Blumen und filigrane Formen, wohin das Auge blickt. Egal ob auf Gardinenstoffen, Teppichen oder Kissenbezügen, die Natur hält Einzug in die vier Wände. Vorbei sind die Zeiten, in denen ein Tisch vier Ecken hatte und das Sofa in die 45-Grad-Ecke zwischen Fenster und eingestaubter Zimmerpflanze passen musste. Alles wird über Bord geworfen. Sitzlandschaften sind freistehend, Tische organisch geformt und Betten oval. Unbehandeltes Holz ist als Material auf dem Vormarsch, und die Farben des Herbstes sind Violett, Grün und Braun. Es wird also warm im Herbst?

„Niemand will mehr in weißen und spärlich eingerichteten Räumen sitzen. Die Zeit des Minimalismus und der kalten Farben ist vorbei“, weiß Wolfram Neugebauer, Interior-Designer und Trendexperte des Stilwerks. „Die Leute wollen wieder nach Hause kommen. Ein Zuhause, dass ihre Persönlichkeit widerspiegelt und nicht die Hochglanzseiten von Wohnzeitschriften. Die Individualität, die häufig im Job verloren geht, soll beim Wohnen wieder unterstrichen werden.“ Zudem lassen uns Veränderungen in der Arbeitswelt nicht selten zu urbanen Nomaden werden. Dies erkannte auch die Firma Bulthaup und revolutionierte mal eben den Küchenmarkt: Die neue Küche ähnelt einer Werkbank mit integriertem Geschirr. Sie kann zusammengeklappt und überall hin mitgenommen werden. Egal ob nach Wanne-Eikel oder nach New York. Lästiges Einpacken war gestern.

Es wird auch wieder mehr experimentiert: „Es fällt auf, dass sich sogar die klassische Raumaufteilung in Luft aufgelöst hat“, erklärt Egon Comtesse, Designdirektor beim Edel-Badeinrichter Copa. „Immer öfter treten Kunden an mich heran, die ihr Bad gerne im Schlafzimmer integrieren würden.“ Neben der althergebrachten Raumtrennung sind auch die typischen Nasszellen-Bäder und langweilige geometrische Formen bei den Duschen Schnee von gestern. Ein Highlight im Stilwerk ist die mit Bambus verzierte Regenwalddusche, in der circa 100 Düsen für authentischen Sommerregen sorgen. Aber auch der Lohas-Gedanke ist allgegenwärtig. „Die Leute achten wieder auf Fair Trade“, berichtet Wolfram Neugebauer abschließend. Aber nicht nur die umweltschonende und faire Produktion der Möbel steht im Vordergrund, sondern dass das Design die Nachhaltigkeit auch erkennbar widerspiegelt. Egal war also gestern. Sich die Natur, die Welt da draußen ins Wohnzimmer holen, aber auch Selbstverwirklichung und Nachhaltigkeit liegen voll im Trend.
Briela Jahn