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Die Rache der abgezockten Casino-Spieler

Stell dir vor, du spielst in einem Casino Roulette. Hast du eine Glückssträhne, verlässt du das Casino später mit Taschen voller Geld. Hast du jedoch einen Pechtag erwischt und verlierst dein Geld – gar kein Problem: Der Geschäftsführer des Hauses wartet nämlich schon am Ausgang auf dich, zahlt dir deine Verluste zurück und wünscht dir einen schönen Abend! Wie das sein kann? Hier erfährst du es!

Gemütlich. Das Geld könnte direkt zurückkommen.

Spieler aus Deutschland holen sich ihre Verluste zurück

Zugegeben: Wir haben den Fall für das obige Beispiel etwas vereinfacht. Eigentlich spielte sich das Ganze nämlich nicht in einem stationären Casino ab, sondern bei einem illegalen Online-Betreiber. Außerdem hat der Geschäftsführer auch nicht freiwillig und gut gelaunt am Ausgang auf den Kunden gewartet, um die Verluste auszugleichen, sondern das Unternehmen wurde hierzu von einem Gericht verurteilt. Und das könnte erst der Anfang sein, denn immer mehr Spieler fordern ihre Verluste zurück. Aber der Reihe nach.

“Rien ne va plus!” – Oder etwa doch?

Du kennst bestimmt die berühmten Worte “Rien ne va plus!” Ins Deutsche übersetzt bedeutet der Ausspruch so viel wie “Nichts geht mehr!” Der Croupier spricht diesen Satz am Roulettetisch und beendet damit die Setzphase. Sobald die Worte gesprochen sind, dürfen die teilnehmenden Spieler kein Geld mehr setzen oder ihren Einsatz korrigieren. Stattdessen heißt es nun, einfach nur noch abzuwarten und zu hoffen, dass die Roulettekugel im gewünschten Feld liegen bleibt. Fällt sie in das korrekte Feld, kann sich der betreffende Spieler über einen warmen Geldregen freuen – liegt er mit seinem Tipp jedoch daneben, ist das schöne Geld futsch. So war es zumindest eigentlich immer – doch in der jüngeren Vergangenheit konnten immer wieder einzelne Spieler aus Deutschland ihre Verluste erfolgreich zurückfordern. Aktuelles und besonders bekanntes Beispiel: Ein Mann aus Hessen.

Das Urteil könnte auf fruchtbaren Boden fallen.

Fast 12.000 Euro beim virtuellen Roulette verzockt

Der Spieler hatte bei einem Anbieter aus Malta immer wieder an einem virtuellen Live-Roulettespiel teilgenommen. Das heißt, er ist zum Spielen nicht in ein klassisches Casino gegangen, sondern hat in einem Online-Casino gespielt, die Einsätze also per Mausklick platziert und danach den Lauf der Kugel am Bildschirm verfolgt. Manchmal liegt er richtig und gewinnt etwas Geld, häufig bleibt die Kugel aus seiner Sicht jedoch im falschen Feld liegen und er verliert seinen Einsatz. Über mehrere Monate läuft das so und die Verluste des Spielers nehmen immer weiter zu, schließlich belaufen sie sich auf über 11.700 Euro. Doch der Spieler hat nicht vor, sich mit diesem fünfstelligen Minus abzufinden – und so fordert er von dem Betreiber die Erstattung seiner Verluste.

Urteil: Kein legales Angebot, das Casino muss zahlen!

Hierzu sucht sich der Mann aus Hessen einen Anwalt und leitet im Jahr 2017 juristische Schritte ein. Das Verfahren landet vor dem Landgericht Gießen und tatsächlich: 2021, also vier Jahre später, entscheiden die Richter zugunsten des Klägers! Nach Ansicht der Richter war das von dem Betreiber angebotene Spiel in Deutschland nämlich gar nicht legal. Das Unternehmen soll daher zahlen und dem Spieler die erlittenen Verluste ersetzen.

Der zahlungsunwillige Anbieter

Doch so schnell gibt sich der Betreiber des Online-Casinos nicht geschlagen. Das Unternehmen will nämlich nicht zahlen und geht in Berufung. Dabei vertritt es eine gänzlich andere Auffassung als der Kläger und die Gießener Richter. Unter anderem macht es auf eine durch die zuständigen Behörden Maltas erfolgte Lizenzierung aufmerksam und argumentiert außerdem: Der Spieler hätte sich selbst vor dem Spielen über die in seiner Heimat geltenden rechtlichen Bestimmungen informieren müssen, dem Betreiber sei dies hingegen nicht zumutbar. In nächster Instanz setzen sich daher die Richter am Oberlandesgericht Frankfurt mit dem Fall auseinander. Auch hier ist nun kürzlich eine Entscheidung gefallen.

Ein Urteil mit weitreichenden Folgen?

Das aus Sicht des Unternehmens sicherlich ärgerliche Ergebnis des Verfahrens: Das Urteil des Landgerichts Gießen hat Bestand. Die Richter am Oberlandesgericht Frankfurt stimmen der Betrachtungsweise ihrer Gießener Kollegen zu und weisen die Berufung als unbegründet ab – das Unternehmen muss dem Spieler seine Verluste erstatten, zuzüglich Zinsen. Die eingelegte Berufung könnte sich so für das Unternehmen und die gesamte Branche noch als folgenschwerer Fehler mit nicht absehbarem Bumerang-Effekt erweisen.

Rollt nun eine gewaltige Klagewelle auf die Branche zu?

Hierzu muss man wissen: In den vergangenen Jahren haben sehr viele Spieler aus Deutschland in illegalen Online-Casinos gespielt – und dabei mitunter viel Geld verloren. In letzter Zeit konnten jedoch immer wieder einzelne Spieler vor Gericht ihre Verluste erfolgreich zurückfordern. Am 28. April 2022 hatte etwa eine Spielerin aus Sachsen-Anhalt vor dem Landgericht Magdeburg eine Rückzahlung ihrer Verluste in Höhe von ca. 22.000 Euro von einem illegalen Online-Casino erstritten.
Doch durch die von dem Unternehmen in dem hier beschriebenen Fall eingelegte Berufung hat sich jetzt auch ein Oberlandesgericht mit einem solchen Verfahren befasst und letztlich – wie erläutert – dem Spieler recht gegeben. Dadurch, dass sich erstmals auch eine höhere Instanz mit einem solchen Fall beschäftigt hat, erfährt das Thema auch in der Öffentlichkeit deutlich mehr Beachtung. Insofern könnte dieser im Verhältnis zu vorherigen Fällen besonders medienwirksame Sachverhalt vielleicht eine Signalwirkung entfalten und weitere Betroffene zu einer Rückforderung ihrer Verluste motivieren – besonders vor dem Hintergrund, dass die Klage des Mannes aus Hessen letztlich erfolgreich war. Auch Spieler, die von einer solchen Möglichkeit bisher nichts wussten oder ihr wenig Erfolgsaussichten zuschrieben, könnten nun den Mut fassen, ein entsprechendes Verfahren auf sich zu nehmen. Dass dies nicht nur eine abwegige Theorie ist, zeigt eine Aussage des Anwalts, der den Mann aus Hessen vertreten hatte: Seinen Worten zufolge werden allein von seiner Kanzlei 400 derartige Verfahren bearbeitet.

Rien ne va plus! Für einige Online-Casinos könnte das eine bittere Pille werden.

Geldregen für Millionen Spieler – Pleite für Casinos?

Eventuell könnten also viele Spieler in Deutschland demnächst einen warmen Geldregen genießen, denn in der Vergangenheit spielten Millionen Menschen bei Anbietern, die über keine in Deutschland gültige Konzession verfügten. Viele Spieler verloren dabei sehr viel Geld, sodass auf die Anbieter Forderungen in Höhe mehrerer hundert Millionen Euro zurollen könnten. Da drängt sich natürlich die Frage auf, ob die Betreiber eine einsetzende Klagewelle überhaupt überstehen können oder ob einige Unternehmen vielleicht vor dem finanziellen Ruin stehen. Auffällig ist jedenfalls, dass bereits einige Unternehmen erste Maßnahmen ergreifen – und das nicht nur aufgrund der rechtlichen Situation in Deutschland. Für Schlagzeilen sorgte zum Beispiel der börsennotierte Anbieter bet-at-home.com, der im vergangenen Herbst die Bildung von Rückstellungen und die Einstellung seines Angebots in Österreich beschloss.

Spielerschutz per KI und die offizielle Whitelist

Mit dem Inkrafttreten des neuen Glücksspielstaatsvertrags (GlüStV 2021) am 1. Juli 2021 ist es den Betreibern von Online-Casinos in Deutschland nun möglich, eine bundesweit gültige Erlaubnis für ihre Angebote von den zuständigen Aufsichtsbehörden zu bekommen. Nach Erhalt können sie den Spielern dann ein legales und rechtssicheres Spieleangebot unterbreiten. Damit soll der Markt besser reguliert werden und rechtliche Unsicherheiten sollen endlich der Vergangenheit angehören. Damit ein Anbieter die Zulassung in Deutschland erhalten kann, muss er verschiedene Maßnahmen treffen, die unter anderem der Suchtprävention und dem Spielerschutz dienen sollen. Hierbei wird übrigens auch auf den Einsatz von künstlicher Intelligenz zurückgegriffen. Die erste Zulassung wurde kürzlich – also ca. 10 Monate nach Inkrafttreten des GlüStV 2021 – endlich an einen deutschen Casinoanbieter erteilt. Hier kannst du also legal und sicher spielen. Es dürften bald weitere Anbieter folgen, auf der offiziellen Whitelist der Gemeinsamen Glücksspielbehörde der Länder (GGL) mit Sitz in Halle (Saale) kannst du bequem online einsehen, welche Anbieter eine behördliche Erlaubnis erhalten haben.

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