Das Y muss sein. Party Arty Quartetty. So hieß mal ein Abend mit Warren Suicide und einem Streichquartett. Organisiert von Yaneq. Als er davon spricht, funkeln seine eigentümlich braun gesprenkelten Augen. Irre, dieser unverwandte Blick. Seit fünf Jahren gibt es seine Party-Arty-Reihe, erst im Lovelite, dann im Festsaal Kreuzberg. Oft kommen bis zu tausend Leute. Viele wegen der Musik. Als Yaneq damit anfing, schien es in der Stadt noch gewagt, HipHop und Elektro zu verbinden. Der Clou des Konzepts aber ist der Wettstreit der Künste: mal in Kombination mit der Musik, manchmal vor der eigentlichen Party. Einmal lieferten sich die beiden Street Artists Nomad und Poet live einen regelrechten „Battle“.

Vor Yaneq dampft mittlerweile das Schnelle- Teller-Gericht, Entenkeule mit Rotkohl und Klößen. „Vor jeder Party Arty brauche ich was Deftiges“, erklärt er seine Schwäche für Hausmannskost. Die Köchin Hilke Mattuschka lugt in den Gastraum. „Und, schmeckt’s?“ Yaneq winkt. „Alles prima!“ Gleich ums Eck, im alten Club 103, hatte er bis vor kurzem eine Galerie, die auch eine Bar war: das „Vorspiel“. Doch die Räume wurden nun verkauft. Yaneq sucht einen neuen Ort. Eigentlich heißt er, der selbst ernannte „Party- Arty-Diktator“, Jan Kage. Unter diesem Namen aber taucht er aber am ehesten als Autor auf: Schon 2002 hat er sein Buch „American Rap: HipHop und Identität“ veröffentlicht. Vor zwei Jahren dann mit dem Fotografen Mika Väisänen einen Fotoband über HipHopper. Yaneq lieferte die Texte dazu. Er ist selbst Rapper. Und Schauspieler. Und Journalist. Vor allem aber ein Typ mit Visionen und guten Kontakten. Ein sympathischer noch dazu, der mit enormer Begeisterung von all seinen Projekten erzählt.

Der „Berliner Wald“ war seine Lesebühne. Ein Projekt, das wieder aufleben soll: Yaneq sucht nach dem passenden Ambiente, gern berlinerisch, authentisch. Und grübelt laut. Wieso eigentlich nicht im Oberbaum-Eck? Er und seine Mitstreiter könnten hier gut über Tricks von Schwarzfahrern, über Pisa und andere Unfälle berichten. Längst ist später Nachmittag, die Sonne verschwindet hinter dem U-Bahn-Viadukt am Schlesischen Tor. Yaneq ist noch verabredet, in der Galerie Xenado, mit der er die aktuelle Party Arty geplant hat. Fast nebenbei entsteht gerade „Zusprüche“, Yaneqs nächstes Album. „Diese Projekte reichen.“ Ach so, fällt ihm noch ein, wir stehen schon auf der Rolltreppe im U-Bahnhof Kottbusser Tor, „an einem Kinderbuch arbeite ich auch noch mit.“ Sein „Vorspiel“ war eben nur ein Zwischenspiel. „Und Party Arty läuft sowieso ewig weiter.“ Versprochen.

Unsere Autorin Karen Grunow ist Kunstredakteurin und immer auf der Suche nach Menschen, die in der Stadt etwas bewegen. Mit Yaneq war sie Mittagessen im: Oberbaum-Eck, Bevernstr. 5, Kreuzberg, Mo-Fr ab 10 Uhr, Sa/So ab 11 Uhr