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Max Giesinger über Wünsche, Träume, Yoga, die Liebe und Tiny Häuser

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Mit dem Hit „80 Millionen“ hatte Max Giesinger 2016 seinen Durchbruch – seither ist der süddeutsche Sänger aus der Radio-, TV- und Konzert-Landschaft nicht wegzudenken. In seinen neuen Songs und in unserem Interview gibt es einen Deep Dive ins „giesingerische Emotionszentrum“. Klingt spannend? Ist es auch!

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Max Giesinger stand der PRINZ-Redaktion Rede und Antwort

Als wir Max um elf Uhr morgens am Telefon erreichen, ist er gerade damit beschäftigt, den Tourbus zu packen und schon auf dem Sprung zur nächsten Konzert-Location. Zeit für uns hat er trotzdem und spricht lachend von seinen hervorragenden Multitasking-Fähigkeiten. Die braucht der erfolgreiche Sänger (aktuelle Single: „Der letzte Tag“) auch. Konzerte, Foto-Shootings, Interviews, TV-Auftritte und dazwischen noch etwas Privatleben. Bei ihm läuft es gerade richtig gut. Dabei waren die letzten Monate auch für ihn herausfordernd und eben so ganz anders, als sonst. Hier erfahrt ihr, was er daraus gelernt hat und was sonst so bei ihm geht …

Max, bei dir jagt gerade ein Konzert das nächste – Strandkorb Open Airs, Picknick-Konzerte – du bist ganz schön unterwegs! Wie ist es, nach der Corona-Auszeit wieder live zu spielen?

Total schön! Es macht richtig Spaß und ich merke immer wieder, dass ich den richtigen Job ausgewählt habe (lacht). Es sind ja nicht nur die Auftritte, die einem so viel geben, sondern auch das On-The-Road-Sein mit den Jungs. Ich kenne die meisten schon seit zehn Jahren. Die sind wie Family für mich. Auf Tour haben wir eine Tischtennisplatte dabei, die wir im Backstage-Bereich aufstellen. Da spielen wir dann den ganzen Tag, gehen an den Baggersee oder sitzen draußen und trinken ein Bier. Das ist wie Camping-Urlaub! Aber klar, vor allem, wieder auf der Bühne zu stehen und zu sehen, dass die ganzen Leute auch noch da sind – das ist mega. Du blickst in die lachenden Gesichter und merkst: Es ist einfach das Geilste, da oben zu stehen und die eigenen Songs zu singen.

Wie hast du die letzten eineinhalb Jahre erlebt? Ist es dir schwergefallen, nur zu Hause zu sitzen oder hast du die Zeit genutzt, um neue Ideen umzusetzen?

Zuerst habe ich die Zeit genutzt, um ein wenig aufzuatmen. Die Jahre davor waren richtig krass. Ich erinnere mich genau: Ich kam gerade von „Sing meinen Song“, wäre mit dem Flieger von Südafrika angekommen und direkt in den Tourbus gestiegen. Dann hieß es, es werden ein paar Shows abgesagt. Da dachte ich noch, dass das Thema in drei Wochen wieder durch ist. Darum fand ich es anfangs sogar recht entspannt. Einfach, weil ich mal wieder etwas runterkommen konnte. Dann kam es, wie es kam. Immer mehr Shows wurden abgesagt und die Lage wurde doch ziemlich besorgniserregend. Aber irgendwann dachte ich dann, hey, du musst jetzt das beste aus der Zeit machen. Ich habe neue Songs geschrieben, habe viel Tennis gespielt und neue Hobbies für mich entdeckt – zum Beispiel Yoga.

Und … kannst du Yoga empfehlen?

Man muss ein bisschen reinkommen und durch den ersten harten Monat durch, in dem man es irgendwie ätzend findet. Aber wenn es dann zur täglichen Routine wird, fehlt es einem eher, wenn man es mal nicht macht. Heute Morgen habe ich es zum Beispiel nicht geschafft. Da hatte ich keine Zeit, weil wir schon weitergefahren sind. Aber jetzt merke ich schon, dass es vom Wohlbefinden her etwas ganz anderes ist. 

Hattest du noch weitere Erkenntnisse in den letzten Monaten, die du mit uns teilen möchtest?

Ich war viel draußen an der frischen Luft, habe die Liebe zur Natur wieder entdeckt und für mich gecheckt, dass es mir wichtig ist, dass ich meine ein bis zwei Stunden im Grünen habe. Das gibt mir extrem viel. Ich habe versucht etwas selbstreflektierter aus der Sache herauszukommen und zu schauen, an welcher Schraube ich vielleicht ein bisschen nachjustieren muss. Mein Ziel ist es, eine gute Balance zwischen Privat- und Arbeitsleben hinzubekommen – und nicht mehr 200 Konzerte am Stück zu spielen oder dauerhaft „on the road“ zu sein. Zwei bis drei Termine am Wochenende und unter der Woche etwas Zeit für anderen Kram.

Sind dir bei deinen Auszeiten in der Natur die Ideen für deine jetzigen Songs gekommen?

Absolut. Zum Beispiel bei „Irgendwann ist jetzt“, dem ersten Track des neuen Albums, war das so. Da habe ich gedacht, ich muss das jetzt anpacken. Jetzt ist die Zeit da und ich kann nichts mehr darauf schieben, dass ich immer unterwegs bin. Dann sind Songs entstanden, mit denen ich in die Vergangenheit blicke. Ich habe familiäre Themen aufgegriffen. Zum Beispiel die Frage, warum man als erwachsener Mann noch immer mit Ängsten und Zweifeln herumrennt, die da eigentlich nichts zu suchen haben sollten. Darum geht es in „Meine Zweifel“. „In meinen Gedanken“ ist meiner Oma gewidmet. Und dann gibt es noch den ganz neuen Song, „Der letzte Tag“. Da geht es um ein Gedankenexperiment. 

Das klingt spannend …

Ist es auch. Es geht um die Frage: Was würdest du tun, wenn du morgens wüsstest, dass du nur noch 24 Stunden zu leben hast? Wie würdest du den Tag gestalten? Mit wem würdest du ihn verbringen? Was wirst du bereut haben, nicht getan zu haben? Ich glaube, dass dieses Gedankenexperiment viel mit einem macht und einem hilft, mehr zu selektieren, was eigentlich gerade die wichtigen Dinge im Leben sind. Und wo man gerade am Leben vorbeilebt. Und wo man sich vielleicht über Dinge aufregt, über die man sich eigentlich gar nicht aufregen sollte.

Du singst in diesem Song – „Der letzte Tag“ – auch die Zeile „Ich wünschte du wärst noch immer hier“. Verbindest du eine spezielle persönliche Erfahrung damit?

Da schwingen viele eigene Erfahrungen mit. Der Song ist in einer Phase entstanden, in der ich von einer Portugal-Auszeit Ende November 2020 zurückgekommen bin. In Portugal war inzidenzmäßig noch alles cool, hier in Deutschland befanden wir uns schon wieder im zweiten Lockdown. Ich kam da zurück von einer richtig geilen Zeit zurück – wir haben in einem Naturschutzgebiet an einer Klippe morgens Yoga gemacht, dann sind wir vier Stunden surfen gegangen. Und dann hockst du im tristen Deutschland – das zieht einem richtig die Energie raus. Da habe ich mich gefragt, ob wir aus dieser Misere alle etwas mitnehmen können. Ob wir gewisse Dinge danach wieder mehr zu schätzen wissen. Oder ob es einfach so weitergeht, wie bisher. Diese Gedanken sind herumgeschwebt. Unter anderem …

Welche weiteren Gedanken sind herumgeschwebt?

Natürlich gab es in den letzten Jahren auch ein bis zwei Frauen, bei denen ich gesagt habe, dass ich mir das mit der Person ganz gut ein paar Jahre vorstellen kann. Und dann hat doch der Fluchtmodus eingesetzt. Als Musiker bin ich eben auch viel unterwegs. Da kann einem die Vorstellung eines letzten Tages schon suggerieren, dass man mit der Person einen ziemlich coolen letzten Tag gehabt hätte. Dass man es im Nachhinein betrachtet vielleicht hätte eintüten können oder sollen, sozusagen.

Max in Aktion bei einem seiner Strandkorb Open Air-Auftritte

Das klingt, als wärst du nach fünf Jahren Single-Dasein bereit für eine neue Liebe. Bist du derzeit aktiv auf der Suche? Stichwort Tinder & Co. …

Nee, da werde ich ja immer direkt gesperrt (lacht). Mein Profil gibt es genau fünf Minuten, bis ich als Fake gemeldet werde. Es bringt mir aber auch nichts, auf den Sozialen Medien jemanden kennenzulernen und nur zu sehen, wie sich die Leute da darstellen. Ich bin eher der Real-Live-Typ. Es geht mir um das Zwischenmenschliche. Wie riecht jemand? Wie lacht die Person? Hat sie Humor? Da kann jemand noch so toll aussehen … 

In einem Interview hast du auch verraten, dass du dir vorstellen könntest, mit der richtigen Frau aufs Land zu ziehen. Ist das ein Wunsch, den du dir bald erfüllen möchtest?

Ja, das ist bei mir in der Corona-Zeit schon ein bisschen rausgeploppt. Diese Sehnsucht nach dem Land. Die ganzen Vorteile der Großstadt waren in den letzten Monaten ja weggefallen. Da kam bei mir der Wunsch auf, einen Garten und einen Hund zu haben. Aber ohne feste Beziehung zu einem Mädel, mit dem ich zusammen rausziehen könnte, würde ich mich wahrscheinlich recht schnell einsam fühlen. Ich bin schon ein Social Animal. Mir würden auch meine Kumpels fehlen, die in Hamburg alle im Umkreis von fünf Metern wohnen. Aber ich habe mir ein paar Tiny Häuser angeschaut. Sowas, 50 Kilometer raus – das würde ja schon reichen. Wenn man viel Platz hat, sammelt man auch viel Ballast an. Und man merkt, dass man das alles gar nicht braucht. 

Du warst vor Jahren mal mit dem Rucksack in Australien und Neuseeland unterwegs – ist das eine Erkenntnis, die du aus dieser Zeit mitnehmen konntest?

Ja. Das war eine geile Zeit! Manchmal denke ich tatsächlich darüber nach, das noch einmal zu machen. Als absoluter Nobody in einem Café als Barista zu arbeiten. Wer weiß … vielleicht erfülle ich mir diesen Traum noch.

Aber vorher gibt es noch ein paar Gigs und Open-Air-Konzerten zu absolvieren. Ist dieses Festival-Flair eigentlich etwas Besonderes für dich?

Draußen zu sein liebe ich ja sowieso, das in Kombination mit Musik ist hammermäßig. Dir weht ein laues Lüftchen um die Nase, die Sonne geht unter und es gibt diese hammermäßige Lightshow. Dann haben die Leute einen coolen Vibe, weil Sommer ist. Mega!

Dann bist du derzeit noch mit einem Akustik-Set unterwegs…

Ja, das passt einfach perfekt mit den Strandkörben, den Picknick-Decken und allem zusammen. Wir haben geile Instrumente dabei, das macht richtig Spaß. Da stehen wir dann auf der Bühne, hören das an und können es eigentlich kaum glauben, dass das aus unseren Fingern kommt. Da ist nichts Synthetisches. Es fühlt sich einfach sehr, sehr echt an und ich glaube auch, dass das bei den Leuten ankommt. Ein richtig schönes Set ist das!

Du warst inzwischen auch in vielen TV-Formaten zu sehen, teilweise als Jury-Mitglied. Steht in nächster Zeit wieder etwas Neues an?

In der Richtung steht gerade nichts an. Ansonsten kommt aber bald das neue Album, zu dem wir ja bereits vier Songs veröffentlicht haben. Alle Songs sind fertig und klingen wie sie klingen sollen – jetzt werden sie noch gemastert. Der Feenstaub kommt quasi drauf. 

Was hast du für ein Gefühl, wenn du die neuen Songs anhörst? Sind sie anders?

Tatsächlich habe ich dieses Mal ein anderes Gefühl. Man wird von Album zu Album älter. Die Themen werden andere, sie werden tiefer. Man beschäftigt sich mit sich. Ich würde sagen, dass die neuen Songs noch einen Ticken näher am giesingerischen Emotionszentrum sind.

Na, da sind wir doch mega gespannt auf das, was da noch kommt;). 

Vielen Dank für das Interview, Max!

Die nächsten Termine der aktuellen Tour

  • 5. September: Strandkorb Open Air – Berlin/Hoppengarten
  • 9. September: Strandkorb Open Air – St. Wendel/Bostalsee
  • 11. September: Stars am Strand – Timmendorf Strand
  • 12. September: Zelt Festival Rhein-Neckar – Mannheim
  • 13. September: Gilde Parkbühne – Hannover

Weitere Infos

http://www.maxgiesinger.de


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