The Sunset Marquis“, Los Angeles – die Absteige der Rockstars. Im Poolzimmer der Präsidentensuite mit bestem Blick auf die Badenixen bittet Chester Bennington (36) zum Gespräch – in Topform und bester Laune.

PRINZ: Wie kommt es, dass du jetzt Schauspieler bist, etwa im Film „Saw 3D“?
CHESTER: Das war immer mein Traum. Daher war das Singen auf der Bühne für mich nie ein Problem. Aber als Schauspieler bezeichne ich mich nicht – dafür habe ich zu viel Respekt vor dieser Form von Kunst.

PRINZ: Ist das das Ende von Linkin Park?
CB: Auf keinen Fall! Ich weiß sehr wohl, was ich an dieser Band habe. Ohne sie würde ich wohl immer noch Burger verkaufen.

PRINZ: Ihr habt über 50 Millionen Alben verkauft. Was macht man mit so viel Geld?
CB: Alimente zahlen.

PRINZ: Wie bitte?
CB: Ich habe sechs Kinder und eine Ex-Frau. Die wollen alle leben, und dann wartet noch das College.

PRINZ: Reichen die sechs?
CB: Mir nicht – wenn meine Frau mitspielt. Solange ich nicht durch Afrika reise, um irgendwelche Waisenkinder zu adoptiern. Kinder-Shopping finde ich bedenklich.

PRINZ: Jetzt hast du dir deine Filmkarriere ruiniert!
CB: Kritik stößt den Leuten meist übel auf. Vor allem solchen, die Geld haben.

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PRINZ: Sagt der Mann mit der Designermarke Ve’cel mit T-Shirts ab 50 Dollar.
CB: Eigentlich sollte das Merchandise für meine Tätowierstudios „Club Tattoo“ sein, aber ich habe mich gegen Massenproduktion entschieden. Wir setzen auf originelle Designs und produzieren alles hochwertig in den USA.

PRINZ: Die gesamte US-Rockszene scheint bei „Club Tattoo“ Kunde zu sein.
CB: Es läuft richtig gut. Ich habe vier Läden in Arizona und einen in Las Vegas – ein richtiges Schmuckstück.

PRINZ: Und Berlin folgt?
CB: Den Plan gibt es – Zeitdruck nicht. Ihr bekommt einen super Tätowierladen!

PRINZ: Bist du mittlerweile ein Geschäfts-Tycoon?
CB: Ich hoffe nicht! Ich möchte meine Möglichkeiten nutzen, mich kreativ austoben und mich nicht als reichsten Musiker feiern. Das finde ich anmaßend!

PRINZ: Wie lebt es sich als Rockstar mit einer Allergie gegen den eigenen Schweiß?
CB: Das ist so ein merkwürdiges Tour-Phänomen. Der Körper rächt sich für das, was du ihm antust. Allerdings neige ich auch zu den verrücktesten Unfällen und Krankheiten.

PRINZ: Was meinst du?
CB: Ich habe mir eine Rippe gebrochen, als ich mit meinen Kindern mit Stofftieren gespielt habe. Mir passiert immer etwas – als würde mich ständig ein kleines Monster verfolgen, das mir Streiche spielt.

PRINZ: Haben deine Auszeichnungen einen speziellen Platz?
CB: Früher hatte ich eine Wand dafür – ein überwältigender Anblick. Aber mittlerweile sind die alle eingelagert, und meine Familie hat die Wand übernommen. Die Insignien meines Erfolgs wurden von den Fotos meiner Kinder verdrängt.

PRINZ: Was war der schrägste Name, unter dem du je im Hotel eingecheckt hast?
CB: Das war „Rumple Foreskin“ – schrumpelige Vorhaut. Ob mir das inzwischen peinlich ist? Na klar, und wie!

Interview: Marcel Anders