cream eine Etage höher. Auf der Karte stehen ausschließlich vegetarische Gerichte von sehr guter Qualität. Wenn man über diesen Teil der Friedrichstraße spricht, kommt man natürlich nicht umhin, auch die vielen Bühnen zu beleuchten. Denn mit vier Häusern der leichten und der ernsten Muse kann man wohl getrost von einem Theaterviertel reden. Da wäre das Berliner Ensemble, dass durch Aufführungen der Werke seines Gründers Bertolt Brecht berühmt wurde und heute zu den führenden deutschsprachigen Bühnen zählt, oder das Deutsche Theater.

Der Friedrichsstadtpalast gilt als Europas größtes Revuetheater, in dessen Shows weder das ausfahrbare Wasserbecken noch die berühmten Girlreihen fehlen dürfen. In der sogenannten Kleinen Revue des Hauses befindet sich seit 2002 Thomas Hermanns Quatsch Comedy Club. Die traditionsreiche und wechselvolle Geschichte des 2006 wiedereröffneten Admiralspalastes begann bereits 1876 – als Badeanstalt, da es auf dem Gelände eine Solequelle gibt. Heute wird das Haus mit Konzerten, Musicals, Comedy und Kleinkunst bespielt. Ein richtiger Ausgehkiez also, der da entstanden ist. Ein Ende ist noch lange nicht in Sicht: Im Admiralspalast soll bald ein Club eröffnen, sogar das Bad soll reanimiert werden. Und das Areal Friedrichstraße/Oranienburger will die Fundusgruppe (Hotel Adlon, Quartier 206) luxussanieren. So ist sie halt die Friedrichstraße: Immer im Wandel.