Sie sind eine Band der Superlative: Über 100 Millionen verkaufte Alben, Konzerte in den größten Arenen der Welt sowie – fast noch wichtiger – eine wahre Flut an Merchandise-Artikeln. Die gehen weit über das obligatorische Sammelsurium aus T-Shirts, Kaffeetassen, Schlüsselanhängern und Kugelschreibern hinaus. Die Herren in Make-up und Glitzerkostümen mögen Hits wie „I Was Made for Lovin“ You“, „Rock“n“Roll All Nite“ oder „Beth“ geschrieben haben, die noch auf jeder Ü30-Party laufen. Ihr wahrer Verdienst liegt eindeutig in der cleversten Selbstvermarktung der Musikgeschichte. Mit aktuell über 3000 Lizenzierungen des Bandnamens, wobei die Palette von Designerschmuck über Särge, einen Golfplatz bis hin zu Kreuzfahrten reicht.

„Es ist ein Imperium“, sagt Chef-Stratege und Bassist Gene Simmons mit genüsslichem Lächeln. „Dabei waren wir vor 40 Jahren einfach nur vier Idioten, die auf den Straßen von New York abhingen und keine Ahnung hatten, wie die Welt funktioniert. Wir haben 75 Dollar pro Woche verdient“, erzählt er, „und wir dachten, das wäre das beste Leben, das man sich vorstellen kann. Einfach, weil wir nicht von 9 bis 17 Uhr arbeiten mussten wie jeder andere. Aber jetzt haben wir all das – und es wird immer mehr.“ Kiss haben gerade ihr neues Album „Monster“ herausgebracht. Und Simmons, den PRINZ vor einem Konzert in Tacoma im US-Bundesstaat Washington trifft, hat auch im fortgeschrittenen Rockstar-Alter noch viele Ideen, die er euch hier vorstellt.

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CAFÉ
Myrtle Beach in South Carolina ist so etwas wie der US-Ballermann. Da dürfen Kiss nicht fehlen – mit einem bandeigenen „Coffeehouse“, in dem es laut Gene „den besten Kaffee der Südstaaten gibt“. Ebenfalls auf der Karte: „Nothing To Lose Nachos“ und „Firehouse Chili“.

BUCH
„Es kommt immer auf die Größe an“, was Simmons nicht nur auf seine Zunge und Genitalien bezieht. „Monster“, ein Buch über 40 Jahre Kiss, das über 25 Kilo wiegt, aufgeklappt 1,70 Meter misst und selbstredend portofrei und signiert auf einem Stativ geliefert wird. Preis: 4000 Dollar!

KREUZFAHRT
Ende Oktober bitten Kiss zum 2. „Kiss Kruise“: eine 5-Tages-Schiffsfahrt für echte Fans, bei der die Band selbst an Bord ist. Und es sich nicht nehmen lässt, in allen möglichen Konstellationen aufzutreten. Elektrisch, akustisch, mit Make-up und ohne. Greatest Hits und Raritäten! Preis: 700 bis 3000 Euro.

TV-AUFTRITTE
Seth MacFarlane, Erfinder von „American Dead“ und „Family Guy“, ist ein Genie – auch in Sachen Marketing. Sein neuester Streich: ein Deal mit Kiss, die schon seit Jahren in seinen Animationsserien auftauchen. Tassen, T-Shirts und Poster mit den geschminkten Gesichtern von Familie Griffin werfen für die Macher der Serie und die Band so einiges ab.

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SARG UND URNE
Der Herr gab es, der Herr nahm es – und auch da verdienen Kiss mit. Der Stahlsarg für 3000 Euro erfreut sich großer Beliebtheit. Mit dem Logo und den Gesichtern der Idole beerdigt zu werden ist laut Simmons ein Traum: „Das ist wie bei den Pharaonen.“ Die Kiss-Urne ist da mit ca. 600 Euro deutlich billiger.

MINIGOLFPLATZ
Der Kiss-Minigolfplatz in Las Vegas eröffnete 2012 stilecht mit Playmate auf der Bahn. Eine Runde mit 18 Löchern kostet 10 Euro, kann aber noch entsprechend „gepimpt“ werden. Etwa mit Erwerb von diversen Premium-Paketen, die Backstagepässe, T-Shirts, Souvenirfotos, einen Fake-Tourmanager sowie Rubbeltattoos enthalten. Perfekt für Kindergeburtstage und mehr.

HELLO-KITTY-PUPPEN
Die weiße Katze mit der roten Schleife ziert 50000 Produkte und wirft einen Jahresumsatz von einer Milliarde Dollar ab. Nun auch in Zusammenarbeit mit Kiss, was sich nicht nur in geschminkten Katzen auf Tassen und Bleistiften niederschlägt: Es gibt sogar Toilettenpapier. Aber leider nur in Japan.

KAPELLE
Der Kiss-Fan heiratet in der „Kiss Wedding Chapel“. Der Altar ist ein Nachbau der „Love Gun“-Konzertbühne von 1977 inklusive Kunstnebel, Lichtshow, Konzerttickets als Einladungen und einem kleinwüchsigen Priester in Kiss-Montur. Die magischen Worte sind hier: „I was made for loving you – and you were made for loving me“. Natürlich ist auch ein Gene-Double als „Pastor“ erhältlich.