8 °C So, 18. April 2021 Uhr
Prinz.de  ›  Regional  ›  Hauptstadt der Gründer: So ist die Lage für eine Selbständigkeit in Berlin

Hauptstadt der Gründer: So ist die Lage für eine Selbständigkeit in Berlin

Berlin ist nicht nur Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschland, sondern auch Hauptstadt der Gründer – und das nicht ohne Grund. Denn die Startvoraussetzungen für eine Selbständigkeit sind nirgendwo sonst so gut. PRINZ verrät euch, woran das liegt.

PRINZ Tweet

Hauptstadt der Gründer. Ein Titel, den Berlin nicht immer innehatte. Tatsächlich hatte lange Zeit Hamburg die Nase vorn, wenn es um die Zahl neugegründeter Unternehmen ging. Doch mittlerweile wurde es von Berlin überholt. Zwar gehört Hamburg nach wie vor zu den vier größten Gründerstädten in Deutschland, gemeinsam mit München, der Metropolregion Rhein-Ruhr und eben Berlin. Doch Berlin hat mit 17,7 Prozent deutlich die Nase vorn, wie aus dem Deutschen Startup Monitor 2020 hervorgeht. Das bedeutet ein erneutes Wachstum von 1,6 Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr. Es ist jedoch kein Zufall, dass gerade Berlin von Gründerinnen und Gründern bevorzugt gewählt wird. Denn die Hauptstadt hat für Startups einiges zu bieten…

Zwischen IT und Innovation: Gründerszene in Berlin

Um zu verstehen, was Berlin für Gründer so attraktiv macht, ist es wichtig, einen Blick auf die Art der Startups zu werfen, die sich dort bevorzugt ansiedeln. Zwar gibt es Startups aus beinahe allen denkbaren Branchen, doch die Anzahl an IT-Unternehmen überwiegt deutlich, wie ein Blick auf die Zahlen beweist: Durchschnittlich alle 20 Stunden wird in Berlin ein neues IT-Unternehmen gegründet – Tendenz steigend.

Die Digitalbranche wächst daher seit Jahren rasant und etwa jeder achte Job, der in der Hauptstadt neu entsteht beziehungsweise ausgeschrieben wird, befindet sich in einem entsprechenden Tech-Startup. Dementsprechend lang ist auch die Liste an bekannten Namen von Unternehmen, die sich mittlerweile am Markt etabliert haben, aber einst in Berlin als Startup begannen: Immobilienscout24, brands4friends, DaWanda, Zalando, Soundcloud oder Sofatutor sind dafür nur einige von vielen Beispielen. Aber wieso gerade Berlin?

Ein Grund ist die hohe Anzahl an finanziellen Möglichkeiten, die in der Hauptstadt für Startups geboten sind. Denn hier sitzt eine Vielzahl an Investoren, Förderprogammen, Accelerators und weiteren Institutionen, die bei der Gründung eines Unternehmens hilfreich sein können. Ob diese zuerst da waren und deshalb die Startups kommen, oder ob sie nur der Szene folgen und sich deshalb in Berlin niederlassen, ist ein klassisches Ei-Henne-Problem – niemand weiß das mit Sicherheit. Fakt ist aber, dass sich vor allem in der Tech-Szene alles, was Rang und Namen hat in Berlin trifft. Wer also Rang und Namen erlangen will, kommt mit großer Wahrscheinlichkeit ebenfalls nach Berlin.

Die wichtigste Ressource sitzt in Berlin: die Mitarbeiter

Dass so viele Startups bevorzugt in Berlin gründen, liegt auch an der großen Auswahl, die es dort bezüglich der Mitarbeiter gibt; und zwar unabhängig von der Branche. Denn gute Mitarbeiter sind die wichtigste Ressource für Unternehmen, jedoch haben Startups es oftmals schwer, sich gegen die Konkurrenz zu behaupten.

In Berlin ist die Auswahl aber groß genug, dass quasi jeder fündig wird und einige der klügsten Köpfe sitzen in der Hauptstadt, von denen junge Unternehmen als interne oder externe Mitarbeiter nur profitieren können. Auch hier stellt sich also eine Win-Win-Situation ein: Wer Mitarbeiter sucht, kommt nach Berlin – und wer einen Job sucht, wird ebenfalls in Berlin fündig. In vielerlei Hinsicht scheint sich der Sog von Berlin auf Startups also zu verstärken, je größer das Netz dort Jahr für Jahr wird.

Was macht Berlin sonst noch so attraktiv?

Natürlich sind es aber nicht nur berufliche beziehungsweise wirtschaftliche Entscheidungen, die Menschen nach Berlin locken, darunter auch Gründerinnen und Gründer. Denn die Hauptstadt bietet eine hohe Lebensqualität bei vergleichsweise geringen Lebenshaltungskosten. Es ist daher häufig auch eine private Entscheidung, in Berlin wohnen und gründen zu wollen.

Da es gerade freiheitsliebende und kreative Menschen sind, die sich mit diesem Leben in der Hauptstadt anfreunden können, sind es eben auch jene Gründerpersönlichkeiten, die sich dort in gehäufter Anzahl finden. Zudem profitieren sie bei ihrem Startup von verschiedenen Abgeboten wie Co-Working-Spaces, die gerade zu Beginn der Selbständigkeit eine günstige Alternative für eigene teure Firmenräumlichkeiten darstellen können.

Zuletzt findet ihr in Berlin natürlich Hilfe bei quasi sämtlichen Themen, die als Gründerin beziehungsweise Gründer relevant sind. Zahlreiche Hilfestellungen rund um die Selbständigkeit machen oft einen entscheidenden Unterschied. Denn als Chef oder Chefin eines Startups ist es notwendig, sich umfassend um Themen wie Abfallentsorgung, das Rekrutieren passender Mitarbeiter oder auch der eigenen finanziellen Absicherung zu kümmern. Gerade für letzteres sind Selbständige nun selbst verantwortlich.

Statt der üblichen Sozialabgaben müssen nun für die spätere Rente, den Fall einer Arbeitsunfähigkeit oder die Krankenvorsorge eigene Maßnahmen getroffen werden. Der Vorteil ist allerdings, dass es dabei wiederum mehr Auswahlmöglichkeiten gibt. Die Krankenversicherung ist hierfür ein wichtiges Beispiel, denn eine private Vorsorge ist für Selbstständige oftmals die bessere Wahl statt der gesetzlichen Krankenversicherung. In Berlin profitiert ihr dabei von einem erstklassigen Preis-Leistungs-Verhältnis, einer persönlichen Beratung und einer hervorragenden medizinischen Versorgung im Allgemeinen – wie sie in vielen anderen, vor allem ländlichen, Regionen von Deutschland nicht geboten sind. Auch deshalb können private Belange für die Entscheidung beinahe ebenso wichtig sein wie jene aus der Gründerperspektive.

Berlin hat auch Schattenseiten; zumindest für Startups

Es gibt also viele gute Gründe, um mit dem Startup nach Berlin zu kommen. Das bedeutet aber nicht, dass die Hauptstadt das Nonplusultra für jedes Unternehmen ist. Denn durchaus hat Berlin auch einige Nachteile und das erklärt, warum eben doch auch viele Gründerinnen und Gründer lieber in Hamburg oder München ihr Glück versuchen. Einerseits steigt die Konkurrenz für Startups in der Hauptstadt stetig an, was es zunehmend schwierig macht, im „War for Talents“ zu bestehen. Durch den Fachkräftemangel könnte sich dieses Problem sogar in Berlin zukünftig verstärken.

Andererseits wird das Internet immer wieder bemängelt. Denn überraschenderweise hat Berlin die langsamste Verbindung im Vergleich aller deutschen Großstädte. Gerade in der Tech-Branche, die Berlin (bislang) so liebt, wird die Internetverbindung mittlerweile zu einem der wichtigsten Kriterien für die Standortwahl.

Holt Berlin diesbezüglich nicht bald auf, könnte es die Position als Spitzenreiter verlieren – und eben nicht mehr Hauptstadt der Gründer sein. Hinzu kommt die Bürokratie, die vor allem im ersten Gründungsjahr als hohe Belastung empfunden wird. Immer wieder wird daher der Ruf nach einer zentralen Anlaufstelle laut. 

Berlin ist europaweit nicht DIE Hauptstadt der Gründer

Einen Titel musste Berlin sogar bereits abgeben: Wenn es um die Investitionen geht, landet Berlin nur auf dem dritten Rang, allerdings im gesamteuropäischen Vergleich:

  1. Das meiste Geld in Startups floss im Jahr 2019 nach London.
  2. Auf dem zweiten Platz liegt Paris
  3. und erst auf dem dritten Rang Berlin.

Zugegeben: Innerhalb von Deutschland bleibt Berlin somit der Platz an der Spitze. Aber im Zuge der Globalisierung ist es mindestens ebenso wichtig, auch international bestehen zu können. Ansonsten werden immer mehr Startups kurz- oder langfristig in andere europäische Städte umziehen – zumal der Vorsprung von London bei den Investitionen bereits erheblich ist.

Hinzu kommt Konkurrenz aus den eigenen Rängen, denn Hamburg hat sich zum Ziel gesetzt, erneut Startup-Metropole zu werden, sowohl in Deutschland als auch international. Gleichzeitig müssen hohe Investitionen nicht immer auch ein hohes Maß an Innovation bedeuten. Mit kleinen, sinnvollen Neuerungen können Unternehmen genauso Erfolg haben.

Fazit

Fakt ist also, dass Berlin noch als Hauptstadt der Gründer bezeichnet werden kann, zumindest in Deutschland. Doch die Konkurrenz aus dem In- und dem Ausland wächst und durchaus hat Berlin an einigen Stellen noch Bedarf für Nachbesserungen. Es handelt sich also um keinen Titel, der für selbstverständlich genommen werden sollte; stattdessen wird sich Berlin in den kommenden Jahren anstrengen müssen, um ihn zu verteidigen.

Unterm Strich kann aber ein positives Bild gezeichnet werden, wenn es um Berlin und Startups geht. Denn die Startup-Szene der Hauptstadt ist einzigartig und zieht wie ein riesiger Magnet immer mehr neue Startups an, nicht nur aus Deutschland, sondern auch aus dem Ausland. Das wiederum zieht mehr Investoren & Co an, daraufhin kommen noch mehr Startups – und immer so weiter.

Es ist dieses einzigartige Ökosystem, mit dem zumindest bislang keine andere Stadt in Deutschland mithalten kann und die Berlin zur Hauptstadt der Gründer macht. Hinzu kommen die zahlreichen Argumente aus privater Perspektive, um als Gründerin oder Gründer neu nach Berlin zu ziehen; oder dort zu bleiben.


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.