Die Piraten sind schuld. Nicht nur vor der Küste Somalias treiben sie ihr Unwesen, auch im Internet. Sie stürzen die Musikindustrie ins Verderben. Ihretwegen hat die Branche weniger Umsatz gemacht und verzichtet in diesem Jahr auf ihren größten Branchentreff in Europa, die Popkomm. Schade, denn viele Bands nahmen die Messe zum Anlass, in Berlin aufzutreten. Zum Glück kommen viele Musiker und Musikbegeisterte trotzdem. Denn der Macher des Radialsystems Folkert Uhde, Motor-Chef Tim Renner und die Agentur Newthinking Communications haben sich all2gethernow ausgedacht. „Wir wollen zu neuen Ideen anregen und Menschen zusammenbringen“, sagt Julia Gemählig von Newthinking Communications. Dazu netzwerken sie fleißig mit der Berlin Music Commission, mit Politikern, Verlegern und Musikverwertern. All2gethernow besteht aus drei Teilen: dem Camp, der Conference und der Cloud. Das Camp ist ein offener Austausch für Musikinteressierte. Es gibt am 16. und 17. September Workshops zu Themen wie die Weiterentwicklung der Gema, mehr Selbstbestimmung für Künstler und zu den Chancen, die das Internet bietet.

Die Conference im Radialsystem am 18. September ist straff durchorganisiert. Hier diskutieren Fachleute aus dem In- und Ausland über die Lage der Branche. Die sehen die Organisationen nicht so düster wie die Popkomm-Veranstalter – jedenfalls nicht, wenn man die neuen Entwicklungen auch als Chance begreift. Die Cloud ist der Partyteil: Jeder Club kann ein Konzert veranstalten, das im Internet und in einem Booklet erscheint. Musiker und Veranstalter können auf der Website über eine Suche- und Biete-Funktion zueinanderfinden. Im Rahmen der Cloud finden auch erstmals die Berlin Music Days statt, kurz BerMuDa, ein elektronisches Festival von Clubs wie Watergate, Berghain, Cookies und Tresor. Auch sie hatten zur Popkomm schon ein fertiges Line-up und wollen sich den Spaß nicht verderben lassen. Übrigens schwebt die Wolke nicht nur über Berlin, es machen auch Clubs aus anderen Städten mit, wenn alle in die Beatles-Hymne einstimmen: „One, two, three, four. Can I have a little more?“ Judith Jenner