Es war wenig, was Carly Rae Jepsen von anderen Teilnehmern der Casting-show „Canadian Idol“ unterschied. Sie sang Songs von Queen und Dido, belegte einen respektablen dritten Platz und veröffentlichte mit „Tug Of War“ ein eigenes Album, das sich mäßig verkaufte. Drei Jahre passierte dann wenig. Im Jahr 2011 sollte sich das schlagartig ändern! Jepsen schrieb gerade an neuen Songs: „Ich saß mit zwei Freunden zusammen, und wir machten diesen Song. Wir dachten, wir sollten aus dem Folksong mal eine Popnummer machen.“ Das Lied trägt den Titel „Call Me Maybe“ und hat das Leben der 26-Jährigen komplett verändert.

Video-Tipp: „Call Me Maybe“ von Carly Rae Jepsen

Den Rest der Geschichte hätte Disney sich nicht besser ausdenken können: Justin Bieber und Freundin Selena Gomez hören den Song im Radio und sind verrückt danach. Sie verleihen ihrer Begeisterung bei Twitter Ausdruck und stellen bei You-Tube ein Video zu dem Song ein. „Call Me Maybe“ wird zum Hit, geht in 29 Ländern in die Top 10 und in 19 direkt auf Chartplatz 1. Darauf angesprochen, muss Jepsen lachen: „Natürlich will man immer, dass Leute die Songs mögen, die du raus bringst. Aber das dabei so etwas rauskommt, kann ja nun wirklich niemand ahnen!“ Ihr neues Album Kiss ist ein lupenreines Popalbum geworden: catchy, tanzbar, eingängig. Wo sind ihre Folk-Wurzeln geblieben, wo ist das Mädchen, dass ihren selbst geschriebenen Song performte, als sie das erste mal vor die Jury von „Canadian Idol“ trat? „Es ist die Art, wie man Geschichten erzählt“, erklärt Jepsen „das Storytelling habe ich mir erhalten und wende es nun einfach auf Popmusik an.“ Jetzt spielt sie bei den Großen mit, ist auf dem gleichen Label wie Justin Bieber, der nicht müde wird, sie bei jedem öffentlichen Auftritt als seine Lieblingssängerin zu bezeichnen. Keine schlechte Schützenhilfe. Wird ihr nun reingeredet? „Ich darf alles selbst machen, was oft richtig anstrengend ist. Doch wer will sich beschweren?“ Und wenn es mal haken sollte, kann Justin Bieber sicher helfen.

CD-Kritik:
Der Hit „Call Me Maybe“ ist ein guter Vorgeschmack darauf, wo die Reise auf „Kiss“ hingeht: fluffiger Pop, unterlegt mit griffigen, tanzbaren Beats. Dazu gibt es prominente Gastbeiträge von Owl City beim Song „Good Time“ und Justin Bieber bei „Beautiful“. Kein Zweifel, dass „Kiss“ richtig einschlagen wird.