Die ersten Wochen des neuen Jahres sind rum – konntet Ihr Eure guten Vorsätze umsetzen?
Antony: Ich hab‘ den ganzen Januar über nichts getrunken und möchte das auch noch weitere zwei Monate durchhalten. Ich gehe gerne feiern, also ist das ganz schön schwierig für mich.
Duncan: Ich hab‘ letztes Jahr zwei Monate ohne Alkohol geschafft.
Lee: Bei mir war’s das komplette Gegenteil, ich hab‘ mich total betrunken.
Duncan: So schlimm war es gar nicht, meistens bist du stattdessen ins Fitnessstudio gegangen.
Lee: Das stimmt, ich hab‘ meine Energie ins Gewichtheben gesteckt. Das setzt eine ganze Menge Endorphine frei.

Wie fühlt es sich an, nach so langer Zeit wieder als Band unterwegs zu sein?
Simon: Es ist aufregend! Die ganze Industrie hat sich verändert, vor allem durch die Social Networks. Daran mussten wir uns erst gewöhnen, denn vor zehn Jahren war der Kontakt mit den Fans noch viel indirekter. Aber wir nutzen jetzt auch alle Twitter, zum Beispiel als Band unter @officialblue.

Ist es ein großer Unterschied, eine Boyband Anfang der 2000er und heutzutage zu sein?
Lee: Ja, sehr!
Duncan: Blue hat sich sehr verändert. Wir haben immer noch das Stigma einer Boyband anhaften, aber wir sind jetzt viel mehr eine richtige Band als noch 2001. Wir treten gerne live auf, singen Akustik-Nummern und versuchen, uns die typischen Dance-Moves zu verkneifen. Wir konnten sowieso nie gut tanzen.

Glaubt Ihr, dass es Boybands geben wird, die so lange auf der Bühne stehen werden, wie die Rolling Stones?
Lee: Ich denke schon. Es gibt ja zum Beispiel Earth, Wind and Fire. Die waren ja auch erst so eine Art Boyband. Was uns betrifft: Wir haben einen Pakt geschlossen, dass wir so lange weitermachen, bis es sich nicht mehr richtig anfühlt. Aber ich habe momentan nicht das Gefühl, dass wir wieder aufhören werden.
Simon: Der Job hält dich fokussiert. Die meisten Menschen glauben, dass unser Job einfach ist, aber wir arbeiten von morgens bis abends wirklich hart. Es ist ein Traum von uns, noch die nächsten 20 Jahre weiter zu machen, aber das wird die Zeit zeigen.

Ihr wart lange Zeit verschwunden, bevor Ihr 2011 für Großbritannien beim Eurovision Song Contest in Düsseldorf angetreten seid. Wie kam es dazu?
Duncan: Wir haben uns 2005 getrennt und wollten ein knappes Jahr Pause machen. Daraus wurden dann sogar sechs Jahre – mit Ausnahme von einem Charity-Auftritt 2009. Die BBC hat uns für den ESC angefragt und wir hielten das für einen tollen Anlass, um unser zehnjähriges Jubiläum zu feiern. Daraus resultierte dann ein Plattendeal mit Universal Deutschland und letztendlich unser neues Album. Es hat sehr lange gedauert, aber wir wollten es diesmal richtig machen. Wir waren sehr unzufrieden mit den Umständen in der Musikbranche. Damals haben wir 18 Millionen Platten verkauft und uns gefragt, wo das Geld geblieben ist, denn wir haben es nicht bekommen. Jetzt haben wir unsere eigene Plattenfirma „Blueworld“ und die Rechte an Universal lizensiert.
Lee: Dadurch haben wir mehr Kontrolle. Wir machen nicht wegen des Geldes Musik, sondern weil wir Freunde sind und gerne als Band zusammenarbeiten. Aber uns wurden die Augen geöffnet, wie naiv wir früher waren. Es war, als ob man nach einer fünfjährigen Beziehung herausfindet, dass der Partner einen betrogen hat. Das macht einen krank und man lernt daraus, dass man so etwas nie wieder durchmachen möchte.
Simon: Das ist eine gute Allegorie, ich fühle deinen Schmerz.
Lee: Da ist Intelligenz in meinem Kopf, es raschelt nur etwas da oben.
Duncan: Wir möchten jetzt einfach das Business verstehen. Wir hatten früher keine Ahnung, was hinter den Kulissen von Blue passiert ist. Wir waren jung und geblendet vom Erfolg und Glamour des Showbiz.

Ihr habt letztes Jahr eine Greatest Hits-Tour durch Asien gemacht. Performt Ihr immer noch gerne Eure alten Songs oder freut Ihr Euch, sie bald durch neues Material zu ersetzen?
Lee: Ich freue mich darauf, sie zu ersetzen.
Antony: Die alten Songs haben uns groß gemacht, daher werden wir sie immer wertschätzen. Aber wir sehen gerne die Reaktion der Fans auf die neuen Stücke und möchten uns weiterentwickeln.
Lee: Außerdem haben sich unsere Stimmen verändert. Wir singen jetzt auch die alten Lieder anders.
Simon: Unsere Stimmen klingen erwachsener. Wir haben vor kurzem unsere erste Acapella-Aufnahme von vor zehn Jahren gehört. Damals dachten wir: „Wow, das klingt super!“ Aber heute denken wir eher: „Das klingt ganz schön schwach, wie der Gesang von Jungs“.

Auf der nächsten Seite: Blue über ihre Zusammenarbeit mit Matthias Schweighöfer und ihren liebsten Filmsongs.


Eure neue Single „Hurt Lovers“ ist Teil des Soundtracks von Matthias Schweighöfers Film „Schlussmacher“. Wie kam es zu der Zusammenarbeit?
Lee: Matthias kannte uns und hat gefragt, ob wir bei seinem Film dabei sein wollen. Es war wirklich toll, ihn zu treffen. Er hat sogar beim Musikvideo zur Single Regie geführt und hatte großen Einfluss auf unser Comeback in Deutschland.
Duncan: Er ist ein toller und talentierter Kerl! Es ist sehr hilfreich, einen so großen Star in Deutschland zu kennen, der uns unterstützt.
Lee: Wir schreiben ihm ständig und fragen, wie ihm das Album gefällt und er kann sich nicht entscheiden, welches sein Lieblingslied ist. Er hat schon mit Tom Cruise gearbeitet, deshalb stelle ich mir gerne vor, wie er ihm unser Album vorspielt und der zeigt es dann Steven Spielberg und so weiter. Das wäre zumindest großartig.

Wenn ihr an die Handlung von „Schlussmacher“ denkt: Meint Ihr, es gibt einen fairen Weg, eine Beziehung zu beenden?
Simon: Na klar, Facebook und Twitter! (lacht)
Antony: Ich würde zumindest keine Agentur dafür beauftragen, das ist schwach. So etwas sollte man persönlich machen.
Lee: Nein, lieber per SMS oder Twitter. So kann man auch gleich den gemeinsamen Freunden und der Familie Bescheid sagen, das nimmt der Ex eine Menge Arbeit ab. Und die Freunde können retweeten, das ist praktisch.
Duncan: Facetime wäre ein guter Kompromiss.
Simon: Es gibt doch diesen Film mit Matthew McConaughey („Der Womanizer“, Anm. d. Red.), wo er mit mehreren Freundinnen gleichzeitig über Skype Schluss macht. Das ist ein guter Film.

Was für Filme habt ihr in letzter Zeit gesehen?
Antony: „Movie 43“, der schlechteste Film aller Zeiten. Ein toller Cast, aber die Handlung ist schlimm. Es macht einfach keinen Sinn.
Simon: Es gibt keinen Anfang, Mittelteil oder Schluss, sie haben einfach zusammenhanglose Szenen aneinandergereiht.
Antony: Ich weiß auch nicht, warum sie das gemacht haben. Ist der nicht von Richard Bransons Filmfirma?
Lee: Oh, perfekt. Ich wurde mal von Richard Bransons Party geschmissen, weil ich ihm mein Drehbuch zeigen wollte. Ich glaube, seine PR-Agentur hat sich aber letztendlich darüber gefreut, denn dadurch wurde überhaupt über die Feier berichtet.
Antony: Er war wie der Onkel auf der Hochzeit, der allen auf die Nerven geht. Das war so peinlich! Als ob Richard Branson sich für dein Drehbuch interessiert.
Lee: Er hat mir die Nummer seiner Assistentin gegeben, aber sie hat nicht zurückgerufen. Sie war wahrscheinlich beschäftigt.

Was sind Eure liebsten Filmsongs?
Lee: „My Heart Will Go On“!
Antony: Das ist eine gute Frage, das kommt darauf an.
Duncan: „Stand By Me“ und „Unchained Melody“ aus „Ghost“.
Lee: „She“s Like The Wind“ finde ich gut oder „Colorblind“ von den Counting Crows aus „Eiskalte Engel“. Das ist sowieso ein toller Film, da hätte ich gerne mitgespielt! Ich wollte immer dieses Auto haben.

Ihr hattet alle recht erfolgreiche Solo-Karrieren in den letzten Jahren. Warum wolltet Ihr gerade jetzt mit Blue weitermachen?
Antony: Es hat sich einfach richtig angefühlt.
Simon: Wir mussten zwischendurch unserer eigenen Wege gehen, um uns als eigenständige Künstler zu definieren. Aber danach findet man auch wieder seinen Weg zurück nach Hause. Und Blue ist unser Zuhause!
Lee: Ich glaube, wir haben ziemlich lange gebraucht, um uns als Menschen zu entwickeln. Und erst, als wir mit uns selbst im Reinen waren, war es an der Zeit, wieder zusammen zu kommen. Das hat uns als Band noch stärker gemacht.

Lee, Du hast vor kurzem gesagt, dass Du nie wieder solo auftreten möchtest. Woran liegt das?
Lee: Das bringt mir einfach keinen Spaß. Ich schreibe gerne Songs und veröffentliche sie, damit andere Menschen sie hören können. Aber das ganze Drumherum mit den Interviews und der PR-Arbeit ist mit Blue viel schöner als alleine. Ich möchte einfach nur bei Blue sein. Außerdem hat man so auch viel mehr Pausen bei Auftritten. Man singt vier Zeilen und kann sich dann zurücklehnen, den Fans zuwinken oder etwas trinken.

Duncan, Du bist im West End aufgetreten, hattest TV-Rollen und Moderatoren-Jobs. Ist das Schauspielern immer noch etwas, das Du Dir für die Zukunft vorstellen kannst?
Duncan: Ich liebe es! Schon als kleiner Junge wollte ich immer nur auf die Bühne, denn darin bin ich gut. Aber Blue wird immer oberste Priorität bei mir haben. Ich hab‘ sogar schon viele West-End-Anfragen für die Band abgelehnt. Wenn wir mit dem Schreiben des nächsten Albums fertig sind, habe ich vielleicht ein paar Wochen für Dreharbeiten oder Theaterauftritte frei. Aber Blue muss das Wichtigste bleiben, denn das haben wir beim letzten Mal falsch gemacht.
Lee: Blue ist das Wichtigste auf der Welt, darum dreht sich alles.

Auf der nächsten Seite: Blue über ihre unangenehme Begegnung mit P!nk und ihr neues Album „Roulette“.


Was war der unangenehmste Moment in Eurer Karriere?
Simon: Wir wurden mal live im Fernsehen gefragt, warum wir P!nk nicht mögen würden, dabei kannten wir sie nicht mal richtig.
Lee: Ich hab‘ sie damals gefragt, ob sie bei meinem Charity-Song „Stand Up As People“ mitmachen möchte. Erst war sie total nett und interessiert. Aber als sie hörte, dass ich zu Blue gehöre, hat sie den Liedtext weggeworfen und ist gegangen.
Simon: Dabei ist zwischen uns gar nichts vorgefallen. Es hat einfach keinen Sinn gemacht, denn wir hatten vorher noch nie mit ihr gesprochen. Das war wahrscheinlich der merkwürdigste Augenblick, den wir als Band erlebt haben.

Euer neues Album heißt „Roulette“. Was bedeutet der Titel für Euch?
Antony: Unser Comeback ist schon eine Art Glücksspiel für uns.
Simon: Ja, absolut. Wir haben wie gesagt einiges im Vergleich zu früher geändert und auch die Branche ist nicht mehr die gleiche. Wir wissen also nicht, wie wir mit unserem neuen Album ankommen werden. Jedes Mal, wenn du einen Song schreibst, gibst du ein Stück deiner Persönlichkeit preis und möchtest, dass es den Leuten gefällt. Es sind auch wieder einige schöne Liebeslieder auf dem Album, wie „Hurt Lovers“, „Broken“ oder „Risk It All“ und die Liebe ist schließlich auch ein Glücksspiel. Außerdem wollten wir einen Namen finden, der nicht der Titel eines Songs ist.
Lee: Aber vielleicht gibt es auch einen Hidden Track auf dem Album, der „Roulette“ heißt. Vielleicht aber auch nicht. Kauft Euch das Album und findet es heraus!

Auf Euren alten Alben ging es vor allem um die Liebe und darum, eine gute Zeit zu haben. Sind Euch diese Themen immer noch am wichtigsten?
Simon: Da hat sich kaum etwas geändert. Es geht immer noch um Beziehungen und darum, was wir oder Freunde von uns erlebt haben. Man sammelt Momente aus seinem Leben und macht daraus einen dreiminütigen Film. So nenne ich unsere Songs gerne, den wir wollen in der kurzen Zeit eine Geschichte erzählen und Bilder in den Köpfen der Menschen erzeugen. Darum geht es bei jedem Song des Albums und ich glaube, deshalb ist es auch unsere bisher beste Platte. Wir haben auch schon sehr gutes Feedback unserer Fans bekommen.
Lee: Ich habe bei unseren früheren Alben oft irgendwelche Lieder übersprungen, aber dieses höre ich mir immer komplett an. Es gibt keinen Song darauf, der mir nicht gefällt.

Also hört ihr tatsächlich Eure eigene Musik?
Lee: Nur!
Simon: Wenn man dabei ist, ein Album zu schreiben, möchte man äußere Eindrücke vermeiden. Denn sonst hat das Einfluss auf die Lieder, die man schreibt. Wenn wir in dieser Zeit Auto gefahren sind, haben wir nur Talkshows im Radio gehört, keine Musik. Bei langen Autofahrten lief auch mal Klassik.
Lee: Ich liebe klassische Musik! Ich passe dann immer meinen Fahrstil daran an, was im Stück passiert. Es darf nur nicht zu langsam sein, sonst schlafe ich am Steuer ein.

Ihr habt in der Vergangenheit mit Megastars wie Elton John oder Stevie Wonder zusammengearbeitet. Ist so etwas auch jetzt geplant?
Antony: Nein, kein Bruno Mars, niemand.
Lee: Vielleicht sollten wir mal P!nk fragen?

Ihr verbringt viel Zeit in Deutschland, um Euer Album zu promoten. Was sind dabei die größten Unterschiede zu eurer Heimat England?
Simon: Die Radiostationen sind hier ganz anders aufgebaut. In Deutschland trifft man viel mehr Leute, denen man seine Musik zeigen kann, denn es gibt für jede Region des Landes eigene Sender.
Duncan: In England gibt es nur nationale Radiostationen und wenn der zuständigen Person dort deine Musik nicht gefällt, hast du verloren.
Lee: Aber wir haben Glück, denn wir sind eine internationale Band. Wir werden das Album auch im UK veröffentlichen, aber wir wollten diesmal zuerst nach Deutschland. Wir haben Deutschland immer schon geliebt, aber jetzt wissen wir noch viel mehr zu schätzen, was uns hier für Möglichkeiten geboten werden. Wir sind mit der Single und dem Album in die deutschen Top Ten gekommen und das werden wir nie vergessen.
Simon: Ich glaube, das liegt vor allem daran, dass ihr in Deutschland Musik liebt und euch mit ihr auseinandersetzt. Hier muss man sich noch richtig beweisen. Wenn jemand im deutschen Fernsehen Playback singt, wird das sofort negativ registriert und hinterfragt. Akustik-Nummern werden dagegen total gerne gesehen, das ist großartig. In England schrecken die meisten Bands davor zurück, weil man sich dem Publikum ausliefert. Genau deshalb lieben wir Deutschland, denn wir möchten unbedingt unsere Songs live und akustisch präsentieren.
Duncan: Ich glaube, da hat uns der ESC gut getan. Dort werden keine Voll-Playbacks im Hintergrund abgespielt und besonders in England haben dadurch viele Leute gemerkt, was wir wirklich draufhaben. Die meisten Menschen denken, dass Bands wie wir nicht singen können. Da gibt es dann ein oder zwei mit guten Stimmen und die anderen sind dazu da, gut auszusehen.
Lee: Aber wir haben alles!

Auf der nächsten Seite: Blue über „Ich bin ein Star – holt mich hier raus!“ und ihre Liebe zu Berlin.


Vor kurzem lief bei uns „Ich bin ein Star – holt mich hier raus!“. Antony und Simon, Ihr habt bei der britischen Version mitgemacht. Würdet Ihr das wieder tun und könntet Ihr anderen Euch vorstellen, auch in den Dschungel zu gehen?
Antony: Oh, ich liebe diese Sendung! Ich hab‘ auch etwas von der deutschen Staffel dieses Jahr geguckt. Ich würde auf jeden Fall noch mal mitmachen.
Simon: Ich nicht, ich hatte wirklich keine schöne Zeit im Dschungel.
Lee: Ich würde mitmachen. Vielleicht würde ich so werden wie die Charaktere in „Herr der Fliegen“ von William Golding. Und die anderen würden dann sagen: „Er ist verdammt noch mal verrückt geworden, wir müssen ihn finden!“
Simon: Es gibt so viele Regeln dabei. Du darfst zum Beispiel nur auf ganz genau abgesteckten Wegen gehen, ansonsten fliegt man aus der Sendung.
Lee: Was meinst du damit?
Simon: Du wirst disqualifiziert!
Lee: Warum?
Simon: Weil das die Regeln sind. Aber du magst ja keine Regeln. Wenn dir jemand sagen würde, dass du nicht über die Abgrenzung darfst würdest du sagen: „Wollen wir wetten?“ und drübertreten.
Duncan: Es gibt im Dschungel giftige Tiere und sobald du das gesicherte Gebiet verlässt, greift die Versicherung nicht mehr.
Simon: Ich war manchmal kurz davor, absichtlich die Regeln zu brechen, um rauszufliegen. Ich persönlich hab‘ mich zwar mit jedem Camp-Bewohner verstanden, aber mir ist immer stärker klar geworden, dass das ein Spiel ist. Manche Teilnehmer hatten eine richtige Agenda über das, was in der Sendung passieren soll. Die haben auf ihrer Hängematte Texte geübt, die sie dann später vor versammelter Mannschaft aufgesagt haben. Denn wenn man mal darüber nachdenkt, ist der Dschungel doch nur eine Bühne. Ich wollte da nicht mitmachen und hab‘ mich unwohl gefühlt. Aber man lernt auch viel über sich selbst und ich konnte meine Angst vor Wasser und Spinnen bekämpfen. Von daher war es eine gute Erfahrung.

Duncan, Du möchtest in diesem Jahr nach Berlin ziehen. Was reizt dich an der Stadt?
Duncan: Berlin ist wahrscheinlich die beste Stadt, die ich in ganz Europa kenne. Ich liebe London, aber ich komme nicht von da und nach 14 Jahren ist es an der Zeit, zu gehen. Noch ist es eine gute Zeit dafür. Meine Mutter ist noch nicht so alt, dass ich in ihrer Nähe wohnen muss und meine Tochter ist acht und geht auf eine Ganztagsschule. Berlin hat einfach eine tolle Geschichte und Architektur. Die Leute sind sehr nett und es herrscht ein cooler Vibe. Die Londoner sind sehr prätentiös, während es in Berlin niemanden interessiert, wie du herumläufst. Ich habe einfach das Gefühl, gerne dort leben zu wollen. Und wenn man dann tatsächlich die Chance dazu bekommt, sollte man das auch tun. Ich werde es erstmal für ein Jahr ausprobieren und schauen, was passiert. Wahrscheinlich werde ich auch pendeln, es ist ja nur ein einstündiger Flug nach London. Ich bin schon als Kind viel gereist und mag es, nicht sesshaft zu sein.

Könntet Ihr anderen Euch auch vorstellen, umzuziehen? Ihr müsst schließlich viel zusammenarbeiten und Euch schnell treffen können.
Antony: Duncan ist sehr unabhängig in dem, was er tut. Ich bin das komplette Gegenteil, ich bin sehr heimatverbunden.
Lee: Das liegt daran, dass Antony Sternzeichen Krebs ist.
Simon: Ich würde auch umziehen. Ich wohne in London, aber es ist nicht meine Heimat. Wenn wir in Deutschland so erfolgreich werden, dass es Sinn macht, dauerhaft hier zu bleiben – warum nicht? Aber im Moment bin ich glücklich, wo ich bin.
Lee: Ich kann nicht lange an einem Ort bleiben. Ich glaube, ich werde nie aufhören, umherzuziehen. Es ist toll, aus dem Koffer zu leben.

Hattet Ihr schon Gelegenheit, Euch Hamburg anzusehen? Was wisst Ihr über die Stadt?
Antony: Haben hier nicht die Beatles ihre Karriere gestartet? Ich glaube, das kurzzeitige Beatles-Mitglied Stuart Sutcliffe hat hier sogar geheiratet und ist in Hamburg gestorben. Ich würde mir gerne ansehen, wo die Band angefangen hat.
Duncan: Ich weiß über Hamburg leider noch nichts.
Lee: Ich hab‘ heute im Flugzeug eine Frau gefragt, ob der Hamburger hier erfunden wurde, aber sie hat mich nur verständnislos angeschaut. Sie war von meinem Hamburg-Wissen nicht gerade beeindruckt.
Simon: Die beste Gelegenheit, das Nachtleben einer Stadt kennenzulernen ist, wenn wir auf Tour sind. Dann haben wir ein paar Tage Zeit, uns verschiedenen Locations anzusehen und die Leute auf den Konzerten und After-Partys sagen uns, was sich lohnt. Vor ein paar Wochen waren wir in Berlin und sind einfach vor dem Hotel ins Taxi gestiegen und haben dem Fahrer gesagt, er soll uns zu einer angesagten Adresse bringen. Es ging ins „Felix“. Das war ein ziemlich merkwürdiger Laden, aber die Musik war fantastisch und die Leute auch. Es war eine tolle Erfahrung! Lee ist da etwas passiert: Ein Mädchen kam auf ihn zu und fragte, ob er etwas trinken möchte. Er hat natürlich „Ja“ gesagt und dachte, er wird eingeladen. Hinterher wollte der Barkeeper ziemlich viel Geld von ihm haben. Wir haben die Beine in die Hand genommen und sind durch die Hintertür ins nächste Taxi gesprungen. Das war eine tolle Nacht!
Lee: Um es zusammenzufassen: Wir sind immer noch nicht erwachsen!

Möchtet Ihr Euren Fans in Deutschland zum Schluss noch etwas ausrichten?
Antony: Ein großes Dankeschön für die Geduld! Die Fans haben uns immer unterstützt, auch während unserer Solo-Zeit. Macht bitte so weiter und mit ein bisschen Glück sehen wir uns dann Ende des Jahres auf Tour!

Vielen Dank für das Gespräch.

Interview: Franziska Lehmann, André Depcke