Auf dem Gelände des ehemaligen Berliner Flughafens Tempelhof und im Club XBerg am Spreeufer tummelten sich am 7. und 8. September 2012 20.000 Musikbegeisterte und mehr als 70 Live-Acts. Neben erfolgreichen Indie-Urgesteinen wie die Killers, Franz Ferdinand, Sigur Rós und Tocotronic begeisterten namenhafte Electro-Acts wie Metronomy, Junior Boys und Totally Enormous Extinct Dinosaurs die mit Glitzer und Jutebeuteln geschmückten Festivalbesucher.

TAG 1: FREITAG, 07.09.2012


Zu früh: Of Monsters And Men

Für uns begann der Festival-Freitag mit dem Auftritt von Of Monsters And Men. Die Isländer, die mit ihrem folkigen Indie-Pop gerade durch die Decke gehen, verbreiteten zwar gute Laune, richtig mitreißen konnten sie aber nicht. Es war einfach noch zu früh.


Durchgeknallt: Friends

Später bei Friends sah das alles schon ganz anders aus. Energiebündel und Sängerin Samantha Urbani tanzte mitten im Publikum, faselte freudig-erregt wirres Zeug und juchzte hin und wieder ins Mikrophon. Sich davon nicht anstecken zu lassen, war kaum möglich.

Rotzig: Kate Nash

Ein bisschen irritierend war der Auftritt von Kate Nash. Punk-Göre statt Everybodys Darling? Irgendwie passte das Bild der süßen Sängerin nicht mit der Realität zusammen. Oder hat die Londoner Pop-Prinzessin mit dem niedlichen Akzent etwa eine heimliche, wilde Zwillingsschwester?


In Bestform: Tocotronic

Stilsicher, selbstbewusst und völlig entspannt betraten die Jungs von Tocotronic die Hauptbühne. Ein Hit folgte dem anderen. Zwar wirkten die Stücke manchmal ein bisschen emotionslos heruntergespielt, toll war’s aber trotzdem.


Überzeugend: Grimes

Von Grimes hört man in letzter Zeit viel – da konnten wir uns die Show der 24-jährigen Kanadierin natürlich nicht entgehen lassen. Mit ihrem Synthie-Pop und engelsgleichem Gesang berauschte sie die Festivalbesucher. Uns übrigens auch, deshalb präsentiert PRINZ die Grimes-Deutschland-Konzerte Ende November.

Freitag-Abend-Highlight: Sigur Rós

Das große Highlight des ersten Festivaltages war der Auftritt von Sigur Rós. Pünktlich zum Einsatz des Regenschauers betraten die Isländer die Bühne und bescherten dem Publikum mit ihrem sphärisch-melancholischen Postrock und Jónsis einzigartigem Falsettgesang ordentlich Gänsehaut. So schön!


Rampensäue: The Killers

Sigur Rós sind zwar genial, aber keine typische Headliner-Band, die zu ausgelassenen Ringelpietz-Tänzen animiert. Da musste noch ein Knaller kommen, eine Band wie eben die Killers. Auch wenn die Briten ihren rotzigen Rock scheinbar gegen schlagereske Popmusik eingetauscht haben – ihren Schmiss bei Konzerten haben die Killers nicht verloren. Gute Liveband!


Mitreißend: Metronomy

Der nächtliche Ausflug vom Flughafen-Gelände zum Club XBerg war zwar mühselig, zahlte sich aber spätestens beim Betreten der Arena aus. Denn: Die Electro-Pop-Band Metrononmy ist nicht nur auf Platte gut! Wer obendrein auf gutaussehende Schlagzeugerinnen steht, ist den Briten sowieso im Nu verfallen!


Das war Tag Eins des Berlin Festivals 2012. Wie der Samstag verlief, lest ihr auf der nächsten Seite. Mit dabei: Cro, Kimbra, Franz Ferdinand und viele mehr.
TAG 2: SAMSTAG, 08.09.2012


Lahm: Cro

Viel Hype um nichts: Der Auftritt des hochgelobten Rappers Cro war einfach nur langweilig. Hier ein gutes Sample, da ein guter Moment, aber insgesamt einfach ein schwaches Konzert. Sollte das ein Omen für den Festival-Samstag sein? Da sind wir doch lieber frühzeitig gegangen und haben uns stattdessen die Crocodiles angeschaut. Und siehe da, die waren richtig gut!


Aufgedreht: Kimbra

Kimbra ist schon eine verrückte Göre. Im seidenen Glitzer-Tutu turnte sie am späten Samstag Nachmittag auf der Bühne von A nach B und gab ihren Soul- und Jazz-inspirierten Gesang zum Besten. Nicht schlecht, aber auch nicht Jedermanns Sache.

Wundervoll: First Aid Kit

Eigentlich waren WhoMadeWho so gut, dass es äußerst schwer fiel, sich von ihnen loszureißen. Zum Glück ist es uns gelungen, denn hätten wir die bezaubernden schwedischen Schwestern First Aid Kit verpasst, wäre das sehr ärgerlich gewesen. Die Songs der gerade mal 21- und 18-jährigen Schönheiten waren so überraschend sanft und kraftvoll zugleich, dass einem nichts anderes übrig blieb, als die beiden Mädchen träumend anzuschmachten.

Öde: Iamamiwhoami

Über Bandnamen lässt sich ja streiten. Der des schwedischen Electro-Projekts Iamamiwhoami ist so speziell, dass er partout nicht im Kopf bleiben will. Leider steht es um den Auftritt der Band beim Berlin Festival ähnlich: Mit ihrem verrückten Fussel-Kostüm, den komplett in weiß-gekleideten Bandkollegen und dem großen Quader auf der Bühne stechen Sängerin Jonna Lee und Band zwar optisch heraus, musikalisch konnten sie uns aber nicht überzeugen.

Bombastisch: Franz Ferdinand

Franz Ferdinand haben zwar schon seit 2009 kein Album mehr veröffentlicht und sind deshalb ein bisschen von der Bildfläche verschwunden, ihre Konzerte sind aber nach wie vor umwerfend. Klar, bei so vielen Hits ist es den Glasgower Jungs auch ein leichtes, ein paar gute Songs aus der Tasche zu zaubern und das Publikum zu begeistern.


Überraschend: SBTRKT

Die Band SBTRKT, die man eigentlich Subtract ausspricht, war der Überraschungsact des Festivals. Mit ihren entspannten Beats und witzigen Synthie-Dub-Sounds haben sie uns ganz unerwartet fasziniert. Toll!

Elektrisierend: Totally Enormous Extinct Dinosaurs

Nach einem so langen Festival-Wochenende bildeten die Shows der Junior Boys und des Jungspunds Orlando Higginbottom alias Totally Enormous Extinct Dinosaurs den krönenden Abschluss für uns. Zwar lässt sich darüber streiten, ob so ein junger, gutaussehender Kerl wie Higginbottom wild herumzappelnde Frauen am Bühnenrand braucht, aber es sei ihm verziehen. Schade nur, dass er sein Indianer-Kostüm nicht dabei hatte.

FAZIT
Insgesamt war das Berlin Festival 2012 ein schönes Ereignis an einem charmanten Ort und definitiv einen Abstecher in die Hauptstadt wert. Gemütlichkeit kam zwar in der Betonwüste ein bisschen zu kurz (und was bitteschön hatte das Bullenreiten dort verloren?), aber wir wollen mal nicht so kleinlich sein. Berlin, wir sehen uns nächstes Jahr wieder!

Anika Haberecht