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PRINZ-Stadtteiltest Berlin

Welches ist Berlins lebenswertestes Viertel? Wir haben elf Kriterien aufgestellt und die Stadtteile im Detail verglichen.

Welches ist Berlins lebenswertestes Viertel? Wir haben elf Kriterien aufgestellt und die Stadtteile im Detail verglichen.

Alle Staddtteile im Überblick: Kreuzberg, Friedrichshain, Mitte, Prenzlauer Berg, Charlottenburg, Neukölln, Schöneberg und Wedding.

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Kreuzberg
Der PRINZ-Gewinnerbezirk ist ein Kiez voller Gegensätze. Alles kann, nichts muss.

Während in den Achtzigern hier die deutsche Punkszene (Einstürzende Neubauten, Die Ärzte etc.) noch den gesellschaftlichen Aufstand probte, die Hausbesetzerbewegung ihren Höhepunkt hatte und sich die legendären 1.-Mai-Demonstrationen etablierten, ist es im Vergleich dazu heute geradezu beschaulich in Kreuzberg. Doch anders als die bewegte Vergangenheit dieses Stadtteils vermuten lässt, gab es in Kreuzberg schon eine friedliche Koexistenz der Extreme. Während sich in den hübsch durchsanierten Ecken des Bezirks im Graefe- und Bergmannkiez und am Paul-Lincke-Ufer der schleichende Gentrifizierungsprozess ablesen lässt, sind die Wohnungen rund um den Mariannenplatz in SO 36 und im multikulturellen Wrangelkiez noch immer bezahlbar. Letzterer gewinnt durch seine unmittelbare Nähe zur neu gekürten Szenemeile Schlesische Straße jedoch auch zunehmend an Anziehungskraft für Wohnungssuchende.

Auch im Kreuzberger Nachtleben ist es eben jener Mix aus Ewigdagewesenem und Frischeröffnetem, der diesen Kiez von durchsanierten Gegenden wie Prenzlauer Berg abhebt und ihn zu einer der beliebtesten Ausgehecken Berlins macht. In Kreuzberg scheint einfach immer noch alles möglich. Die oft von Zugezogenen aus der Westprovinz beanstandete Kulturenvielfalt des Bezirks ist vielleicht sein größtes Plus. Szenarien wie die an Woodstock erinnernden Grillgelage im Görlitzer Park, wo sich türkische Familien mit Studentenhorden friedlich in rauchgeschwängerter Sommerluft vereinen, findet man in Berlin so nur in Kreuzberg. Weniger Rauch und mehr Grün findet der Kreuzberger am lauschigen Urbanufer mit Blick auf die Schwanenparade des Landwehrkanals. Kreuzberg ist ein bisschen wie Berlin im Miniformat: Jede Nische wird bedient. Alles kann, nichts muss. Und dafür lieben wir den Bezirk mehr als jedes andere Fleckchen Berlin.



Kreuzberg: Die Bewertung im Überblick


 
 
 
 
 
 
 
 
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Friedrichshain
Mit seinen Bars, Clubs und der alternativen Szene ist Friedrichshain ein bezahlbarer Abenteuerspielplatz für Groß und Klein.


Auch wenn bezahlbare Altbauwohnungen auch in Friedrichshain immer knapper werden, kann man zwischen Volkspark Friedrichshain im Norden und der Spree im Süden durchaus noch preiswert wohnen und leben. Zwar ist das Spreeufer längst von MTV und Universal okkupiert worden, doch der Nordkiez ist noch immer fest in der Hand der alternativen Szene. Gegensätze wie diese mischen sich am Boxhagener Platz, der mit seinen Imbissen, Trommlern, Hunden und den spielenden Kindern das Herz Friedrichshains darstellt. Die Höhe der Mieten in dieser Gegend zeigt allerdings, dass es mit der Gentrifizierung vorangeht. Gleich um die Ecke sind die Ladenmieten günstig, viele junge Designer mit ihren Klamottenläden aber auch Galerien haben sich rund um die Wühlischstraße angesiedelt.

Wer seine Ruhe haben will, ist in Friedrichshain verkehrt, denn die Kneipen-, Bar- und Clubdichte ist hoch, ruhig geht es eher selten zu. An dieser Stelle seien stellvertretend die Bar 25, Maria und das Berghain für elektronische Musik, Astra und Postbahnhof für das gepflegte Gitarrenbrett genannt. Auch wenn die Simon-Dach-Straße ein wenig zum Umlandballermann verkommen ist, kann man in legendären Kneipen wie dem Feuermelder am Boxhagener Platz nach wie vor gepflegt abstürzen. Zur Regeneration nach solch einem Absturz bietet sich der großzügige Volkspark Friedrichshain zum Joggen, Kicken oder Grillen an, um dann den Tag bei einem Sonnenuntergang auf der Modersohnbrücke ausklingen zu lassen. Wer dennoch mal raus möchte aus diesem heimeligen Kiez, es gibt S- und U-Bahnhöfe, etliche Tramlinien und Busse gleich in der Nähe. Aber wer will schon weg aus Friedrichshain?


Mein Viertel: Alexander Seeberg-Elverfeldt, 32, Freier Art Director
Als ich vor sieben Jahren nach Berlin gezogen bin, wohnten die meisten meiner Freunde hier, und ich fand recht schnell eine Wohnung in der Ecke. Das trubelige Gebiet zwischen Frankfurter Allee und U-Bahnhof Warschauer Straße mag ich nicht so gerne, lieber sitze ich im Garten meiner Wohnung im Rudolfkiez, dort ist auch meine Lieblingsbar, das Royal. Zum Essen gehe ich gerne ins Schneeweiß.

 
 
 
Friedrichshain: Die Bewertung im Überblick

 
 
 
 
 
 
 
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Prachtstraßen und Kleinstadtflair, Touristen-Hotspot und Kreativpool: Berlins Mitte hat viele Gesichter.


Der „Latte-macchiato-Faktor“ wurde hier erfunden. Ebenso der Kalauer, angesichts der vielen Kaffeetrinker in Röhrenjeans, vom „Espressionismus“. Der große Rummel um Berlins neue Mitte ist inzwischen einem angenehmen Lebensgefühl gewichen. Die Mietpreise sind jedoch gepfeffert. Mit 10,55 Euro/qm muss man rechnen, das ist fast doppelt so viel wie der Berliner Durchschnitt. Trotzdem fühlen sich hier sowohl Studenten und Singles als auch junge Familien mit Kindern wohl. Auf den Spielplätzen ist es immer voll, das Kinderbad im Monbijoupark hat von Mai bis September geöffnet. Gefährliche Straßen gibt es nicht. Der Grünfaktor ist niedrig. Jedoch werden viele Straßen von Platanen, Kastanien oder Linden gesäumt.

Auch das „Guerilla Gardening“ findet viele Anhänger. Anwohner, Café- und Ladenbesitzer bepflanzen liebevoll die Gehwegränder und verwahrlosten Blumenbeete. Sobald die Temperaturen steigen, liegen die Picknickdecken im Weinbergs- und Monbijoupark dicht an dicht. Manch einer schläft hier seinen Rausch aus: Das Nachtleben seinen Tribut! Es gibt nicht nur Restaurants für alle Geschmäcker, hier sind auch die bekanntesten Bars und Clubs der Stadt. Die Architektur ist so vielseitig wie in keinem anderen Bezirk. Man findet das beschauliche Nikolaiviertel, den prachtvollen Gendarmenmarkt, sanierte Altbauten, mausgraue Plattenbauten und natürlich die Doppelhochhäuser in der Leipziger Straße.


Mein Viertel: Jan Lucas, 32, Kreativdirektor
Ich komme aus Friedrichshain, wohne aber seit fünf Jahren hier. Der Hauptgrund ist die Nähe zu der Agentur, in der ich arbeite. Mitte ist wie Kreuzberg ein Kreativen-Viertel. Das sieht man an den vielen Modelabels und Galerien, die es hier gibt. Die Leute sehen teilweise ziemlich krass aus. An Mitte schätze ich die Lebensqualität: Zu Hause hat man seine Ruhe, aber sobald man rausgeht, gibt es jede Menge Cafés und Restaurants. Ich habe hier viele alte, vor allem aber neue Freunde. Man lernt schnell Leute kennen – in Bezirken wie Steglitz ist das schwieriger. Es macht Spaß, hier zu leben, wenn ich wegziehen würde, dann nur ins Ausland. Ich gehe gerne aus, zum Beispiel ins Picknick, dort ist es wie früher.

 
Mitte: Die Bewertung im Überblick

 
 
 
 
 
 
 
Auf der nächsten Seite geht’s weiter mit dem Prenzlauer Berg. Prenzlauer Berg
Durchsaniert, gemütlich und charmant – das alte Arbeiterviertel gehört bei der Nestsuche gut situierter Familien zur ersten Wahl.


Junge Eltern schieben stolz ihren Bugaboo samt Nachwuchs vor sich her. Es geht zum Angeben auf den Spielplatz am Kollwitzplatz, einen der derzeit 96 Spielplätze im Kiez. Zur grünen Oase, wo auch die Statue der legendären Käthe Kollwitz über das gebärfreudige Volk wacht. Kinderwagen sind in Prenzlauer Berg das, was andernorts das Auto ist. Je teurer, desto cooler, desto höher das soziale Prestige. Doch umso häufiger werden die schnieken Gefährte auch geklaut: Monatlich werden rund zehn gestohlene Kinderwagen gemeldet. Dafür geht es in Prenzlauer Berg ansonsten sehr gediegen, nett und friedlich zu – und touristisch. Die Kastanienallee fehlt als eine der beliebtesten Bummel- und Kneipenmeilen der Stadt wohl kaum noch in irgendeinem Touristenführer dieser Welt. Das macht das Viertel internationaler, aber eben auch kommerzieller. Geheime Clubs – Fehlanzeige.

Alte Häuser -durchsaniert. Wo einst Künstler und Überlebenskünstler lebten, hat jetzt die Müttermafia die Fäden in der Hand, zumindest in der Gegend rund um den Kollwitzplatz. Hier sind die Mietpreise klar oberhalb des Berliner Durchschnitts angekommen und fernab dessen, was jeder sich leisten kann. Die Gentrifizierung ist eben gerade im südlichen Prenzlauer Berg schon im weit fortgeschrittenen Stadium. Die hübsch sanierten Gründerzeithäuser sind begehrt, auch bei Promis wie Heike Makatsch, Matthias Schweighöfer oder Daniel Brühl. Die wiederum wissen zu schätzen, was dieses Viertel mit seinen zahlreichen Cafés, Restaurants und kleinen Modelädchen so überreich zu bieten hat. Wer sich hier langweilt, hat selber Schuld.


Mein Viertel: Janna Trauernicht, 30, PR-Beraterin
Ich bin vor zehn Jahren von Hamburg nach Berlin gezogen, wohne in der Nähe des Mauerparks und bin immer noch glücklich mit dem Stadtteil meiner ersten Wahl. Nach und nach sind alle Häuser aufgemöbelt worden, der Stadtteil ist zu einem Reiseführer-Trendbezirk geworden und eine hohe Dichte an Latte-macchiato-Müttern und Apple-Stylern ist zu beobachten. Typisch sind auch die vielen jungen Menschen aus der ganzen Welt. Ich mag vor allem die Erdbeerbowle auf dem Kollwitzmarkt und die Törtchen bei Albrechts. Es ist einfach nett hier. Daher verzeihe ich dem Prenzlauer Berg auch seine Schwächen.

 
 
Prenzlauer Berg: Die Bewertung im Überblick

 
 
 
 
 
 
 
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City West, Grunewald und Olympia-stadion: Hier gibt es Abwechslung, das Leben verläuft aber eher ruhig.


Charlottenburg ist der Bezirk der Alteingesessenen. Hier leben Politiker und Diplomaten, die etablierten Künstler und Prominente aus Film und Fernsehen: Jürgen Vogel, Hape Kerkeling, Bastian Pastewka und Frank Zander. Sie alle schätzen das gediegene Flair. Bei den meisten Häusern handelt es sich um Altbauten, die vor dem Ersten Weltkrieg entstanden sind. In den Seitenstraßen des Kurfürstendamms entdeckt man die ein oder andere Nachkriegssünde aus den 50er und 60er Jahren. Die Mietpreise sind auf hohem Niveau stabil: schöne Wohnungen kosten zwischen zehn und zwölf Euro/qm. Dafür gibt es aber auch etwas, denn die Räume sind größer als etwa in Mitte, haben hohe Decken, Stuck und Parkett. Weiterer Pluspunkt: der hohe Grünfaktor. Der Grunewald ist ein beliebtes Ausflugsziel, und der Volkspark Wilmersdorf zieht sich wie eine grüne Lunge durch den Bezirk.

Kinder lieben es, rund um das Schloss Charlottenburg und um den Lietzensee zu toben. Ausländer leben hier wenig, stattdessen gutsituierte Familien mit Schulkindern und Paare (homo wie hetero). Eine Party-Meile ist Charlottenburg nicht. Der Bezirk steht vielmehr für gutbürgerliche Feinkostgeschäfte und Restaurants rund um den Stuttgarter und Savignyplatz. Hotspots sind im Sommer das Café am Neuen See und der Schleusenkrug im Tiergarten. Auch für die vielen Studenten der FU und der UdK. Laut Polizeistatistik wird hier genauso häufig wie in Mitte eingebrochen. Trotzdem: Die Charlottenburger fühlen sich sicher. Der Kurfürstendamm ist eines der wichtigsten Touristenziele und die Gedächtniskirche eines der meistfotografierten Wahrzeichen der Stadt. Die Zukunft: krisenfest und unaufgeregt.


Mein Viertel: Michael Zilling, 39, Bauunternehmer
Ich bin an der Grenze Charlottenburg/Wilmersdorf aufgewachsen, lebe und arbeite noch immer hier. Die Gegend ist ruhig und wegen des Grunewalds sehr grün. Ich mag die persönliche Atmosphäre: Man kennt sich und kann beim Laden um die Ecke auch mal anschreiben lassen. Mein Lieblingsitaliener heißt Pasta e Basta in der Knesebeckstraße. Bei gutem Wetter gibt es nicht Schöneres, als durch den Schlosspark zu bummeln. Die Leute, die hier wohnen, sind eine homogene Westberliner Masse. Es ist fast ein bisschen spießig. Wenn ich mal im Ostteil unterwegs bin und die dreckigen Bürgersteige sehe, weiß ich meinen Kiez zu schätzen.

 
Charlottenburg: Die Bewertung im Überblick

 
 
 
 
 
 
 
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Ein Problemkiez mit hoher Kriminalitätsrate und niedrigem Bildungsstandard? Nein, ein Bezirk mit Zukunft.


Neukölln hat es nicht leicht. Schon Ende der Neunziger Jahre vom „Spiegel“ als „Deutschlands größtes Sozialamt“ betitelt, stimmen auch aktuellere Erhebungen zum Sozialstatus und Bildungsstand in Neukölln nicht unbedingt hoffnungsvoll. Mit 38,7 Prozent hat Neukölln den zweithöchsten Einwandereranteil in Berlin. Doch was auf einige abschreckend wirken mag, ist für viele in Berlin ein Grund, dorthin zu ziehen. Denn Neukölln bietet etwas, was es in kaum einem anderen Berliner Stadtteil so noch gibt: den Raum zur Selbstverwirklichung. Mit den zweitniedrigsten Mieten in Berlin hat Neukölln, vor allem der Reuterkiez, in den letzten Jahren eine kleine Flut von Kunst- und Kulturschaffenden angelockt, die hier ihre Ateliers, Galerien, Cafés und Läden eröffnen.

Anders als viele Berliner Bezirke ist Neukölln jedoch noch frei von jeder Szeneattitüde. Und statt gegeneinander wird im Kulturbetrieb miteinander gearbeitet. Nachts erwacht der Reuterkiez mit einer Fülle kleiner gemütlicher Bars zum Leben. Touristen gibt es wenig und trotz seiner im Wandel begriffenen Struktur ist Neukölln noch ein Stück „altes“ Berlin: verschrobene Einzelwarenhändler, türkische Minisupermärkte, an jeder Straßenecke eine skurrile Futschi-Tanke (Altberliner Eckkneipe). Ein wenig trist, ein wenig schäbig, aber gerade dadurch interessant und zukunftsträchtig.


Neukölln: Die Bewertung im Überblick

Auf der nächsten Seite geht’s weiter mit Schöneberg. Schöneberg
Winterfeldtmarkt, Schwulenkiez und gute Restaurants: Hier lebt es sich urban und gemütlich.


Ist Schöneberg weltberühmt? Ja. Schließlich ist Deutschlands einziger wirklicher Weltstar eine Schönebergerin: Marlene Dietrich wurde hier geboren und ist auch hier begraben. Das ebenfalls weltberühmte Musical „Cabaret“ entstand hier: sein Autor Christopher Isherwood lebte Ende der 20er Jahre in der Nollendorfstraße. In den Siebzigern zog es David Bowie nach Schöneberg. Und weltberühmte Worte gingen vom Rathaus Schöneberg in alle Welt: John F. Kennedys „Ich bin ein Berliner“. Heute schätzen Prominente wie Bürger Lars Dietrich oder Renate Künast das Flair des Winterfeldtmarkts ebenso wie Szenegrößen wie DJ Micky Friedman oder Gloria Viagra.

Geprägt ist das Viertel von gut erhaltenen Gründerzeithäusern und vielfältigen Nachkriegsbauten. Bäume gibt’s reichlich: Mit dem Volkspark Schöneberg, dem Kleistpark und dem angrenzenden Tiergarten verfügt das Viertel über ausgedehnte Grünflächen. Rund um die Epizentren Nollendorfplatz, Viktoria-Luise-Platz, Winterfeldt- und Wittenbergplatz hat sich eine vielfältige gastronomische Infrastruktur mit Cafés, Restaurants und Bars entwickelt. Im Schwulenviertel rund um die Motzstraße ist das Netz von Gaybars und Kneipen so dicht wie nirgends sonst in Berlin. Das Schöneberger Miteinander verschiedener Religionen, Kulturen und sexueller Orientierungen ist problemlos und tolerant. Das Viertel ist ein „Klassiker“, Beschaulichkeit und Gemütlichkeit prägen das Lebensgefühl.


Mein Viertel: Peter Papenberg, 41, Modedesigner
Seit vier Jahren wohne ich in Schöneberg. Mir als Modedesigner gibt der Kiez hier die nötige Ruhe und Kraft, um Ideen für meine Kollektion zu sammeln. Die Unterwäsche und Bademode, die ich entwerfe, ist männlich, sexy, markant und außergewöhnlich. Genau wie Schöneberg. Ich könnte mir nicht vorstellen, in Mitte oder Prenzlauer Berg zu leben, wo alles so aufgesetzt und möchtegernschick ist. Und Kreuzberg ist mir zu aggressiv. Ich genieße den dörflichen Charakter und die Nähe zum Tiergarten. Meinen Cappuccino trinke ich im Impala in der Maaßenstraße. Die Heile Welt schätze ich besonders, weil es dort eine große Raucherlounge gibt. Und ich gehe gern ins More essen, das ist immer gut.

Schöneberg: Die Bewertung im Überblick

Auf der nächsten Seite geht’s weiter mit der Wedding. Wedding
Der alte Arbeiterbezirk tut sich trotz einiger Vorzüge schwer, den Anschluss an modernes Großstadtleben zu finden.

Englischsprachige Touristen freuen sich stets über den Namen: von einer glücklichen Vermählung mit dem Szenebezirk Mitte oder gar einer Sternstunde ist der Bezirk im Norden Berlins aber noch ein gutes Stück entfernt. Der Wandel vom Industrie- zum Dienstleistungsbezirk dauert eben. 32 Prozent der Bewohner sind Ausländer. Großer Vorteil: die Mieten sind extrem günstig. Die Preise liegen bei ca. 4,99 Euro/qm, also mehr als ein Euro unter dem Berliner Durchschnitt. Das gilt auch für Gewerbeflächen, deren Mieten teilweise noch niedriger sind. In vielen Häusern rund um die Brunnen- und Osloer Straße herrscht Leerstand – überall hängen Plakate, auf denen provisionsfreie Wohnungen angeboten werden. Wedding hat zwei grüne Pluspunkte: die Rehberge und den Volkspark Humboldthain, der so groß wie 40 Fußballfelder ist. Es gibt einen lauschigen Rosengarten und sogar Weinstöcke.

Das Freibad Plötzensee bietet einen feinen Uferstrand. Der Sprengelkiez zwischen den U-Bahnhöfen Wedding, Leopoldplatz und Westhafen rühmt sich wegen der Nähe zum Wasser als die „Cote d’Azur“ des Wedding. Bald läuft hier ein Teil des Europa-Radwanderwegs von Berlin nach Kopenhagen entlang. Das passt, denn Radfahren ist hier entspannter als in Mitte. Aber schön ist Wedding nicht. Im östlichen Teil herrscht eine Mischung aus Altbauten und sozialem Wohnungsbau inklusive Satellitenschüsseln vorm Balkon. Im westlichen Teil überwiegen Gründerzeitbauten und ein Industriegebiet. Immerhin: Das Afrikanische Viertel prägen die Bauten von großen Architekten wie Mies van der Rohe und Bruno Taut. Ansonsten ist in Wedding der Hund begraben, vor allem was das Nachtleben und die Gastronomie betrifft.


Mein Viertel: Sabine Kelle, 31, Modedesignerin (Label Widda)
Vor vier Jahren habe ich beim Mode-Wettbewerb „Weddingdress“ gewonnen. Der Preis: sechs Monate mietfreies Arbeiten in einer alten Bankfiliale in der Brunnenstraße. Heute zahle ich ungefähr zwei Euro pro Quadratmeter, unschlagbar! Unser Laden heißt „Modepioniere“ und dient vier Labels als Atelier und Showroom. Langsam trauen sich die Leute auch, reinzukommen. Die Lage ist zentral und in der Nähe ist der schöne Humboldthain. Leider gibt es überhaupt keine Cafés oder Restaurants in der Nähe. Da muss unbedingt etwas passieren! Seitdem drei Häuser weiter ein Hostel eröffnet hat, sind auch mehr Touristen unterwegs.

Wedding: Die Bewertung im Überblick


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