Wenn man so will, dann ist Alex Day für die Musikindustrie so gefährlich, wie Johnny Rotten es vor 35 Jahren war. Die Sex Pistols waren jung, rebellisch, und sie verweigerten sich konsequent jeglicher Konventionen der Branche. Und sie waren so erfolgreich wie kaum eine andere Band ihrer Zeit. Wenn also Alex Day in seinem Leoprint-Shirt vor seinem Computer sitzt und frech verkündet: „Ich habe keinen Bock, immer dasselbe zu machen. Alle drei Monate eine Single für die Charts. Wen interessiert das denn? Mich nicht, ich weiß nicht mal, wer auf Platz 1 hier in England ist.“

Video-Tipp: „Good Morning Sunshine“ von Alex Day

Stattdessen macht er es wie bisher: Sein Erfolg gründet auf Selbstvermarktung – YouTube statt Plattenfirma, gute Songs, wann immer sie fertig sind, statt einem sicheren Album mit zwei Radiosingles pro Jahr. „Wie ich es sehe, gehören Alben der Vergangenheit an“, sagte er in einem Interview, was eine echte Kampfansage darstellt. Zwei erfolgreiche Songs hat er so schon bei iTunes verkauft, aber statt nun die dritte Single zu veröffentlichen und damit ein Album anzuschieben, setzt er auf die Verweigerung aller Erwartungen: „Deswegen veröffentliche ich gleich drei Singles auf einmal. Die müssen über den Sommer reichen. Da alle drei unterschiedlich sind, ist aber für jeden was dabei. Haupt sache, es macht Spaß!“ Das ist gewagt und genial zugleich. Und es irritiert die Plattenfirmen. Fehlt nur noch, dass Alex Day bald „God Save the Queen“ singt.