Wenn über Berlin und seine Kieze berichtet wird, ist der Fokus meist auf die östlichen Stadtteile und Kreuzberg gerichtet. Studenten und Ökofetischisten wohnen in Prenzlauer Berg, Galeristen, Medienmenschen, Szenevolk dagegen in Mitte. Alternativer geht es im Friedrichshain zu, und Kreuzberg ist der multikulturelle Schmelztiegel. Die Club-, Bar- und Partydichte ist in diesen Stadtteilen extrem hoch. Völlig zu Unrecht wird dabei das Angebot in der City West unterschlagen. Bereits Anfang des Jahrhunderts war die Gegend um den Savignyplatz Anziehungspunkt für Bohemiens und Bildungsbürger. Der Maler George Grosz und die Dichterin Mascha Kaléko lebten hier. und bis zur Machtergreifung der Nazis blühte das jüdische Leben im Kiez. Nach dem Krieg war Charlottenburg bis zum Mauerfall das Epizentrum des bundesrepublikanischen Nachtlebens. Hier tanzte und feierte die Jeunessedorée dank fehlender Sperrstunde, als wenn es kein Morgen gäbe. Doch direkt nach der Wende drohten die Kantstraße und ihre Seitenarme zu verramschen und die City West geriet ein wenig in Vergessenheit. Ost-Berlin war als Abenteuerspielplatz für Gastronomen und Partyveranstalter in aller Munde.

Seit einigen Jahren ist der Dornröschenschlaf vorbei. Nachdem 1999 das Stilwerk eine riesige Dependance eröffnete, ist die Kantstraße mit seinen Möbelgeschäften und Modeläden wieder eine ambitionierte Einkaufsstraße geworden. Im Snea-Q gibt es ausgefallene und exklusive Designersneakers, zum Beispiel von Yoshi Yamamoto. Bei Rung Napa findet man im stilvollen Ambiente Herren- und Damenmode von Filipa K., C. P. Company oder J. Lindenberg. Genau der richtige Ort also, um sich für ein Abendessen in einem der vielen überdurchschnittlich guten asiatischen Restaurants einzukleiden. Das Kabuki am Olivaer Platz ist wahrscheinlich der beste Sushi-Tempel der Stadt, und sein Bruder am Savignyplatz, das Mr. Hai & Friends, bietet frische vietnamesische Küche. In direkter Nachbarschaft befindet sich das Restaurant Drei, das tagsüber und in den späten Abendstunden auch als Café und Bar fungiert. Nach dem Essen gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder man begibt sich um Mitternacht ins Vagabund, wo man zusammen mit skurrilen Nachtgestalten wunderbar abstürzen kann, oder es werden alle Energien aktiviert und die Clubs der Umgebung erkundet.

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Nachdem das Big Eden, das unter seinem ehemaligen Besitzer, dem Altplayboy Rolf Eden, einen legendären Ruf genoss, die Pforten vor einigen Jahren schloss, haben einige Clubs diese Lücke gefüllt. Das Maxxim hat sich als feste Größe etabliert. Hier kommen Freunde von House-Musik voll auf ihre Kosten und aufgrund guter Verbindungen nach Ibiza legen namhafte internationale DJs ihre Platten auf. Als unprätentiöser erweist sich der Cotton Club. Hier können Liebhaber von Funk, Soul und Latin zu Live-Musik das Tanzbein schwingen. Rustikal und laut hingegen geht es im QDorf zu: Auf vier Floors wird getanzt, gefeiert und vor allem getrunken. Zwei spektakuläre Neuzugänge sind das Puro und der Club Noir. Während sich der Club Noir mit seinem ehrgeizigen Konzept noch etablieren muss, ist das Puro im 20. Stockwerk des Europa-Centers bereits zum Place-to-Be avanciert. Zur Berlinale tummelten sich auf diversen Partys bereits Schauspieler und Promis im höchsten Club der Stadt (100 Meter!) und waren begeistert ob des fantastischen Blicks über die Stadt. Ein ähnliches Publikum möchten die Macher des Club Noir gerne anziehen. In der Garage des komplett umgebauten ehemaligen Far Out gibt es sogar Limousinen-Parkplätze. So können sich Stars und Sternchen auf direktem Wege in die VIP-Lounge begeben. Besitzer Adriano Hess sieht das Noir in der Tradition von Clubs wie dem Cielo in New York oder dem VIP Room in St. Tropez und ist vom Standort überzeugt: „Wir wollen einen Club schaffen, der eine feste Institution im Berliner und internationalem Nachtleben wird. Die City West wird sich wieder etablieren.“ Im Westen geht also einiges und ein Abstecher sei Nicht-Charlottenburgern hiermit wärmstens ans Herz gelegt.