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Berlins Gärten sitzen auf dem Trockenen

Gärtnern in Zeiten des Klimawandels erfordert Anpassungen – hier sind Informationen!

Wir lieben Berlin – seine Vielfalt, das pulsierende Leben und natürlich auch alle grünen Oasen, Parks und Schrebergärten. Letztere haben eine lange Tradition in der Hauptstadt, und nicht nur Eltern und Großeltern werkeln in ihrem kleinen Grün. Auch junge Leute finden es heute cool, eigenes Obst und Gemüse zu ziehen und mit Blühpflanzen ganz gezielt Insekten unterstützen zu können. Doch die Zeiten ändern sich, und damit auch das Klima – der Klimawandel hat nach der Landwirtschaft nun auch die privaten Gärten voll im Griff. Die Kommunen reagieren schon und schreiben neue Pläne für die Grünflächenbepflanzung, private Gärtner haben jedoch meist nicht so viel Wissen, um hier die richtigen Entscheidungen treffen zu können. Für sie ist dieser Artikel.

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Das Klima wandelt sich

Trockene Sommer, Winter ohne echte Kälte und Schnee, Phasen von Starkregen – wir haben den Wandel in den letzten Jahren deutlich vor Augen. Beinahe jedes Jahr müssen sich Landwirte einer neuen Herausforderung stellen, sei es eine schlimme Trockenheit oder das andere Extrem: überschwemmte Felder. Nun sind auch die Wälder betroffen und zeigen deutliche Spuren von Stress und Trockenheit, denn die tieferen Bodenschichten sind ausgetrocknet. Auch ältere Bäume, deren Wurzeln tief reichen, bekommen so kein Wasser mehr.

Gerade in der Region Berlin-Brandenburg hat die Trockenheit voll zugeschlagen. Das Problem: Nach dem Regensommer 2017, als die Felder unter Wasser standen und manche Orte tagelang von der Umgebung abgeschnitten waren, gab es gleich zwei sehr trockene Jahre. Auch 2020 scheint einen eher trockenen Sommer zu bieten, auch wenn es in den letzten Tagen immer mal geregnet hat. Doch die Wassermengen waren nicht nur ungerecht verteilt, sie reichen auch nicht aus, um tief in den Boden zu gelangen und dort das vorangegangene Defizit ausgleichen. In Berlin kamen im Schnitt rund 15 Liter pro Quadratmeter an, allerdings sehr ungleich. Zum Beispiel: In Köpenick waren es 38 Liter, in Biesdorf hingegen nur 5.

Nicht nur die Landwirte und Förster müssen mit diesen Änderungen umgehen, auch bei den privat bewirtschafteten Gärten sind Anpassungen nötig. Immer mehr Pflanzen leiden unter Trockenstress, viele Sorten gedeihen nicht mehr so gut wie früher. Doch man kann einiges dafür tun, dass der Garten robuster wird.

Angepasstes Gärtnern heute und morgen

  • Wir sollten uns von der Monokultur „Rasenfläche“ verabschieden, denn sie hat keinen ökologischen Nutzen und gedeiht nur dann zufriedenstellend, wenn sie reichlich gewässert wird. Wiesen hingegen bieten Vielfalt, sind resistenter und brauchen weniger Wasser.
  • Mit kleinen Tricks beim Gießen kann man eine Menge ausrichten. Doch wie erkennt man Trockenstress, welche Erste-Hilfe Tipps gibt es für Pflanzen und wie kann man sein Gießverhalten anpassen? Nähere Informationen gibt es hier.
  • Welche Pflanzen sollte man im eigenen Garten anbauen? Besser keine Exoten mit besonderen Ansprüchen, die ohnehin empfindlich sind und Probleme haben, sich anzupassen. Am besten fährt man mit angepassten einheimischen Pflanzen aus Bioanbau. Wer samenfeste Pflanzen kauft, kann Saatgut ernten und sich seine neuen Pflanzen immer wieder selbst anziehen. Im Handel gibt es jedoch meist F1 Hybride, also muss man nach solchen Pflanzen oder Saatgut gezielt suchen.
  • Mit einer Mischkultur kann man leicht einen gesunden Garten kreieren. In der Natur wachsen Pflanzen sehr selten allein, meist bilden sie mit geeigneten Nachbarn einen Verband. Manche wurzeln tief und bringen so Wasser in die oberen Schichten, andere schlüsseln die Nährstoffe auf und machen sie für alle verfügbar, usw. Eine Mischkultur ist immer zu bevorzugen und mit etwas Recherche finden sich leicht „gute Freunde“, die voneinander profitieren können.
  • Böden sollten nach Möglichkeit entsiegelt werden. Im Garten ist es nicht notwendig, dass Böden durch Steine versiegelt sind, da hier keine schweren Lasten aufliegen. Auch Schotter ist nicht zu empfehlen. Über unversiegelte Böden kann Regenwasser wieder ins Grundwasser gelangen. Zudem erzeugen feuchte Böden Verdunstungskühle, die an heißen Tag wohltuend wirkt.
  • Mulch ist ein wahrer Zauberkünstler im Garten, doch eigentlich ist das Prinzip nur der Natur abgeschaut. Nirgendwo, außer in von Menschen bewirtschafteten Flächen, gibt es nackten (lebendigen) Boden. Doch wir setzen Gemüse in Reihen und lassen die Bodenkruste offen liegen, sodass das wertvolle Gießwasser in kürzester Zeit verdunstet. Das geht auch anders! Aus Rasenschnitt und anderen organischen Materialien (keine blühenden Unkräuter verwenden) lässt sich eine wunderbare Mulchschicht erzeugen, unter der der Boden schön feucht bleibt. Das reduziert den Wasserverbrauch enorm, doch die Schicht muss dick genug sein. Manche Gärtner bringen bis zu 40 cm auf den Boden auf! Ein weiterer Vorteil: Das organische Material verrottet und erzeugt so neuen Dünger.
  • Regenwasser auffangen und nutzen hilft Geld und Wasser zu sparen. Der Regen kommt leider nicht gleichmäßig. Mal hat man viel zu viel davon, mal zu wenig. Installiert man eine unterirdische Zisterne oder wenigstens ein paar Regenfässer, fängt man den Überschuss einfach auf und kann das Wasser dann nutzen, wenn man es braucht.
  • Humus ist ein idealer Dünger für die Pflanzen und hilft, eine kleine Kreislaufwirtschaft im Garten einzurichten. Dafür legt man einen Komposthaufen an, auf dem Grünabfälle entsorgt werden. Achtung, Essensreste ziehen Schädlinge an! Am schnellsten gelingt die Kompostierung in einem Schnellkomposter. Nach spätestens einem Jahr hat man perfekte Komposterde und kann auf künstlichen Dünger verzichten.

Mit ein paar kleinen Anpassungen macht man seinen Garten für für die Zukunft und kann dem Klimawandel gelassen entgegen blicken.


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