Es beginnt als wunderschöne Lovestory: Die hübsche Britin Anna studiert in Kalifornien und lernt dort den angehenden Möbeldesigner Jacob kennen. Die beiden verknallen sich so sehr, dass Anna beschliesst, ihr Studentenvisum zu überziehen und den Sommer mit Jacob zu verbringen. Der Rausch, in dem sich die beiden befinden, ist dabei für den Zuschauer auf geradezu ansteckende und sehr sinnliche Weise nachfühlbar. Dann muss Anna zurück nach Großbritannien. Die Liebe der beiden beflügelt auch deren Phantasie – und das gibt für beide einen beruflichen Schub: Jacobs Geschäfte florieren, Anna wird der Liebling ihrer Chefredakteurin. Als sie nach langen Monaten zu Jacob in die USA zurückkehren will, verweigert man ihr die Einreise wegen ihres Visumvergehens. Was nun folgt, ist eine qualvolle Geduldsprobe, ein jahrelanger Kampf, wieder auf Dauer zusammen zu finden: Die unabhängigen Karrieren erschweren die Lage, und natürlich tauchen im Alltag der beiden Getrennten irgendwann auch neue Liebhaber auf… Ohne alle Mainstream-Klischees erzählt „Like Crazy“ vom Auf und Ab der Gefühle der beiden. Und dabei entsteht auch ein Porträt einer globalisierten Generation, die ganz professionell und cool ist – und doch ganz unreif wenn unkalkulierbare und zwiespältige Gefühle sich Bahn brechen. Dabei kommt der Zuschauer den Protagonisten in jeder Phase nah – auch dank der hervorragenden Hauptdarsteller: Die Britin Felicity Jones bekam für ihre Interpretation der Anna zurecht diverse Preise. Und Anton Yelchin (Mister Chekov aus der Neuverfilmung von „Star Trek“) zeigt auch hier wieder seine Fähigkeit, in einem Moment von umwerfendem Charme zu verstörender Zerrissenheit wechseln zu können. „Like Crazy“ ist eine Wohltat gegen all die überflüssigen Beziehungskomödien, die sonst allzu leicht den Weg auf die Leinwand finden.
Michael Schömburg