Hühnerfüße mit schwarzen Bohnen und Ingwer? Sind das etwa erste gastronomische Reaktionen auf die Fernsehshow „Ich bin ein Star – holt mich hier raus“? Sollen wir uns jetzt wie Ingrid Caven kulinarische Ausnahmen wie Heuschrecken und Riesenmaden zu Gemüte führen? Nein, die Hühnerfüße auf der Speisekarte von Tangs Kantine haben nichts mit Dschungel-Camp-Verpflegung zu tun, versichert Meister Zhao, Chefkoch in Tangs Kantine. Vielmehr sei es so, dass in der südchinesischen Küche von Guandung bis Shanghai die Hühnerfüße zu jedem besseren Familienessen gehören.

Die ledrige, schrumpelige Haut muss man übrigens wie eine bayerische Weißwurst „zuzeln“. Die Hühnerfüße werden lang gewässert und haben kaum Eigengeschmack. Der würzige, leicht scharfe Geschmack kommt durch eine Kräutermarinade zustande. Danach werden die gelblichen Füße kurz frittiert und simmern lange in schwarzer Bohnenpaste. Nach Auskunft des Kochs wird die Spezialität mehrmals täglich bestellt, und zwar hauptsächlich von deutschen Gästen. Wir werden aber nicht wieder dazugehören. Die Soße war zwar delikat, aber diese Hühnerkrallen im Mund sind doch eher etwas für angehende Dschungel-Camper.
Franz Michael Rohm